Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Teure Versicherungen Hausratversicherungen werden teurer

Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die Hausratprämien von 2022 bis 2026 stark angestiegen sind.

Eine Hausratversicherung schützt die persönlichen, beweglichen Gegenstände in unserem Zuhause. Sie deckt Schäden oder Verluste ab, die durch äussere Einflüsse wie Feuer, Diebstahl oder Elementarschäden, zu denen Sturm oder Wasserschäden zählen, entstehen. Dieser Schutz hat jedoch auch seinen Preis.

Eine aktuelle Auswertung, die der Schweizer Onlinevergleichsdienst «Moneyland» auf Anfrage von SRF durchgeführt hat, zeigt, dass Anbieter von Hausratversicherungen in den vergangenen fünf Jahren kräftig an der Prämienschraube gedreht haben. So haben die in der Auswertung enthaltenen Versicherungen ihre Prämien im Durchschnitt von 2022 bis 2026 um rund 20 Prozent erhöht.

Die Preisveränderungen der letzten fünf Jahre zeigen, dass die Prämien je nach Versicherungsanbieter variieren. Allerdings ist bei allen Versicherungen eine Aufwärtstendenz festzustellen. Von diesen zum Teil massiven Prämienerhöhungen sind nicht nur Neukundinnen und Neukunden, sondern auch bereits Versicherte betroffen.

Das schreiben die Versicherer

Box aufklappen Box zuklappen

Smile: «Unsere Prämien werden auf Basis verschiedener, individueller Faktoren, unter Verwendung von anerkannten versicherungsmathematischen Methoden, berechnet. Die Anpassung der Versicherungssumme, angelehnt an der Entwicklung des Landesindex für Konsumentenpreise, führt ebenfalls zu Prämien-, aber auch Leistungsanpassungen für unsere Kundinnen und Kunden. Zu konkreten Prämienvolumen geben wir keine Auskunft und können die von Ihnen genannte Zahl daher nicht bestätigen.»

Mobiliar: «Die Mobiliar prüft regelmässig die Prämien ihrer Produkte und passt diese den Marktgegebenheiten an. Die Tarifanpassungen bei unserer Haushaltsversicherung sind vorab auf die Inflation bei den Schadenkosten zurückzuführen. Aufgrund der Klimaerwärmung und der damit verbundenen Zunahme von Extremwetterereignissen rechnen wir zudem langfristig mit einer höheren Schadenlast und steigenden Schadenfrequenzen. Als genossenschaftlich verankertes Unternehmen setzen wir in besonderem Masse auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung im Sinne unserer Kundinnen und Kunden. Dies bedingt, dass unsere Prämieneinnahmen mit der Entwicklung der Schadenaufwände korrelieren müssen. Wir nehmen wo nötig gezielte Tarifanpassungen vor und verzichten in der Breite aktuell auf flächendeckende Prämienerhöhungen. Wenn nötig, passen wir Prämien nur bei Vertragsänderungen oder Neuverträgen an.»

Axa: «Die Entwicklungen der Prämien zwischen 2022 und 2026 können wir so nicht bestätigen. Eine Prämienerhöhung ist immer abhängig vom jeweiligen Tarif der Kundin/des Kunden, pauschale Aussagen sind deshalb nicht möglich. Eine Prämienerhöhung ist für die Axa immer das letzte Mittel. Wir wenden zuerst andere Massnahmen an – unter anderem versucht die Axa ihre Schadenabwicklung effizienter zu gestalten sowie das Thema mit Prävention anzugehen. Allerdings haben wir im Bereich der Haushaltversicherung in den letzten Jahren höhere Kosten für Ersatzteile, Geräte und Reparaturen im Schadenfall verzeichnet. Darüber hinaus haben Diebstähle, Einbrüche und Unwetterschäden zugenommen.»

Simpego: «Grundsätzlich folgen die Prämien den Erfahrungen der vergangenen Jahre: Inflation, eine erhöhte Unwetter-Frequenz und -Stärke sowie gestiegene Schadenaufwände bei Diebstählen haben die Schadenaufwände in die Höhe getrieben. Simpego hat ein äusserst attraktives Prämienniveau, weshalb Prämienanpassungen prozentual grösser ausfallen können.»

Von den untersuchten Versicherungen hat die Smile-Versicherung mit 24 Prozent den höchsten Anstieg der Hausratprämien in den letzten vier Jahren verzeichnet. Smile ist eine Digitalversicherung, die zur Helvetia-Baloise-Gruppe gehört.

Wenn es nicht ganz klare Indizien gibt, aus welchen Gründen die Prämien angehoben wurden, wäre es vielleicht gut, wenn die Wettbewerbskommission mal hinschaut.
Autor: Sara Stalder Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz

Immo Hütte, Geschäftsführer von «Moneyland» sagt: «Wir stellen in den Portalen fest, dass die Anbieter, die sich bisher eher günstig positioniert haben, etwas höhere Preisaufschläge haben gegenüber denen, die sich bisher eher etwas teurer positioniert haben. Dort fallen die Preisaufschläge moderater aus.»

Grundlose Prämienangleichungen wären aus Sicht der Konsumentenschützerin ein Fall für die Wettbewerbskommission. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), sagt: «Wenn es nicht ganz klare Indizien gibt, aus welchen Gründen die Prämien angehoben wurden, wäre es vielleicht gut, wenn die Wettbewerbskommission mal hinschaut.» Es sei ein überschaubarer Markt und da könnten Absprachen durchaus möglich sein.

Worauf Versicherungsnehmer achten können

Doch was können Versicherte selbst tun, wenn sie mit massiven Prämienerhöhungen konfrontiert sind? Immo Hütte von «Moneyland» empfiehlt, das Gespräch mit der Versicherung zu suchen: «Am Ende, wenn man mit der Versicherung spricht, wird dann doch immer nochmal am Preis geschraubt.»

Helles Wohnzimmer mit offener Küche, Sofa und Tisch.
Legende: Wer Möbel und Co. versichern will, muss heute mehr bezahlen als noch vor vier Jahren. iStock-Travelism

Stalder weist auf die Möglichkeit hin, die Versicherung zu wechseln. Ausserdem rät sie, vor dem Abschluss einer Versicherungspolice besonders auf die Vertragsdauer zu achten. Sie empfiehlt, möglichst kurze Laufzeiten zu wählen. Denn Lebensumstände könnten sich rasch ändern, und wer langfristig gebunden sei, komme unter Umständen nur schwer aus einem Vertrag heraus. So ist es oft sinnvoll, auf Jahresverträge zu setzen, da sie den Versicherten die Möglichkeit bieten, ihre Police regelmässig zu überprüfen und bei Bedarf zu wechseln.

Tagesschau, 29.5.2026, 19:30 Uhr

Meistgelesene Artikel