Worum geht es? Die UBS will im globalen Geschäft mit den Superreichen ganz oben mitspielen. Der entscheidende Schlüssel dazu liegt in den USA, dem weltweit am schnellsten wachsenden Markt für Millionäre. Rund 24 Millionen von ihnen leben gemäss Zahlen der UBS im Land – eine hochattraktive Klientel. Doch während amerikanische Rivalen wie J.P. Morgan oder Morgan Stanley äusserst profitabel arbeiten, hinkt die UBS hinterher. Die Marschrichtung von Konzernchef Ermotti lautet: Die UBS muss auf dem US-Markt dringend wachsen.
Warum ist das US-Geschäft so kompliziert? Heute beschäftigt die UBS in den USA rund 25’000 Angestellte, darunter ein grosses Netz von 5700 sehr mächtigen Finanzberatern. Diese agieren praktisch wie eigenständige Unternehmer, die ihre Kundenbeziehungen im Zweifelsfall einfach zur Konkurrenz mitnehmen. Das macht die UBS erpressbar. Die Kunden seien am Schluss Kunden dieser Berater, die oft unter einer eigenen Marke arbeiteten, und eben nicht Kunden der UBS, sagt Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel. Und: «Weil die Bindung zum Berater viel stärker ist als zur Bank, besitzen diese Berater eine enorme Marktmacht – auch bei den Konditionen.» Um den Verlust von Topleuten zu verhindern, tobt an der Wall Street ein zähes Ringen um die besten Talente. Die UBS lockt Spitzenkräfte mittlerweile mit millionenschweren Antrittsprämien an, die an langfristige Verträge gekoppelt sind. Das drückt den Profit.
Wie gross ist der Schaden durch abgewanderte Berater? Derzeit verwaltet die UBS in den USA ein Vermögen von 2.4 Billionen US-Dollar. Doch die Bilanz ist durchzogen. Laut Zahlen des Branchenportals Advisor Hub kehrten nach umstrittenen Kürzungen bei den Löhnen im Jahr 2025 über fünfzig hochkarätige Beraterteams der UBS den Rücken und nahmen Kundengelder im Wert von fast 52 Milliarden Dollar mit zur Konkurrenz. Im ersten Quartal 2026 zeigten sich mit einem Nettozufluss von über fünf Milliarden Dollar erste Anzeichen einer Stabilisierung, im zweiten Quartal war es eine Milliarde – auch weil die UBS hastig die Boni für ihre verbliebenen Berater wieder erhöht hatte.
Wie will die UBS das Problem lösen? Unter dem Projektnamen «Build the Bank» will sich die UBS in den USA breiter aufstellen und die Abhängigkeit von den Beratern senken. Dank einer neuen nationalen Banklizenz soll die reine Vermögensverwalterin ab Ende nächsten Jahres zur Universalbank ausgebaut werden. Mit eigenen Sparkonten, Zahlungsdiensten und Krediten sollen Kunden enger an das Institut gebunden werden. Bankenanalyst Venditti sieht den Hebel zur Besserung «schlicht und einfach» darin, dass man die bestehende Organisation durch eine Verbreiterung der Produktpalette besser auslastet.
Welche Hürde droht aus der Schweizer Heimat? Finanzministerin Karin Keller-Sutter fordert, dass ausländische Tochtergesellschaften im Schweizer Stammhaus vollständig mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Ihre Pläne zielen direkt auf das Auslandswachstum der UBS ab. Will Ermotti also eine US-Bank kaufen, um schneller zu wachsen, muss die UBS tief in die Tasche greifen: einmal für den Kaufpreis in den USA und ein zweites Mal für die Sicherheitsreserve in der Schweiz. Doch so entschlossen die Haltung des Bundesrats auch sein mag – das bürgerlich dominierte Parlament bastelt hinter den Kulissen längst an einem Kompromiss. Ein entsprechender Entwurf dürfte bereits im August vorliegen.