Die UBS zählt rund 230'000 registrierte Aktionärinnen und Aktionäre. Diese besitzen 42 Prozent der Aktien. Die übrigen 58 Prozent sind im Besitz von Personen oder Institutionen, die sich nicht ins Aktienregister eingetragen haben und damit anonym bleiben. Während sich kleine Geldgeber differenziert zum Eigenkapital äussern, schweigen die Grossen.
UBS-Kleinaktionär Arthur Albrecht hat durch den Untergang der Credit Suisse mit seiner CS-Aktie 2023 finanzielle Verluste erlitten. Er würde eine Eigenkapitalerhöhung der verbliebenen Grossbank begrüssen: «Mit genug Eigenkapital kann die Bank nicht so schnell bankrottgehen. Ich habe zuletzt zwar wieder Geld gewonnen mit der UBS-Aktie, insgesamt aber nicht so ein gutes Bauchgefühl.»
Er ist auf der Linie von Bundesrätin Karin Keller-Sutter, die vor einer Woche auf «Theorien» verwies, die zeigten, dass der Aktienpreis mittel- bis langfristig ansteige, weil die Stabilität der Bank grösser wäre.
Bei einer SRF-Umfrage an der UBS-Generalversammlung vor zwei Wochen ergab sich ein differenziertes Bild: «Was der Bundesrat will, ist zu hoch. Ein guter Kompromiss wäre super», war da von kleinen Investorinnen zu hören. Aber auch: «Eigenkapital ist totes Kapital. Aber anderseits kann es nicht sein, dass nochmals so etwas passiert wie mit der Credit Suisse.»
Das Schweigen der Einflussreichen
Auch bei 15 der grössten UBS-Aktionäre in der Schweiz und im Ausland hat SRF nachgefragt: Egal ob auf Deutsch, Englisch oder Japanisch – die Antwort war immer dieselbe: «Kein Kommentar.» Niemand will sich öffentlich äussern. Wer will sich schon gegen mehr Eigenkapital aussprechen und es sich so mit der Schweizer Regierung verspielen, sagt am Telefon eine Person, die nicht genannt werden will. Und eine Schweizer Bank antwortet schriftlich, sie äussere sich grundsätzlich nicht zu Mitbewerbern.
Sollte die UBS tatsächlich ihren Sitz ins Ausland verlegen wollen, um sich allfälligen neuen Eigenkapital-Vorschriften zu entziehen, müssten sich auch die Grossinvestoren äussern, ob sie einen solchen Schritt für angemessen halten. Ob dies öffentlich geschähe, bleibt fraglich.
Das «falsche Argument» der Bundesrätin
Für Finanzprofessor Thorsten Hens von der Universität Zürich ist die Rechnung einfach. Wie jedes gewinnorientierte Unternehmen versuche auch die UBS, ihre Eigenkapitalrendite zu maximieren. Und mehr Eigenkapital bedeute weniger Eigenkapitalrendite, da diese ja der Gewinn pro Eigenkapital sei.
Die Gewinnmaximierung berge aber auch Risiken, wie sich während der globalen Finanzkrise ab 2007 bei der UBS gezeigt habe. «In Krisen muss der Staat einspringen. Darum ist klar, dass Frau Keller-Sutter mehr Eigenkapital für mehr Sicherheit fordert. Aber das Argument (Anm. Red: mehr Eigenkapital ist auch gut für die Aktionäre) ist falsch.»
Hens geht davon aus, dass im Falle von höheren Eigenkapital-Anforderungen UBS-Aktionäre abspringen würden. «Aber das ist immer noch besser als eine weniger sichere UBS.»
Die UBS sieht bei verschärften Vorschriften Wettbewerbsnachteile. Sie werde «weiterhin geeignete Massnahmen prüfen, um die Interessen ihrer Aktionäre zu schützen». An den geplanten Gewinnausschüttungen zugunsten der Investoren hält die Bank fest.