Berge, Wasserfälle, Atlantikstrände – die Natur North Carolinas ist einnehmend. Aber ihretwegen ziehen Schweizer Unternehmen nicht in den Bundesstaat. Sondern wegen aktiver Standortpolitik.
Diese ist umso wirkungsvoller, seitdem die US-Regierung praktisch die gesamte Welt im Zoll-Schwitzkasten hält. Im Zuge dessen hatte die Schweiz ausserdem versprochen, bis 2028 200 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren, 67 Milliarden davon bis Ende 2026.
Josh Stein ist seit 2025 Gouverneur von North Carolina. Zum Interview mit SRF reist der demokratische Politiker mit reichlich Eigenwerbung im Gepäck an. Er sagt: «Wenn Unternehmen North Carolina in Betracht ziehen, wissen sie, dass sie hier erstklassige Wissenschaftler und Forscher finden, aber auch Fachkräfte, die jedes von ihnen hergestellte Produkt in höchster Qualität produzieren können.»
Pharma- und Medtechfirmen kommen in Scharen: Roche, Novartis und Ypsomed sind drei Beispiele. Roche und Novartis bauen derzeit grosse Produktionsanlagen in North Carolina, mit Investitionssummen im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Ypsomed-Chef Simon Michel hat im Ort Holly Springs eine Fabrik übernommen und will sie 2027 in Betrieb nehmen. Das Medtech-Unternehmen, das auf Injektoren setzt, investiert 200 Millionen Franken. Er sagt über den Standort: «Sie investieren massiv in Bildung, Ausbildung, Arbeitskräfte. Sie unterstützen uns auch mit steuerlichen Massnahmen.»
Zwar bekennt sich Michel zum Standort Schweiz und will Forschung und Entwicklung nicht auslagern, «aber die Produktion kann sehr wohl auch in den USA oder in China für die lokalen Märkte stattfinden.»
Schweizer Unternehmen beschäftigen 8100 Einwohner von North Carolina
«Die Schweiz spielt in den Bereichen Pharma und fortschrittliche Fertigung eine sehr wichtige Rolle für die Wirtschaft von North Carolina», sagt Gouverneur Josh Stein. 80 Schweizer Unternehmen seien in seinem Bundesstaat tätig, «insgesamt beschäftigen sie über 8100 Einwohner von North Carolina.» Auch Unternehmen wie ABB, Sika oder Nestlé sind schon länger vor Ort.
Für den Schweizer Pharmastandort sind das keine erfreulichen Nachrichten, sagt René Buholzer, Geschäftsführer des Verbands Pharmasuisse. Der Standort Schweiz stehe unter Druck. «Wir stehen am Scheideweg, die Welt hat sich fundamental verändert. Wenn wir uns nicht bewegen, werden die goldenen Zeiten vorbei sein.»
Gouverneur Josh Stein vertritt die Ansicht, dass die Präsenz in den USA auch für die Schweiz Vorteile habe. «Wir verfügen über einen sehr günstigen Standort an der Ostküste, etwa auf halber Strecke zwischen Florida und New York. Im Umkreis von einer Tagesfahrt leben 150 Millionen Amerikaner. Das bedeutet Zugang zu vielen Märkten.»
Am Vortag des Interviews war er bei einem Schweizer Unternehmen, das sich ebenfalls in North Carolina ansiedeln will – der Name bleibt bis zur Entscheidung geheim. Weitere Treffen sind geplant.
Und dann liefert Josh Stein noch eine Portion historischen Kitt: «Tatsächlich kamen einige der ersten Siedler Anfang des 18. Jahrhunderts nach North Carolina und gründeten dort die zweitgrösste Stadt des Bundesstaates: New Bern.»