Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Wacklige Weltwirtschaft Kühne+Nagel: Flugfracht wird komplizierter

Wegen sinkenden Gewinns 2025 ist ein Sparprogramm im Gang. Und: Der Krieg im Iran schafft neue Herausforderungen.

Eine weltweite Konsumflaute und unberechenbare Zölle hatten zur Folge, dass im letzten Jahr weniger Waren über die Weltmeere transportiert wurden als 2024. Die Frachtraten sanken, ebenso die Erträge bei Kühne+Nagel. Ein rigoroses Sparprogramm soll den Konzern jetzt auf Kurs bringen.

Weniger Umsatz, weniger Gewinn

Box aufklappen Box zuklappen

2025 schrieb Kühne+Nagel einen leicht tieferen Umsatz und verdiente unter dem Strich klar weniger. Der Nettoumsatz nahm im Gesamtjahr um 1 Prozent auf 24.5 Milliarden Franken ab. Währungsbereinigt hätte allerdings ein Wachstum von 3 Prozent resultiert.

Der um die volatilen Frachttarife bereinigte Rohertrag erhöhte sich um 2 Prozent auf 8.8 Milliarden Franken. Die Profitabilität verschlechterte sich markant: Das Betriebsergebnis (operativer EBIT ohne Einmaleffekte) ging um 17 Prozent auf knapp 1.4 Milliarden Franken zurück, der Reingewinn schrumpfte um ein Viertel auf 925 Millionen.

Schon im Herbst 2025 hatte das Management mit einem Sparprogramm auf den absehbaren Gewinnrückgang reagiert. Laut früheren Angaben wurden weltweit 1000 bis 1500 der insgesamt 85'000 Stellen gestrichen. Insgesamt peilt das Unternehmen Einsparungen von über 200 Millionen Franken an. (sda)

Und: Die Eskalation im Nahen Osten mit dem Krieg gegen den Iran dürfte den Welthandel erneut durchschütteln. Das bestätigte Kühne+Nagel-Chef Stefan Paul an der Medienkonferenz.

Schiffe fahren ums Kap der Guten Hoffnung

Die Schifffahrt sei davon aber weniger betroffen, weil in letzter Zeit nur wenige Schiffe via Rotes Meer und Suezkanal aus Asien nach Europa gefahren seien. Inzwischen würden ohnehin alle Schiffe des Konzerns auf die Route um Afrika geschickt, ums Kap der Guten Hoffnung, so Stefan Paul.

Denn wer in die Konfliktregion fahre, müsse nun mit höheren Sicherheitskosten und Versicherungsgebühren rechnen, betonte der Kühne+Nagel-Chef.

Im Gegensatz zum Schiffstransport ist das Luftfrachtgeschäft bei Kühne+Nagel im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Haupttreiber sind da etwa Halbleiterchips für KI-Rechenzentren. Sie werden per Flugzeug und nicht per Schiff transportiert.

Frachtflugzeug hebt auf der Landebahn ab, Abenddämmerung.
Legende: Ein Wachstum verzeichnete Kühne+Nagel im letzten Jahr im Bereich der Flugfracht. Imago/Arnulf Hetrich

Weil nun aber wichtige Drehkreuze auf der arabischen Halbinsel durch den Iran-Krieg ausfallen, gebe es da neuerdings Probleme, so Stefan Paul. Etwa 18 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazität seien deswegen zurzeit gegroundet.

Veränderungen bei der Luftfracht wegen Krieg

So blieben etwa bei der Fluggesellschaft Emirates nicht nur die Passagiermaschinen am Boden, mit denen auch Fracht transportiert wird, sondern auch alle Emirates-Frachtflugzeuge.

Als Folge davon braucht es Ersatzflugzeuge, die speziell für den Warentransport angeschafft werden müssen. «Die Luftfracht wird relativ zügig eine Veränderung bei Supply and Demand erleben – ähnlich, aber eingegrenzter, wie das bei Covid war», sagt der Kühne+Nagel-Chef.

In den nächsten Tagen werde sich zeigen, wie viele Flugzeuge Kühne+Nagel chartern wird. Chartern bedeutet auch, dass dieser zusätzliche Aufwand plus höhere Energiepreise die Frachtkosten verteuern dürften.

Und das wiederum heisst wohl: Die tendenziell höheren Frachtraten dürften Speditionskonzernen wie Kühne+Nagel in naher Zukunft mehr Erträge in die Kassen spülen.

Rendez-vous, 3.3.2026, 12:30 Uhr;brus

Meistgelesene Artikel