- Die EU-Kommission hat eine Strafe in der Höhe von 200 Millionen Franken gegen den chinesischen Online-Marktplatz Temu verhängt.
- Der Vorwurf: Temu verkaufe in Europa mutmasslich illegale Produkte – und es deklariere Risiken und Schäden für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ordnungsgemäss.
- Es handle sich um einen besonders schwerwiegenden Verstoss gegen das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act – DSA), teilt die Brüsseler Behörde mit.
«Die Risikobewertung von Temu unterschätzt konkrete Risiken, ist zu unspezifisch, stützt sich nicht auf solide Beweise und ist nicht umfassend», prangert die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen, an. Sie zeige nicht «das tatsächliche Ausmass des potenziellen Schadens», den über Temu verkaufte illegale Produkte verursachen.
Temu habe mittlerweile 130 Millionen Kunden in Europa, sodass illegale Produkte viele EU-Bürger erreichten, sagte Virkkunen.
Gefährliches Babyspielzeug und Ladegeräte
Die EU-Kommission verweist unter anderem auf Testkäufe im vergangenen Jahr, bei denen viele Produkte durchgefallen seien. Ein «sehr hoher Prozentsatz der ausgewählten Ladegeräte» habe dabei «grundlegende Sicherheitstests nicht bestanden».
Ein «hoher Prozentsatz der getesteten Babyspielzeuge» habe die Chemikalien-Grenzwerte überschritten oder es habe Erstickungsgefahr wegen abnehmbarer Teile bestanden.
Die EU-Kommission bemängelt, dass Temus Risikobewertung anders als gesetzlich gefordert auf allgemeinen Informationen über Risiken im gesamten E-Commerce-Sektor beruhe anstatt auf «konkreten Belegen zum eigenen Dienst», einschliesslich öffentlicher Berichte und Tests.
Sie habe zudem nicht angemessen bewertet, inwieweit Temus Gestaltung das Risiko, illegale Produkte zu verbreiten, verstärken könnte. Als Beispiele nannte die EU-Kommission Produktwerbung durch Influencer sowie Empfehlungssysteme.
Temu muss nun die Strafe zahlen und die Probleme beheben – sonst könnte die Behörde zusätzlich tägliche Strafzahlungen verhängen. Unabhängig davon untersuchen die Experten der EU-Kommission derzeit auch, ob Temu unter anderem durch eine Einschränkung des Zugangs von Forschenden zu Daten gegen EU-Recht verstossen könnte und mehr gegen den Verkauf illegaler Produkte tun müsste, wie Virkkunen sagte. Auch die chinesischen Mitbewerber Aliexpress und Shein stehen im Fokus.