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Wissenschaft unter Druck ETH-Präsident: «Mehr Professoren bewerben sich bei uns»

Am Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich Wirtschaft und Politik – aber auch die Wissenshaft pflegt hier ihren Austausch. Als Präsident der ETH Zürich besucht Joël Mesot das WEF jedes Jahr. Dieses Jahr, dem letzten für ihn als ETH-Präsident, steht die internationale Wissenschaft besonders unter Druck.

Joël Mesot

Präsident ETH Zürich

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Joël Mesot ist in Genf aufgewachsen und studierte Physik an der ETH Zürich. 2007 wurde er zum Titularprofessor an der ETH Zürich ernannt. Seit 2019 ist Joël Mesot Präsident der ETH Zürich.

SRF News: Als Präsident der ETH Zürich kommen Sie jedes Jahr hierher. Warum?

Joël Mesot: Wir haben sehr viele Kooperationen weltweit, um die 9000. Viele von unseren Partnern sind hier in Davos. Es ist eine einmalige Gelegenheit, sie zu treffen, gewisse Themen zu vertiefen, vielleicht sogar neue Kooperationen zu beginnen.

Die USA sind stark, und wenn so etwas bei einem starken Partner geschieht, dann hat das auch Konsequenzen für uns.
Autor: Joël Mesot Präsident ETH Zürich

Die freie Forschung steht unter Druck. Das hat viel mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun, der staatliche Gelder an die Frage koppelt, ob die politische Ausrichtung von gewissen Forschungsprogrammen ihm passt oder nicht. Wie sehen Sie die Vorgänge in den USA?

Die Präsidenten von den Top-Universitäten zu treffen, ist ein Grund, hier zu sein. Die sind alle da und wir tauschen uns aus. Und wir schauen: Welche Lösungen haben wir für welche Herausforderungen. Und natürlich ist das ein Thema. Wir sind sehr gut darüber informiert, was dort abläuft. Und das ist nicht nur in den USA ein Problem. Das ist für die ganze Wissenschaftsgemeinschaft ein Thema. Die USA sind stark, und wenn so etwas bei einem starken Partner geschieht, dann hat das auch Konsequenzen für uns.

Inwiefern ist der Schaden eben nicht nur auf die USA begrenzt? 

Wir sehen, dass sich viel mehr Professorinnen und Professoren bei uns bewerben, doppelt so viele wie vorher. Kurzfristig kann man natürlich denken, dass das gut ist. Auch Studierende aus den USA bewerben sich bei uns für das Studium. Das ist etwas Neues. Und auch hier: Kurzfristig kann man das als Opportunität für die Schweiz sehen. Aber für die ETH ist das langfristig natürlich ein Verlust, für die gesamte weltweite Wissenschafts­gemeinschaft. Das ist nicht gut.

Wie lässt sich das reparieren?

Das müssen die USA selber lösen, das ist ganz klar. Wir werden uns nicht einmischen und ihnen sagen, wie es gehen soll. Aber wir unterstützen zum Beispiel gemeinsame Programme. Und die ETH ist natürlich ein sehr gesuchter Partner. Da gibt es genug Möglichkeiten.

Spin-off-Boom an der ETH-Zürich

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Die Eidgenössische Technische Hochschule unterstützt Studenten und Doktorandinnen, innovative Forschungsergebnisse marktfähig zu machen. Bis heute zählt die ETH 615 Firmengründungen, die direkt aus ihr hervorgehen, sogenannte Spin-offs. Die Zahl der Spin-offs nahm seit den 90er-Jahren zu. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 37 Gründungen.

Ein grosser Teil ist zurzeit vor allem in den Bereichen KI und Biotechnologie angesiedelt. Bemerkenswert ist die Überlebensrate: 81 Prozent der Unternehmen sind 10 Jahre nach ihrer Gründung noch aktiv. 425 Millionen Franken wurden im Jahr 2024 in ETH-Spin-offs investiert.

Das WEF ist ein Wirtschaftsforum. In Sachen Spin-Offs hat die ETH in den letzten Jahren eine eindrückliche Dynamik bewiesen. Was bedeutet das?

Nicht nur die Anzahl der Spin-offs ist gross. Wir haben im Durchschnitt 35 bis 40 pro Jahr. Da sind wir auf Augenhöhe mit Oxford, Cambridge. Aber was wichtiger ist, ist auch das Kapital, das in diese Spin-offs fliesst. In gewissen Jahren ist das eine Milliarde oder mehr. Das ist neu. Und dann ist da für mich die Dynamik: Die Studierenden sehen das und sagen: ich will auch. Und so gibt es eine fantastische Dynamik. 

Das Gespräch führte Eveline Kobler.

SRF 4 News, 18.1.2026, 9 Uhr ; 

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