Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 234'000 Neuwagen zugelassen – so wenige wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der Verkauf von Verbrennern geht zurück, der Absatz bei den E-Autos stottert: Nur 34 Prozent der Neuwagen laufen mit Strom – gemäss den Vorgaben des Bundes müssten es über 50 Prozent sein. Aus diesem Grund wird eine Strafzahlung im dreistelligen Millionenbereich fällig. Für Peter Grünenfelder, Präsident Auto-Schweiz, liegt die Verantwortung bei der Bundespolitik.
SRF: Die Verkaufszahlen von Autos in der Schweiz sind 2025 auf einem historischen Tiefstand. Wie blicken Sie angesichts dieser Zahlen in die Zukunft?
Peter Grünenfelder: In der Automobilwirtschaft muss man grundsätzlich Optimist sein. Aber die Sorgenfalten sind da, vor allem auch die Verärgerung über die politischen Rahmenbedingungen, die uns das Leben schwer machen.
Hat die Branche auch selbst Fehler gemacht?
Ein klares Nein. Der Staat schafft keinerlei Konsumanreize, um den Autokauf zu erleichtern. Stattdessen will man uns neue Steuern auferlegen, man will das Null-Prozent-Leasing verbieten und es gibt diese Vorstellungen in Bundesbern, das jedes zweite verkaufte Auto einen E-Anteil haben soll.
Die E-Mobilität muss alltagstauglich für die breite Masse werden, insbesondere für Mieter.
Aktuell liegen wir bei den Verkäufen von Elektroautos nur bei gut 30 Prozent. Sind die Fahrzeuge für die Kundschaft schlicht zu wenig attraktiv?
Wer einmal ein E-Auto fährt, will es meist nicht mehr hergeben. Es bietet von der Fahrdynamik und auch generell viele Vorteile. Aber die E-Mobilität muss alltagstauglich für die breite Masse werden, insbesondere für Mieterinnen und Mieter. Wir müssen die Lade-Infrastruktur ausbauen. Dazu brauchen wir tiefere Strompreise. Hier ist der staatliche Energiemarkt gefragt, es braucht dringend eine Kurskorrektur.
In Norwegen fährt bereits über die Hälfte der Bevölkerung elektrisch. Die Schweiz hinkt hinterher, obwohl laut Ihrem Verband über 300 Modelle angeboten werden. Haben Sie zu lange an den Verbrennern festgehalten?
Das sehe ich nicht so. Wir investieren europaweit 80 Milliarden Euro pro Jahr in neue Technologien, darunter E-Mobilität. Das zeigt den Zukunftsglauben in unserer Branche. Aber die Umstellung ist ein Kulturwandel. Das braucht Zeit, die man der Bevölkerung auch zugestehen muss.
Im Gegensatz zu den Neuwagen gewinnen Occasionen an Bedeutung. Ist es am Schluss eine Preisfrage?
Es ist nicht nur eine Preisfrage. Es gibt gute Occasionen mit wenigen Kilometern – sowohl Verbrenner, als auch E-Autos. Ich bin darum auch in diesem Bereich zuversichtlich, dass wir mittelfristig die Trendwende schaffen.
Das Gespräch führte Sven Epiney.