Der Wohnungsmarkt in der Schweiz ist angespannt. Die Suche nach einem neuen Zuhause kann – je nach Ort – zum mühseligen Unterfangen werden. Schweizweit steht nur rund ein Prozent aller Wohnungen und Einfamilienhäuser frei. Die Leerwohnungsziffer sinkt seit fünf Jahren.
Besonders akut ist die Wohnungsnot in der Stadt Zürich: Bei der aktuellsten Zählung im Jahr 2025 war nur ein Bruchteil (0.1 Prozent) aller bestehenden Wohnungen und Einfamilienhäuser frei. Auf tausend Wohnungen kommt also eine einzige freie.
Staatliche Eingriffe – die Lösung?
Die Politik hat das Problem erkannt: Im Kanton Zürich stehen gleich drei Vorlagen rund um bezahlbaren Wohnraum zur Abstimmung – von unterschiedlicher Adresse.
Während die Linke und der Mieterverband auf staatliche Wohnbaustiftungen und Kündigungsschutz setzen, fokussiert die bürgerliche Seite auf die Förderung von Wohneigentum und die Ausweitung des Angebots durch Deregulierung.
Streitpunkt Leerkündigungen
Besonders die «Wohnschutz-Initiative» sorgt für kontroverse Diskussionen. Der Mieterinnen- und Mieterverband will damit schärfere Massnahmen gegen Kündigungen aufgrund von Sanierungen erwirken. «Wir müssen sicherstellen, dass die Leute nicht unnötig aus ihren Wohnungen geworfen werden», sagt Walter Angst, Co-Geschäftsleiter des Zürcher Mieterverbands.
Er kritisiert die aktuelle Praxis der Immobilienwirtschaft, die oft intakte Häuser abreisse, um massiv höhere Renditen zu erzielen.
Tina Deplazes, Präsidentin der Mitte Kanton Zürich, gibt zu bedenken, dass ein zu starker Schutz den Markt für alle anderen blockiere. «Wenn wir den Bestand so extrem schützen, haben Neumieter keine Chance mehr auf dem Markt», so Deplazes.
Die Preisdiskrepanz zwischen bestehenden Verträgen und neuen Angeboten führe dazu, dass der nötige Wohnungswechsel – etwa wenn Familien grössere oder Senioren kleinere Wohnungen suchen – finanziell nicht rentiere.
Wie regulieren?
Für Deplazes liegt die Lösung in der Vereinfachung von Bauprozessen. Sie setzt sich für staatliche Anreize ein, damit Private effizienter und dichter bauen können: «Wir müssen das Angebot ausweiten, statt den Markt durch Bewilligungspflichten weiter zu verknappen.»
Walter Angst widerspricht. Solange die Preise ungebremst steigen, genüge das zusätzliche Angebot nicht. Angst sieht die Immobilienbranche in einer zu starken Machtposition: «Ich habe noch nie gesehen, dass man einen Punkt erreichte, an dem die Immobilienwirtschaft sich von sich aus bewegt hat», entgegnet er.
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Im aktuellen Marktumfeld könnten Institutionelle «absurde Aufwertungen» realisieren, weshalb es zwingend griffige Regulierungen brauche, um die Mietpreise wieder in ein bezahlbares Verhältnis zum Haushaltseinkommen zu bringen.
Bauen allein reicht nicht
Hier finden sich Deplazes und Angst in der «Forum»-Diskussion auf SRF: Mehr zu bauen reicht nicht, ist aber ein wichtiger Bestandteil. Ebenfalls verständigen können sich beide auf die Stärkung von Genossenschaftsbauten.
Im Nationalrat wird das Anliegen ebenfalls debattiert: Anfang März sprach die Kammer zusätzliche Gelder für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Diese fliessen in einen Fonds, mit dem der Staat Darlehen für Neubauten, Erneuerungen und den Kauf von Liegenschaften finanziert.