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Munition, Schiffe, Bauschutt Was alles auf dem Grund unserer Seen und Flüsse liegt

Bereits seit tausenden von Jahren hinterlassen wir Menschen Spuren in unseren Gewässern. Pünktlich zur Badesaison gehen wir jenen Dingen auf den Grund, die eigentlich nicht dorthin gehören.

Munition bis zum Abwinken

Die Armee hat bis Mitte in die 1960er-Jahre massenhaft Munition in Schweizer Seen entsorgt. Rund 8000 Tonnen sollen allein in Brienzer-, Thuner- und Vierwaldstättersee liegen. Im Rotsee bei Luzern verstecken sich gemäss VBS gar tausende Handgranaten, die nach einer Explosion eines Munitionslagers 1916 in die Tiefen des Wassers gespickt wurden.

«Die grösste Gefahr ist, dass Substanzen aus der Munition treten und das Seewasser kontaminieren», sagt Anne-Laure Gassner, Projektleiterin im Fachbereich Explosivstoffe und Munitionsüberwachung von Armasuisse. Die Ware wird vorerst trotzdem nicht raufgeholt, da es derzeit keine Anzeichen gebe, die eine Bergung nötig machten, heisst es. Umweltschützer sind anderer Meinung.

Überreste von Pfahlbauten

«Pfahlbauersiedlungen findet man häufig am oder im See und an sumpfigen Stellen», sagt Urs Leuzinger vom thurgauischen Amt für Archäologie. «Es gibt mehrere hundert Fundstellen in der gesamten Schweiz.» Menschen suchten bereits in prähistorischen Zeiten die Nähe zum Wasser.

Unterwasseransicht von alten, bemoosten Holzstrukturen von Pfahlbauern.
Legende: Uralte Konstruktion: Die Überreste einer Pfahlbausiedlung bei Kehrsite am Vierwaldstättersee. Keystone/STAATSARCHIV NIDWALDEN

«Die Wasserpegel haben sich in den letzten tausenden Jahren aufgrund klimatischer Veränderungen erhöht», sagt der Archäologe. «Deshalb findet man die Überreste häufig unter Wasser.»

Artefakte von den Römern

Im Neuenburgersee fanden Archäologen im März hunderte Artefakte wie Keramikgefässe, Räder und Waffen. Es sind die Überreste der Fracht eines Handelsschiffs, das wohl vor rund 2000 Jahren gesunken ist.

Taucher untersucht antike Amphoren auf Meeresboden.
Legende: Keramik, Räder, Waffen: Taucher bergen den römischen Schatz aus dem Neuenburgersee. Keystone/FONDATION OCTOPUS

«Die Gegenstände sind sehr gut erhalten», sagt Kantonsarchäologin Sonja Wüthrich gegenüber SRF. «Das soll uns neue Erkenntnisse bringen, wie die Menschen damals gelebt haben, welche Techniken und Handelsbeziehungen sie hatten.»

Kühlschränke, Geschirr, Dildos

Meist nicht ganz so alt ist der Müll, den die Organisation Abfalltaucher Schweiz jährlich aus dem Wasser fischen. «Dabei handelt es sich zum Beispiel um Einweggeschirr, Büchsen, Flaschen, Zigarettenstummel, Scherben und anderen Alltagsmüll», sagt Matthias Ardizzon, Präsident des gemeinnützigen Vereins.

Altes Fahrrad und Müllhaufen auf grünem Kunststoffuntergrund.
Legende: Gefunden in Ufernähe: Die Abfalltaucher Schweiz räumen unter Wasser auf. Keystone/URS FLUEELER

«Hin und wieder finden wir speziellere Dinge wie Stereoanlagen, Kühlschränke, Dildos, Tresore oder natürlich Velos, E-Bikes und E-Trottis.» Die Abfalltaucher führen jährlich schweizweit rund ein Dutzend sogenannte Clean-Ups durch. Dabei räumen sie die Gewässer in Ufernähe auf.

Dutzende Schiffswracks im Zürichsee

Schiffwracks hat es in den Seen zuhauf. Beispielsweise das Dampfschiff «Rhône», das 1883 im Genfersee gesunken ist. Oder der Raddampfer «Jura» der vor über 160 Jahren nach einem Zusammenstoss mit einem anderen Dampfschiff im Bodensee auf Grund lief.

Allein im Zürichsee liegen hunderte Schiffe, davon Dutzende Transportschiffe aus Zeiten der Industrialisierung. «Damals transportierte man schweres Material noch über den See», sagt Adelrich Uhr, der als Hobby-Taucher die Schiffe aufspürt.

«Die Schiffer haben die Boote oftmals überladen. Hohe Wellen, Stürme oder alkoholisierte Kapitäne waren der Grund, dass sie untergingen.»

Uhr weiss aber noch von anderen Schätzen im Zürichsee. «Zwischen Feldbach und Rapperswil liegt ein alter Alfa Romeo im Wasser.» Und: «Im Obersee hat es ein Fussballtor auf dem Grund.» Beide Überbleibsel sind bei der Seegfrörni von 1963 versunken.

Radio SRF 3, 5.5.2026, 6:40 Uhr ; 

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