Das Vorgehen war jeweils stets dasselbe, erklärt Florian Z. (Name geändert), Mitarbeiter beim Grosshändler Top CC: «Das Verbrauchsdatum auf der Verpackung des Fleischs wurde verkratzt und mit einem neuen Datum überklebt.» Betroffen war die Filiale in Muri bei Bern. Laut dem Top-CC-Insider kam die Anweisung vom Chefmetzger und dessen Stellvertreter.
«Aus meiner Sicht ist es Betrug»
Betroffen war sowohl Frischfleisch als auch Salami oder Rohschinken, erklärt der Mitarbeiter: «Aus meiner Sicht ist es Betrug an den Kundinnen und Kunden.»
«Kassensturz» recherchierte vor Ort in der Top-CC-Filiale bei Bern, kaufte Fleisch ein – und wurde fündig: Bei mehreren Fleischverpackungen zeigte sich, dass die Etiketten mit neuen Etiketten überklebt wurden. Das ursprüngliche Verbrauchsdatum – auch von Frischfleisch – wurde verkratzt und mit einem neuen Datum überklebt.
Das kann gefährlich werden
Raymond Place ist Professor für Lebensmittelmikrobiologie und -sicherheit an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen, Kanton Bern. Er erklärt, warum Frischfleisch nach Ablauf des Verbrauchsdatums nicht mehr verkauft werden darf: «Nach dem Verbrauchsdatum ist nicht mehr garantiert, dass das Produkt sicher ist. Das heisst, Mikroorganismen könnten auf dem Frischfleisch weiterwachsen. Nach dem Verbrauchsdatum können sie sich potenziell so vermehrt haben, dass man ernsthaft erkranken kann.»
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Bild 1 von 3. Das Verbrauchsdatum von Frischfleisch wurde verkratzt und mit einem neuen Datum überklebt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Auch bei diesem Fleischetikett wurde das ursprüngliche Datum unkenntlich gemacht. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Das Verbrauchsdatum dieser Kalbsleber wurde einfach überklebt und das Fleisch dann eingefroren. Bildquelle: SRF.
Der Insider wandte sich an den Chefmetzger der Filiale und kritisierte dessen Anweisungen: erfolglos. Nachdem er sich an den «Kassensturz» gewandt hatte, informierte er auch die Firmenführung.
Diese veranlasste eine Kontrolle, in deren Rahmen Verstösse festgestellt wurden, das bestätigt der Insider. Laut ihm wurde sichergestelltes Fleisch entgegen der Anweisung von Top CC, das Fleisch zu vernichten, trotzdem noch verkauft.
Top CC Schweiz reagierte
Top CC bestätigt «Verletzungen von internen Vorgaben» und betont, dass die Missstände «sofort behoben» und betroffene Artikel «entsorgt» worden seien. Es handle sich «um einen isolierten Einzelfall am Standort Muri». Der verantwortliche Chefmetzger der Filiale wurde offenbar fristlos entlassen. Laut Informationen von «Kassensturz» führte auch die kantonale Aufsichtsbehörde eine Kontrolle durch. Mit Verweis auf die «geltende Schweigepflicht» nimmt das kantonale Laboratorium jedoch keine Stellung.
Whistleblower wurde entlassen
Dem Insider wurde nun gekündigt, weil er laut Top CC die Voraussetzungen für Whistleblowing nicht eingehalten habe: Er habe die Presse vor dem Arbeitgeber informiert. Zudem habe er die Aufarbeitung des Vorfalls verzögert, was er bestreitet. «Ich finde es wichtig, dass die Öffentlichkeit darüber informiert wird, wenn etwas schiefläuft«, hält der Insider fest.