10.10.201913519 Ansichten

Geheimnisse aus dem Eis

Zehn Prozent der Landmasse der Erde sind von Gletschern bedeckt. Die Eisgiganten sind nicht nur die grössten Trinkwasserspeicher des Planeten – sie sind auch Tresore der Geschichte. Durch den Klimawandel geben die schmelzenden Riesen diese Objekte wieder frei.

Geschütze in fast 4000 Metern Höhe, riesige Unterstände unter meterdickem Eis, lange Tunnelsysteme, die in den Fels getrieben wurden: Die Berge der Alpen waren der Schauplatz der kältesten Front des Ersten Weltkrieges. Einheiten aus Österreich und Italien lieferten sich auf Gletschern und Gipfeln eine erbarmungslose Abnutzungsschlacht, der rund 150'000 Soldaten zum Opfer fielen. Viele Überreste dieses Krieges wurden vom Eis der Gletscher eingeschlossen. Jetzt, mehr als 100 Jahre später, geben die Giganten die Relikte der Vergangenheit wieder frei. Mysteriös ist die Geschichte eines Schweizer Ehepaars, das 1942 auf einem Alpengletscher verschwand. Erst vor einem Jahr wurden die sterblichen Überreste entdeckt. Wissenschaftler versuchten daraufhin, das Familiendrama zu rekonstruieren. Durch die niedrigen Temperaturen und den geringen Sauerstoffanteil sind selbst mehrere Tausend Jahre alte Objekte im Eis perfekt konserviert. Dank dieser Funde können Archäologen jetzt erstmals detailliert nachvollziehen, wann unsere Vorfahren in die Hochlagen der Alpen vorgedrungen sind und welche Routen sie nahmen. Ein 3000 Jahre alter Unterstand auf über 3000 Metern Höhe am Langgrubjoch zeichnet ein völlig neues Bild der frühen Besiedlung des alpinen Hochgebirges. Ein besonderes Highlight: eine 5000 Jahre alte Proviantbox vom Lötschenpass. Eine aufwendige Computertomographie und ein Experimentalarchäologe sollen helfen, das Geheimnis um deren Herstellung, Herkunft und Verwendung zu lüften. Welche Geheimnisse der Vergangenheit schlummern noch in den Gletschern der Alpen? Und welche Erkenntnisse können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihnen entlocken? Die Dokumentation nimmt das Publikum mit auf eine faszinierende und zugleich beklemmende Zeitreise. Filmemacher Frank Gensthaler hat Gletscher-Archäologen aus Österreich, Italien und der Schweiz ein Jahr lang bei ihren Expeditionen auf die Gletscher der Alpen begleitet.

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