27.04.202119568 Ansichten

Offene Drogenszene in Chur – Drogenabhängige und Dealer im Stadtgarten

In Chur gibt es seit Jahrzehnten eine offene Drogenszene. 90 bis 100 Stammgäste, vor allem Drogenabhängige und Alkoholiker:innen, treffen sich regelmässig im Stadtgarten. Unser Reporter Livio Chistell wohnt nur wenige Gehminuten vom zentral gelegenen Park entfernt und traute sich bisher noch nie durch den Park zu laufen. Damit ist er in Chur nicht alleine. Viele Menschen machen einen grossen Bogen um den Stadtgarten und seine Drogenszene. In der Reportage taucht Livio 4 Tage lang in die Szene ein und blickt hinter die Mauern des Parks. Ist es da wirklich so gefährlich, wie alle glauben? Was für Menschen sind da anzutreffen?

Am ersten Tag begleitet Livio die Streetworkerin Romina Beeli auf einer ihrer Touren durch den Stadtgarten. Sie verteilt hygienisches Spritzenmaterial, pflegt bei Bedarf offene Wunden und spricht mit den Menschen. Livio kommt mit verschiedenen Leuten in Kontakt, die ihm über ihr Leben und vom Stadtgarten erzählen. Ueli verkehrt schon seit 30 Jahren in der Szene und würde sich einen geschützten Konsumraum wünschen. Würde es einen solchen geben, so wie in anderen Schweizer Städten, gäbe es auch keine offene Drogenszene, meint er. Ein Dealer und Drogenkonsument lädt Livio sogar zu sich nach Hause ein und kocht vor seinen Augen Kokain zu «Base». «Base» sei die gängigste Droge im Stadtgarten und habe in letzter Zeit auch viele neue, junge Menschen angzogen. «Freebase» ist in Ammoniak aufgekochtes Kokain. Es wird geraucht und macht schwer psychisch abhängig. Der Dealer erzählt Livio, wie brutal es manchmal im Stadtgarten zu und her gehen kann: «Wenn die Süchtigen ihren Stoff brauchen, kennen sie nichts. Für einen "Stein" würden sie dich niederstechen.» Elia ist vor 12 Jahren wegen den Drogen obdachlos geworden. Heute lebt er wieder in einer Wohnung und sucht einen Job. Er zeigt Livio, wo er in kalten Nächten geschlafen hat. Obwohl er heute nur noch gelegentlich «based», zieht es ihn immer wieder in den Stadtgarten. Dort sei sein Umfeld. Andere Kollegen hätte er praktisch keine mehr. Eine Frau, die anonym bleiben möchte, erzählt, der Stadtgarten sei ihr zweites Daheim. Ihre Mutter habe schon im Stadtgarten verkehrt. Sie sei also quasi in diesem Park aufgewachsen. Sie wünscht sich, dass sich mehr «normale» Menschen trauen, in den Park zu kommen. «Wir lassen alle in Ruhe, solange sie uns in Ruhe lassen.»

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