06.09.202043332 Ansichten

Vom Lieben und Lügen

Affären und Sex ausserhalb der Beziehung hat es immer gegeben. Sexuelle Verführung in Form von Internetportalen und Datingapps erleichtern das Fremdgehen nun aber zusätzlich – das Geschäft mit der Untreue boomt. Ist die monogame Beziehung ein Auslaufmodell? Und warum ist treu sein so schwierig?

Der Umgang mit Treue ist ein universelles und brisantes Thema. Ob jung oder alt, vom Land oder aus der Stadt, Akademikerin oder Handwerker – alle haben sich schon mit dem Treuebegriff beschäftigt. Doch darüber gesprochen wird selten. Einerseits herrscht heute die Meinung von «Anything goes», andererseits bleibt der Exklusivitätsanspruch in einer Paarbeziehung nahezu unantastbar. Die meisten Menschen wünschen sich einen treuen Partner, der sie niemals betrügt. Tatsache ist aber, dass es schätzungsweise in der Hälfte aller Partnerschaften irgendwann zum Treuebruch kommt. In ihrem Film «Vom Lieben und Lügen» geht Annina Furrer den grossen Fragen um Liebe, Treue und Sexualität nach: Wie kommt es, dass die Treue in Paarbeziehungen nach wie vor so hoch gehalten wird, sich aber dennoch so viele nicht daran halten? Was hat Liebe mit sexueller Exklusivität zu tun? Und macht das Dogma der Monogamie irgendwie Sinn? Auf ihrer Suche nach Antworten trifft die Filmautorin zum Beispiel Lena, die in einer langjährigen festen Beziehung lebt und dank Datingportalen über Jahre hinweg heimlich mit unzähligen fremden Männern Sex hatte. Oder den Familienvater Ben, der berichtet, was der Reiz am Seitenspringen ist. Die verheiratete Mia erzählt von ihrem Doppelleben und davon, wie sie die Gewissensfrage umtreibt. Die Geschichten der Seitenspringerinnen und Seitenspringer sind geprägt von Einsamkeit, mit der heimliche Affären verbunden sind. Sie erzählen aber auch von der Herausforderung und Überforderung, in einem einzigen Menschen alles zu finden, wonach man sich sehnt. Dass Untreue beinahe unsichtbar und dennoch omnipräsent ist, führen einem Menschen vor Augen, die vom Geschäft mit ihr leben. Beispielsweise Privatdetektiv Erich Wunderli, der sein Geld im Auftrag von misstrauischen Ehepartnern macht. Oder Erwin Anderhub, der Zimmer für Seitenspringerinnen und Seitenspringer vermietet und «DOK» einen Einblick in die Räume gewährt, in denen die Abenteuerlust gestillt wird. Auch der Paartherapeut Guy Bodenmann und die Sexualforscherin Andrea Burri befassen sich regelmässig mit der Untreue. Und schliesslich sind da auch noch Peti und Franziska, die seit Jahren eine offene Beziehung leben und das Besitzdenken im Zusammenhang mit dem Begriff Liebe längst hinter sich gelassen haben. Der Film von Annina Furrer ist ein ebenso unterhaltsamer wie informativer Beitrag an die Diskussion und die Denkprozesse, denen sich Paare in der heutigen Zeit stellen müssen.

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