14.01.202159109 Ansichten

Zucker – Die süsse Droge

Vier von zehn Schweizern sind übergewichtig. Unter anderem ist auch der zu hohe Zuckerkonsum daran schuld. Überall ist Zucker drin. Selbst dort, wo wir es nicht für möglich halten. Eine fünfköpfige Familie aus dem Aargau hat einen Monat lang zuckerfrei gelebt. Mit überraschenden Erkenntnissen.

«Zucker macht süchtig, denn Zucker aktiviert im Hirn die gleichen Rezeptoren wie andere Drogen», sagt die Basler Ärztin Bettina Wölnerhanssen. Darum sei es auch so schwierig, Eigenverantwortung zu übernehmen, und den eigenen Zuckerkonsum zu reduzieren. Wir alle lieben Süsses. Auch die Familie Rechsteiner mit drei Kindern im Teenageralter aus Döttingen ist der süssen Verführung nicht abgeneigt. Allerdings will die Familie nun herausfinden, was der Zuckerkonsum bei ihnen bewirkt, und lässt sich auf einen Versuch ein: Alle fünf Familienmitglieder wollen einen ganzen Monat lang auf Lebensmittel mit zugefügtem Zucker verzichten. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn in vier von fünf Lebensmitteln versteckt sich zugefügter Zucker. Selbst in solchen, die gar nicht besonders süss schmecken. In der Schweiz ist jedes sechste Kind zu dick. Eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer leiden an Diabetes. Vielen Menschen ist zu wenig bewusst, dass sie Zucker aus gesundheitlichen Überlegungen meiden oder nur in geringen Mengen konsumieren sollten. Eine staatlich verordnete Zuckerreduktion stösst auf wenig Akzeptanz: 2019 wurde die Einführung einer Zuckersteuer von den eidgenössischen Räten abgelehnt. In England hingegen hat man das Problem erkannt und reagiert. Mit der Einführung einer happigen Zuckersteuer konnte dort der Zuckergehalt in Süssgetränken massiv gesenkt werden. Heute enthält beispielsweise eine Orangenlimonade in London nur noch halb so viel Zucker wie eine Limonade derselben Marke in Zürich oder Genf. Erwachsenen Menschen empfiehlt die Weltgesundheits-Organisation nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag. Für Kinder die Hälfte. In der Schweiz sind wir mit der doppelten Zuckermenge alarmierend weit von den WHO-Richtwerten entfernt. Die Politik macht wenig Druck auf die Nahrungsmittelproduzenten. Sie setzt auf die Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten. Wie schwierig das ist, musste auch Familie Rechsteiner feststellen.

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