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Erdöl ist nicht gleich Erdöl Das Öl vom Golf ist weniger hochwertig – und doch unabdingbar

Öl aus dem Nahen Osten ist von geringerer Qualität als jenes aus den USA oder Europa. Grossen Einfluss auf den Weltmarkt hat es wegen seiner schieren Menge.

Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise nach oben. Und damit die Treibstoffpreise – auch in Ländern, die nur wenig fossile Energie aus dem Golf beziehen. So wie die Schweiz und die meisten EU-Staaten.

Entscheidend für die Preisdynamik ist nicht primär, wie viel Öl verfügbar ist. Entscheidend ist auch, welche Qualität ankommt, woher sie stammt und wie Raffinerien sie verarbeiten können.

Beim Rohöl unterscheidet man vor allem zwischen «leichtem und süssem» und «schwerem und schwefelhaltigem» Öl. Leichte, schwefelarme Sorten – etwa WTI aus den USA oder Brent aus der Nordsee – lassen sich einfacher und günstiger zu Benzin, Diesel oder Kerosin raffinieren.

Ölpumpe vor klarem Himmel und Hügel im Hintergrund.
Legende: Aus den USA bezieht die Schweiz am meisten Öl: Förderanlage in Kalifornien. KEYSTONE / NIC COURY

Viele Rohöle aus dem Nahen Osten sind hingegen schwerer, enthalten mehr Schwefel und erfordern deshalb aufwendigere Raffinerietechniken. Aber weil das Öl aus dem Nahen Osten in grossen Mengen verfügbar ist, bleibt es trotz der oft geringeren Qualität weltweit unverzichtbar.

Genau deshalb spüren wir Konflikte in der Region sofort. Gerät die Strasse von Hormus unter Druck, reagiert der Markt umgehend: Verzögerungen, Angriffe oder Teilsperrungen lassen die Versicherungskosten für Transportunternehmen steigen und zwingen Tanker zu längeren Routen. Die sogenannte Risikoprämie wächst – ein zentraler Bestandteil des Ölpreises. Der Preis steigt dann nicht nur, weil Öl knapp wird, sondern weil es teurer und unsicherer ist, es ans Ziel zu bringen. Besonders verwundbar sind im Fall einer Blockade die grossen asiatischen Volkswirtschaften.

Vor allem China direkt betroffen

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Etwa 37.7 Prozent des Öls, das durch die Strasse von Hormus transportiert wird, gehen nach China, gefolgt von Indien (14.7 Prozent), Südkorea (12 Prozent) und Japan (10.9 Prozent).

In die EU fliesst viel weniger, rund 3.8 Prozent. Ihre wichtigsten Lieferanten sind Norwegen, die USA und Kasachstan.

Die Schweiz importiert heute Rohöl vor allem aus den USA, Nigeria und Kasachstan. 2025 kam etwa die Hälfte aus den USA. Es gelangt per Schiff in den Hafen Fos-sur-Mer bei Marseille und von dort über eine Pipeline zur einzigen noch aktiven Schweizer Raffinerie in Cressier in Neuenburg.

Was die Schweiz und die EU aktuell zu spüren bekommen, ist dieser Dominoeffekt auf dem globalen Markt: Werden Routen unsicherer, steigen Transport- und Versicherungskosten, und die Furcht vor Unterbrüchen verschiebt die Marktgleichgewichte rasch.

Kurz gesagt: Entscheidend ist nicht nur, woher das Öl kommt. Es zählen die Qualität des Rohöls, die technische Ausstattung der Raffinerien, die Sicherheit der Seerouten und das Vertrauen des Marktes. Was die Herkunft der Lieferungen angeht, ist die Schweiz zwar relativ breit aufgestellt, gegen internationale Preissprünge bleibt sie aber dennoch exponiert.

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SRF4News, «Heute Morgen», 20.3.2026, 8 Uhr

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