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Hilfskäufe der US-Regierung «Swiss Cheese» im Millionenwert – aber nicht aus der Schweiz

Aus den Einnahmen der Zölle möchte die US-Regierung Schweizer Käse von amerikanischen Produzenten aufkaufen. Diese Betriebe stehen unter Druck – wegen eben dieser Zölle.

Am 19. Februar kündigte US-Agrarministerin Brooke Rollins an, dass das Landwirtschaftsministerium (USDA) landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von bis zu 263 Millionen US-Dollar (208 Millionen Franken) von amerikanischen Produzenten aufkaufen will.

Die Produkte sollen an Lebensmittelbanken für Bedürftige weitergegeben oder für Schulmahlzeiten für benachteiligte Kinder verwendet werden.

Vor allem soll die Aktion aber der US-Landwirtschaft nützen und dort Arbeitsplätze sichern, wird Rollins in einer Pressemitteilung zitiert.

2025 gingen in den USA 46 Prozent mehr Landwirtschaftsbetriebe in Konkurs als im Jahr davor. Grund sind unter anderem die Zölle der Trump-Regierung.

Für rund 10 Millionen Dollar will das USDA auch sogenannten «Swiss Cheese» aus US-Produktion kaufen. Dies entspricht rund 11 Prozent des Werts der Schweizer Käseexporte in die USA.

Jeder in den USA hergestellte Käse darf als Schweizer Käse bezeichnet werden, sofern er die entsprechenden USDA-Standards erfüllt. In den USA hergestellter Schweizer Käse (auch als Emmentaler bekannt) kostet nur rund ein Viertel bis ein Drittel so viel wie etwa aus der Schweiz importierter Gruyère.

Person mit Käsehut und USA-Brille bei Veranstaltung.
Legende: Die US-Bundesstaaten Ohio und Wisconsin sind die führenden Produzenten von Schweizer Käse in den USA. Keystone / AP

Am meisten Schweizer Käse wird im Bundesstaat Ohio produziert: 146.2 Millionen Pfund (66.3 Millionen Kilogramm) waren es 2024. Das ist etwa das Fünffache der Menge an Emmentaler, der in der Schweiz jährlich hergestellt wird. Hinter Ohio folgt Wisconsin mit 15.4 Millionen Pfund.

Die Industrie sieht die Massnahme positiv. Die Wisconsin Cheese Makers Association, die Hersteller von Schweizer Käse in den ganzen USA vertritt, zeigt sich gegenüber Swissinfo überzeugt, dass der Entscheid des US-Landwirtschaftsministeriums, Schweizer Käse zu beschaffen, der gesamten amerikanischen Milchwirtschaft zugutekommen wird.

Käsestücke mit Löchern auf einem Tisch bei einer Veranstaltung
Legende: So sieht Schweizer Käse made in USA aus: Laib der Sorte Baby Swiss, die in Ohio von der Guggisberg Cheese Company entwickelt wurde, die der Schweizer Einwanderer Alfred Guggisberg 1950 gegründet hat. Keystone / AP

Désirée Stocker von «Switzerland Cheese Marketing» betont, dass sich der Begriff «Swiss Cheese» in diesem Zusammenhang nicht auf Käse aus der Schweiz beziehe. «Dies hat historische Wurzeln und hat sich auf dem angelsächsischen Markt als etablierter Sammelbegriff durchgesetzt. Leider können wir daran nichts ändern.»

Schutz von Schweizer Käse: rechtliche und politische Rückschläge

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Dass die Bezeichnung «Schweizer Käse» im Ausland nur begrenzt geschützt ist, geht auf zwei juristische Rückschläge zurück.

Käseproduzenten aus der Westschweiz wollten «Gruyère» in den USA als Marke schützen lassen. Nach der Ablehnung ihres Antrags klagten sie im Bundesstaat Virginia – verloren aber 2023 endgültig. Das Gericht begründete dies damit, dass die USA Lebensmittelnamen nicht gleich schützen wie Europa. «Gruyère» werde dort seit Jahrzehnten unabhängig vom Herkunftsland verwendet, auch für Käse aus Wisconsin oder aus Ländern wie den Niederlanden, Deutschland oder Österreich.

Wenige Monate später schwächte ein Entscheid der EU den Markenschutz weiter. Das Gericht der Europäischen Union befand im Mai 2023, dass Konsumentinnen und Konsumenten «Emmentaler» vor allem als Käsesorte verstehen – nicht als geografische Herkunftsangabe.

Auch in der Schweiz scheiterte ein Versuch, den Schutz von Produkten wie Gruyère und Emmentaler in allen künftigen Handelsabkommen zu verankern. Wirtschaftsminister Guy Parmelin warnte, dies würde den Spielraum der Schweiz in der Handelspolitik einschränken. Der Ständerat lehnte den Antrag 2024 ab und verlangte stattdessen, der Bundesrat solle die bestehenden Schutzbemühungen im Rahmen seiner Ressourcen fortführen.

Der geografische Schutz von Schweizer Käse gilt derzeit in rund 60 Staaten, die die Genfer Akte des Lissabonner Abkommens der WIPO unterzeichnet haben. Die USA gehören nicht dazu und müssen Herkunftsbezeichnungen deshalb nicht anerkennen.

Die fehlende rechtliche und politische Rückendeckung hat Konsequenzen. Im Jahr 2024 stieg die Produktion von Schweizer Käse in den USA um 7 Prozent auf einen neuen Höchststand von 360 Millionen Pfund.

Mit den neuen US-Zöllen gingen die Schweizer Käseexporte in die USA um etwa 20 Prozent zurück. Die US-Käseimporte sanken gleichzeitig insgesamt um 11 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Schweiz überdurchschnittlich stark betroffen ist.

Der Bundesrat äusserte sich nur vage dazu, wie er den Schutz der Identität von Schweizer Käse in möglichen Handelsgesprächen mit den USA handhaben würde.

Auf eine im Dezember 2025 eingereichte parlamentarische Anfrage versprach er lediglich, man werde das Thema ansprechen, falls es in den Verhandlungen zur Sprache komme.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) teilte Swissinfo mit, es unterstütze die Schweizer Käsebranche im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Es verweist darauf, dass 2024 rund 800’000 Franken zusätzlich für die Vermarktung und den Export von Käse bereitgestellt wurden, um die Auswirkungen der US-Zölle zu mildern.

SRF Regionaljournal Ostschweiz, 6.4.2026, 17:30 Uhr

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