Es handelt sich um die erste Studie dieser Art in der Schweiz: Mehr als 3000 Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialbereich nahmen an der Untersuchung teil. Sie sind in den Kantonen Freiburg, Neuenburg, Waadt, Zürich, Tessin, Wallis und Bern tätig.
Unter den befragten Ärztinnen und Ärzten, Sozialarbeitenden oder Psychologinnen und Psychologen gaben 1.4 Prozent an, sie hätten im Jahr vor dem Ausfüllen des Fragebogens Selbstmordgedanken gehabt. Dieser Anteil ist viermal so hoch wie in der gesamten Schweizer Bevölkerung.
«Dieses Thema wird verdrängt und stigmatisiert», findet Dolores Angela Castelli Dransart, Professorin an der Freiburger Hochschule für Soziale Arbeit, die die Studie geleitet hat. «Die Fachpersonen haben Angst, darüber zu sprechen, aus Sorge vor möglichen Konsequenzen für ihre Karriere. Deshalb ist es entscheidend, das Schweigen zu brechen, proaktiv Hilfe anzubieten und Unterstützungsstrukturen aufzubauen.»
Ein «Paradoxon der Pflegenden»
Dabei seien Pflege- und Betreuungspersonen besonders gefährdet – entgegen der verbreiteten Annahme, dass ihre fachliche Expertise einen Schutz darstelle.
Castelli Dransart spricht gar von einem «Paradoxon der Pflegenden»: «Sie sind diejenigen, die sich um andere kümmern müssen und können dadurch selbst in Schwierigkeiten geraten. Sie sind ständig mit Leid, manchmal auch mit Gewalt konfrontiert, was sie belasten kann.»
Die RTS-Meldung zur Studie (mit dt. Untertiteln):
Nach Ansicht der Professorin ist es unerlässlich, für einen besseren Schutz der Pflegenden zu sorgen. Nur so könne «eine hohe Qualität der Versorgung für die Patientinnen und Patienten sowie für die gesamte Gesellschaft» gewährleistet werden.
Die Studie betont, dass Anerkennung am Arbeitsplatz, Unterstützung im beruflichen Umfeld sowie der Rückhalt durch Angehörige eine entscheidende Rolle spielen.