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Steigende Kerosinpreise Angst vor leeren Flugzeugen: Einige Airlines sichern sich ab

Seit dem Iran-Krieg haben sich die Preise für Kerosin verdoppelt. Das bringt nun viele Fluggesellschaften in die Zwickmühle: Sollen sie die Ticketpreise erhöhen oder nicht?

Im Tourismus steht die wichtige Sommersaison kurz bevor, viele Leute buchen aktuell ihre Ferien. Doch ausgerechnet jetzt macht der Iran-Krieg der Reisebranche und Reisewilligen einen Strich durch die Rechnung: Kerosin kostet aktuell doppelt so viel wie vor dem Iran-Krieg.

Ein Mann mit Sonnenbrille, Hut und Funkausrüstung sitzt in einem Flugzeug.
Legende: Max Oldorf, Mitgründer des Datenportals CH-Aviation: «Die Kosten für das Kerosin machen bei einer Fluggesellschaft in der Regel 25 bis 40 Prozent der Betriebskosten aus.» Nun müssten sich die Fluggesellschaften überlegen, ob sie die gestiegenen Treibstoffkosten an die Kundschaft weitergeben wollen oder können. ZVG

Die Fluggesellschaften stünden aktuell vor einer heiklen Situation, erklärt Max Oldorf von CH-Aviation, einem Datendienst für die Luftfahrtbranche aus Stansstad: «Die Fluggesellschaften können zwar versuchen, die Ticketpreise zu erhöhen.» Doch die Vergangenheit zeige, dass die Leute bei starken Preisaufschlägen ausweichen: Anstatt auf die Seychellen zu fliegen, fahren sie mit dem Auto nach Italien oder mit dem Nachtzug nach Barcelona.

Eine Absicherung hilft gegen hohe Ölpreise

Und genau davor fürchten sich die Fluggesellschaften: vor leeren Flugzeugen. «Das ist das Dilemma, in dem sich die Fluggesellschaften aktuell befinden», so der Luftfahrtexperte.

Qatar Airways wirbt mit Tiefpreisen

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Ein graues Flugzeug der katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways auf einem Rollfeld.
Legende: Der Iran-Krieg trifft Qatar Airways, die nationale Fluggesellschaft von Katar, direkt. Keystone

Sollte die Krise noch längere Zeit andauern, dürften die Fluggesellschaften beginnen, Flugzeuge aus dem Betrieb zu nehmen, erklärt Max Oldorf. Dadurch würde das Angebot künstlich verknappt und die Fluggesellschaften könnten höhere Preise durchsetzen.

Gemäss CH-Aviation hat beispielsweise Qatar Airways seinen Flugbetrieb bereits reduziert und Flugzeuge vorübergehend in Spanien stationiert. Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges fliegen deutlich weniger Reisende über das Drehkreuz von Doha, dem Heimatflughafen von Qatar Airways.

Gleichzeitig versucht die katarische Fluggesellschaft – wie die Konkurrenten aus den anderen Golfstaaten übrigens auch – die Nachfrage mit Tiefpreisen anzukurbeln, beobachtet Max Oldorf.

Gleichzeitig ist es aber auch so, dass etliche Fluggesellschaften vorgesorgt haben. Das trifft vor allem auf viele europäische Fluggesellschaften wie etwa die Lufthansa-Gruppe zu, zu der auch die Swiss gehört. Sie kaufen das Kerosin jeweils mehrere Monate im Voraus ein. «Der Kerosinbedarf für die Lufthansa Group für das Jahr 2026 ist zu rund 80 Prozent abgesichert, für das Jahr 2027 zu rund 40 Prozent – beides zu einem Vorkrisen-Preisniveau», schreibt die Lufthansa-Gruppe auf Anfrage von SRF. Diese Absicherung verschafft der deutschen Fluggesellschaft in der jetzigen Situation etwas Spielraum, ohne dass sie umgehend die Preise erhöhen müsste.

US-Fluggesellschaften verzichten auf die Absicherung

Zudem sieht sich die Lufthansa in ihrer Strategie bestätigt: «Mit diesem Sicherungsgrad stehen wir besser da als die meisten Wettbewerber; insbesondere die US-amerikanischen Fluggesellschaften sind gar nicht besichert.»

In den USA decken sich die Fluggesellschaften typischerweise zu den tagesaktuellen Kerosinpreisen ein. Aufgrund der tiefen Ölpreise bis zu Beginn des Iran-Krieges ist die Rechnung für die US-Fluggesellschaften aufgegangen. Seither hat sich die Ausgangslage aber komplett verändert und erste Konzerne haben bereits mitgeteilt, dass sie dieses Jahr wohl mehrere Hundert Millionen Dollar zusätzlich für Treibstoff aufwenden müssten. Aufgrund des Wettbewerbsdrucks haben die Fluggesellschaften bisher auf grössere Preiserhöhungen bei den Tickets verzichtet. Punktuell haben sie aber die Gebühren fürs Gepäck erhöht.

Lufthansa: allgemein höhere Gebühren

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Mehrere weisse Flugzeuge der deutschen Fluggesellschaft stehen am Flughafen München in Reih' und Glied'.
Legende: Die deutsche Lufthansa-Gruppe erhöht die allgemeinen Gebühren wegen des Iran-Krieges. Keystone

Die Lufthansa-Gruppe hat angekündigt, die sogenannte «International Surcharge» anzuheben. Diese Gebühr bemisst sich nach der geflogenen Strecke und beinhaltet diverse Aufwendungen: steigende Kosten aufgrund höherer Ölpreise, Kosten für Flugausfälle und komplexere Betriebsabläufe (z. B. aufgrund von Umleitungen).

Laut Max Oldorf von CH-Aviation sind Fluggesellschaften mit einer Absicherungsstrategie aktuell im Vorteil. Gleichzeitig warnt er vor zu hohen Erwartungen: «Grundsätzlich sind solche Absicherungsgeschäfte ein zweischneidiges Schwert: Es kann funktionieren.»

Verspekulieren sich Fluggesellschaften, droht das Aus

Allerdings zeigten mehrere Beispiele aus der Vergangenheit, dass misslungene Absicherungsgeschäfte einer Fluggesellschaft auch das Genick brechen könnten, so der Luftfahrtexperte. Dann, wenn sie sich verspekuliert und sich zu hohen Preisen absichert, aber diese Kosten später nicht mehr an die Kundschaft weitergeben kann.

Gerade nach extremen Preissprüngen nach oben fällt der Preis häufig rasch und stark und hat damit schon etliche Firmen auf dem falschen Fuss erwischt.

Air Baltic in finanzieller Schieflage

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Ein Flugzeug der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic hebt ab.
Legende: Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic muss den Staat um finanzielle Unterstützung bitten. Keystone / Gaëtan Bally

Air Baltic ist aufgrund des Iran-Krieges und der gestiegenen Treibstoffpreise in finanzielle Nöte geraten. Vor diesem Hintergrund hat die lettische Regierung Ende März beschlossen, der Fluggesellschaft einen kurzfristigen Kredit in der Höhe von 30 Millionen Euro zu gewähren. Dieser Kredit muss allerdings noch vom lettischen Parlament bestätigt werden.

Der Kredit soll mithelfen, die Liquidität und den operativen Betrieb der Fluggesellschaft sicherzustellen.

Rendez-vous, 7.4.2026, 12:30 Uhr; wilh

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