Ein chinesisches Unternehmen hat vor der Küste Shanghais ein Datenzentrum unter Wasser in Betrieb genommen, wie die britische Zeitung «The Guardian» berichtete. In mehreren Metern Tiefe auf dem Meeresgrund laufen dort rund zweitausend Server unter Wasser.
Das ist vor allem wegen des Energieverbrauchs interessant. Die Server müssen nicht mehr aufwendig und vor allem ressourcenintensiv mit extern zugeführtem Wasser gekühlt werden, sondern die Klimaanlage ist bereits automatisch durch das Wasser aus dem Meer vorhanden.
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Bild 1 von 2. Die Server unter Wasser werden von Windenergie betrieben und brauchen durch das Wasser um sie herum keine zusätzliche Kühlung. Bildquelle: Website der Firma Shanghai Hailanyun Technology .
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Bild 2 von 2. Rund 2000 Server sind vor der Küste Shanghais in Betrieb mit einer Leistung von 24 Megawatt. Bildquelle: Website der Firma Shanghai Hailanyun Technology .
Bei einem Rechenzentrum an Land entfallen bis zu 40 Prozent des Stromverbrauchs auf die Kühlung. Bei diesem neuen chinesischen Unterwasserzentrum sollen es nur noch etwa 10 Prozent sein. Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass auf dem Meeresgrund – im Gegensatz zum Festland – noch Platz vorhanden ist.
Microsoft als Pionier
Die Datenplattform, die hauptsächlich für den Betrieb künstlicher Intelligenz genutzt wird, ist schon vergangenes Jahr im Meer versenkt worden. Seither wurden mehrere Tests gemacht. Dasselbe Unternehmen hat laut «The Guardian» bereits 2023 ein Unterwasser-Rechenzentrum in Hainan, einer Insel im Süden Chinas, kommerziell in Betrieb genommen. Das Datenzentrum in der Nähe von Shanghai ist jedoch das erste, das von Windenergie betrieben wird – und zwar von einem Windpark direkt im Meer vor Ort.
Ganz neu ist die Idee jedoch nicht. Microsoft hat bereits vor gut zehn Jahren einen ähnlichen Test vor der Küste Schottlands durchgeführt. Das Fazit von Microsoft fiel mehrheitlich positiv aus. Weil die Temperaturen unter Wasser relativ stabil sind, gingen weniger Server kaputt als an Land.
Trotzdem verfolgte Microsoft das Projekt nicht weiter. Der offizielle Grund: Man setze auf andere Prioritäten. Expertinnen und Beobachter gehen jedoch davon aus, dass das Projekt auch wegen der hohen Wartungskosten nicht weitergeführt wurde.
Umwelt könnte Schaden tragen
Der grösste Vorteil ist gleichzeitig auch eine Gefahr. Dadurch, dass das Meerwasser zur Kühlung verwendet wird, könnte sich die Temperatur des umgebenden Wassers erhöhen. Und das würde der Umwelt – also Tieren und Pflanzen – schaden. Dafür reichen bereits kleine Temperaturschwankungen aus.
Microsoft untersuchte dieses Risiko bereits bei seinem Testprojekt. Damals kam das Unternehmen zum Schluss, dass sich die Wassertemperatur in der Nähe des Rechenzentrums nur um einige Tausendstel Grad erhöht hat. Allerdings sind solche Unterwasser-Zentren noch wenig erforscht und das Rechenzentrum in Shanghai ist deutlich grösser als das von Microsoft.
Dieses Rechenzentrum vor der Küste Shanghais wird sehr wahrscheinlich kein Einzelfall bleiben. Auch Südkorea plant ein Unterwasser-Datenzentrum und Japan sowie Singapur arbeiten an Rechenzentren, die auf dem Meer schwimmen sollen.
Das Projekt in China wird zeigen, ob solche Unterwasser-Rechenzentren überhaupt wirtschaftlich sind. Die Nachfrage nach energiesparenderen Zentren wäre jedenfalls da. Jedoch gibt es ein grosses Fragezeichen, was das unter anderem für die Erwärmung der Meere bedeuten könnte.