100 Kilogramm schwer ist der kleinste Turbolader von Accelleron, der grösste wiegt zehn Tonnen. Die Aggregate der ehemaligen ABB Turbocharging mit Sitz in Baden AG werden an grossen Verbrennungsmotoren angebracht – vor allem bei Schiffen. Die heissen Abgase treiben einen Verdichter an, der mehr Luft in den Motor presst und so die Motorenleistung steigert.
Das Konzept des Turboladers ist bereits hundertjährig. Aggregate für Schiffsmotoren sind weiterhin das Hauptgeschäft von Accelleron. Die Firma ist weltweite Marktführerin. Traumzahlen schreibt sie aktuell aber dank Anlagen für KI-Rechenzentren.
Eigene Kraftwerke für Serverfarmen
1.26 Milliarden Dollar Umsatz erzielte die Badener Firma letztes Jahr – ein Plus von fast 24 Prozent. Der Reingewinn betrug 244 Millionen – ein Plus von 35 Prozent. Man sei hochprofitabel, so die Firmenleitung. Das Wachstum habe die Erwartungen übertroffen. Eine hohe Nachfrage gebe es unter anderem aus der Energiebranche.
Nicht nur Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe laufen nämlich mit grossen Dieselmotoren, sie können auch Stromgeneratoren antreiben. Und hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Die Rechenzentren der KI-Anbieter verbrauchen Unmengen Strom.
Weil Strom wegen der grossen Nachfrage knapp und teurer wird, bauen immer mehr Betreiber Kraftwerke neben ihre Serverfarmen. Vor allem in den USA seien die Stromnetze zu schwach, um mehr Strom über weite Strecken zu transportieren, sagt Accelleron-CEO Daniel Bischofberger.
Deshalb würden direkt neben den Rechenzentren eigene Kraftwerke aufgestellt, in denen Diesel- oder Gasmotoren Elektrizität erzeugen – und diese Motoren verfügen über Turbolader der Badener Firma. Der Firmenchef spricht von Datenzentren mit einem Energiebedarf von 500 Megawatt – der Hälfte der Leistung des AKW Leibstadt.
Auch KI-Anbieter, die genügend Strom über das Netz beziehen können, sind Kunden von Accelleron: Die Turbos werden auch auf Notstromaggregaten montiert. Ein Rechenzentrum könne sich keine Sekunde Ausfall leisten, so Bischofberger. Firmen bezahlten praktisch jeden Preis, um immer Strom zu haben.
Wie nachhaltig ist das Wachstum?
Die Badener Firma boomt also dank KI. Steht dieses Geschäft nicht auf wackligen Füssen? Wie lange hält der Hype um künstliche Intelligenz und Rechenzentren an? Noch kaum ein KI-Unternehmen schreibe schwarze Zahlen, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Pascal Lago. Trotzdem wollten Investoren Milliarden in die Firmen stecken. Die Gefahr einer Blase bestehe durchaus, schätzt der Experte ein.
Aus diesem Grund setzt Accelleron auch weiterhin auf Schiffsmotoren. Mit Serviceverträgen erwirtschaftet die Firma dort gutes Geld. Kurzfristig werde das Geschäft mit der Stromproduktion weiter wachsen, sagt der Firmenchef. Die Lieferzeiten für Alternativen zu Generatoren mit Verbrennungsmotor seien aktuell sehr lang. Bischofberger rechnet in diesem Bereich mit einem Wachstum von 50 Prozent.
Das Wachstum bedingt aber auch Investitionen. Allein am Standort Baden plant Accelleron in den nächsten Jahren für 100 Millionen Franken Produktion, Lager und Service auszubauen. Auch in die Forschung soll investiert werden.