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Von Finnland bis Japan Atomkraft? Ja, bitte! Wo Kernenergie die Zukunft ist

Fällt das Schweizer Neubauverbot für AKW? Auch in anderen Ländern läuft die Debatte heiss. Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten berichten.

Japan: Doppelte Kehrtwende bei Atomkraftwerken

Samuel Emch

Ostasien-Korrespondent

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Samuel Emch ist seit Sommer 2022 Ostasien-Korrespondent für SRF. Zuvor war er während mehrerer Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.

Die Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 führte in Japan zu einer politischen Wende. Die damals 54 Reaktoren wurden schrittweise vom Netz genommen. Statt die Kernenergie auszubauen, wollte Japan seine Abhängigkeit von ihr möglichst reduzieren. Die Stromproduktion mit Kohle, Öl und Gas wurde hochgefahren. Gleichzeitig investierte Japan Milliarden in die Sicherheit der stillgelegten Atomreaktoren und nahm einzelne wieder in Betrieb. Dieser Prozess beschleunigte sich mit dem Krieg in der Ukraine und den dadurch stark gestiegenen Preisen für Öl und Gas.

Mehrere Personen in Schutzhelmen betrachten ein grosses Industriegebäude.
Legende: Fast 15 Jahre nach der Katastrophe von Fukushima geht in Japan das grösste Atomkraftwerk der Welt wieder in Betrieb. Bloomberg/Getty Images/Toru Hanai

Trotz Kritik verfolgt die Regierung inzwischen einen neuen Kurs. Statt die «Abhängigkeit von der Kernkraft zu reduzieren», setzt sie nun auf eine «maximale Nutzung der bestehenden Anlagen». Dass Japan die Inbetriebnahme des grössten Atomkraftwerks der Welt vorantreibt, ist Ausdruck dieses politischen Kurswechsels. Unterstrichen wurde dieser eben durch das Wirtschaftsministerium: Es schlägt den Bau von 11 bis 14 neuen Kernkraftwerken vor.

Frankreich: Atomkraft als Rückgrat der Stromversorgung

Zoe Geissler

Frankreichkorrespondentin

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Zoe Geissler berichtet für Radio SRF aus Paris über das Geschehen in Frankreich. Zuvor war sie Auslandredaktorin und Produzentin bei Radio SRF 4 News. Zoe Geissler hat Internationale Beziehungen, Politikwissenschaften und Gender Studies an den Universitäten Zürich und St. Gallen (HSG) studiert.

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Frankreich gehört mit 57 Reaktoren weltweit zu den grössten Atomstromproduzenten. Den grossen Schub erhielt die Kernenergie durch die Ölkrise der 1970er Jahre. Mit dem «Plan Messmer» wurde ein umfangreiches Kernkraftprogramm lanciert, um bei der Stromversorgung unabhängiger zu werden. Auch wenn die Reaktor-Katastrophe von Fukushima grosse Debatten über die Sicherheit von Atomkraftwerken auslöste, hielt Frankreich weiterhin grundsätzlich an der Kernenergie fest.

EU will Atomkraft forcieren – mit Mini-AKW

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Illustration eines Kernkraftwerks mit gelben Sternen umgeben, auf blauem Hintergrund.
Legende: Imago/IllupPLcs

Die EU will wieder stärker auf Atomenergie setzen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im März ankündigte. Im Fokus stehen dabei auch sogenannte «Small Modular Reactors» – also Mini-AKW.

Die Pläne der EU sorgen für gemischte Reaktionen. Die einen sehen die Versorgungssicherheit gestärkt und dass die fossilen Energieträger – Öl, Gas, Kohle – durch die klimafreundliche Kernkraft ersetzt werden könnte. Andere warnen, dass die Investitionssicherheit für neue Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerke darunter leiden würde.

Heute stammen rund zwei Drittel der französischen Elektrizitätsversorgung aus Atomkraft. Die Kernenergie ist damit faktisch das Rückgrat der französischen Stromversorgung und soll es nach dem Willen der Regierung auch bleiben. Denn Kernenergie gilt als Teil der nationalen Souveränität und als zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität 2050.

Mehrere Kühltürme eines Kraftwerks mit Rauchfahnen über Häusern im Vordergrund.
Legende: Die Atomenergie-Strategie der Regierung geniesst Rückenwind aus der Bevölkerung. Laut Umfragen sieht eine Mehrheit der Franzosen die Atomenergie als ein Vorteil für das Land. Das wichtigste Argument dabei: die Energieunabhängigkeit.  Getty Images/Bloomberg/Jeremy Suyker

Die kürzlich präsentierte Energiestrategie sieht den Bau neuer Atomkraftwerke vor oder die Verlängerung der Laufzeit von bestehenden Reaktoren, was ein zusätzliches Mass an Sicherheit erfordern dürfte. Trotz dieses Bekenntnisses zur Kernenergie sollen auch die erneuerbaren Energien einen wachsenden Anteil am Strommix haben. Nur soll der Ausbau langsamer als bisher geplant erfolgen.

Deutschland: Der Kater nach der Energiekrise

Alexandra Gubser

Deutschland-Korrespondentin

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Alexandra Gubser ist seit Sommer 2022 Deutschland-Korrespondentin von SRF. Zuvor berichtete Gubser aus Frankreich. Sie ist seit 2007 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

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Seit dem 15. April 2023 produziert Deutschland keinen Atomstrom mehr und plant auch keinen Wiedereinstieg. Nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima 2011 hatte die damalige Regierung von Angela Merkel ein Atom-Moratorium verhängt und in der Folge den schrittweisen Ausstieg in ein Gesetz gegossen. Eine Entscheidung, die von einer grossen Mehrheit in Politik und Gesellschaft getragen wurde. Die Stimmung hat nach dem russischen Angriffskrieg und der damit verbundenen Energiekrise allerdings gedreht.

Person mit Brille vor unscharfem Hintergrund.
Legende: Kanzler Friedrich Merz bezeichnet den Atomausstieg als energiepolitischen Fehler, hält den Schritt aber für irreversibel. Keystone/EPA/Filip Singer

Die Reaktoren befinden sich alle im Rückbau, der Bau neuer AKW würde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern und Milliarden kosten. Dazu steigert Deutschland die Produktion an Wind- und Sonnenenergie stetig. In der Regel kommt heute bereits mehr als die Hälfte des täglich produzierten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Dennoch flammt die Debatte immer wieder auf. Vielen geht der Ausbau der Erneuerbaren, von Netzen und Speichern nicht schnell genug. 

Strahlender Norden: Finnland und Schweden auf Atomkraft-Kurs

Bruno Kaufmann

Nordeuropa-Korrespondent

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Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratie-Korrespondent beim internationalen Dienst der SRG mit.

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Seit Jahren schon zieht es Energiefachleute aus der ganzen Welt in den hohen Norden Europas. Genauer gesagt nach Finnland. Dort ist in Olkiluoto vor zwei Jahren das erste neue Atomkraft in der EU seit langem den Betrieb aufgenommen. Am gleichen Ort wird in Kürze zudem das erste Endlager für hochradioaktive Atomabfälle in Betrieb genommen. In Finnland ist der AKW-positive-Kurs breit abgestützt: bis ins Lager der grünen Partei hinein wird dieser mitgetragen.

Drei Personen in Arbeitskleidung und Schutzhelmen arbeiten an einer grossen Maschine.
Legende: Finnlands Kurs ist auch dem schwierigen Nachbarn Russland geschuldet, von dessen Gaslieferungen man noch bis zu Beginn von Moskaus Angriffskriegs auf die Ukraine abhängig war. Getty Images/Bloomberg/Roni Rekomaa

Die bürgerliche schwedische Regierung ist seit 2022 auch ganz klar auf Atomkraftkurs. Sie hat gesetzliche Hürden, die seit einer Volksabstimmung 1980 über den AKW-Ausstieg in Kraft waren, aus dem Weg geräumt. Doch im Unterschied zu Finnland fehlt im grössten nordischen Land ein Konsens in der Energiepolitik: Nach den Wahlen im September, bei der der rot-grünen Opposition ein Sieg vorausgesagt wird, dürfte der eingeschlagene AKW-positive-Kurs deshalb wieder in Frage gestellt werden. 

Italien: Zurück in die Zukunft – mit Atomkraft

Franco Battel

Italienkorrespondent

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Franco Battel ist seit 2024 wieder Italienkorrespondent bei Radio SRF. Zuvor war er Auslandredaktor. Bereits von 2015 bis 2021 berichtete Battel als Korrespondent für Italien und den Vatikan aus Rom. Zuvor war er als Auslandredaktor für Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich.

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Italiens geplante Rückkehr zur Atomkraft hat hauptsächlich einen Grund: die hohen Energiekosten. Strom wird in Italien zu einem grossen Teil aus Gas gewonnen. Steigt der Gaspreis wegen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, so steigt auch der Strompreis. In keinem grossen EU-Land ist Strom so teuer wie in Italien. Darum wollen viele zurück zur Atomkraft.

Demonstranten halten ein grosses Banner vor einem historischen Gebäude.
Legende: Das Problem: Zweimal schon hat Italien in Volkabstimmungen Nein gesagt zur Atomkraft – vier AKW wurden abgeschaltet. Bild: Protest gegen Atomkraft 2011 in Venedig. Keystone/Andrea Merola

Regierung und Parlament wollen nun wieder auf Atomkraft setzen. Es sollen sogenannte Mini-AKW sein. Doch einfach ist der Weg dorthin nicht: Es gibt eingefleischte AKW-Gegner, die Frage des Atommülls ist ungelöst und die Entwicklung solcher Reaktoren noch im Fluss. Während die Opposition auf die negativen Volksentscheide und den Ausbau von Solar- oder Windkraft pocht. Doch im Touristenland Italien ist der Protest etwa gegen Windräder programmiert. So könnte es sein, dass Italien bis in zehn Jahren wieder Atomstrom produziert.

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Tagesschau, 07.06.26, 19:30 Uhr ; 

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