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Atomkraft-Comeback? Umfrage zeigt steigende Zustimmung zu neuen AKW

Die GFS-Umfrage deutet auf eine wachsende Akzeptanz für den Bau neuer AKW hin. Was heisst das für den Atomausstieg?

Die Atomenergie erlebt in der Schweiz offenbar eine Renaissance. Eine vom Stromverband VSE in Auftrag gegebene Umfrage des Forschungsinstituts GFS zeigt, dass die Zustimmung zu neuen Atomkraftwerken in der Bevölkerung zunimmt.

Mehrheit für Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative

Dem Gegenvorschlag zur sogenannten Blackout-Initiative, der den Neubau von Atomkraftwerken wieder ermöglichen soll, stimmen 50 Prozent der Befragten klar oder eher zu. 44 Prozent lehnen diesen Vorschlag ab. Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass 59 Prozent den Bau von Atomkraftwerken der neuen Generation für sinnvoll halten.

Erstmals seit Beginn der Umfragereihe im Jahr 2022 bevorzugt die Hälfte der Befragten ein neues Atomkraftwerk gegenüber zahlreichen zusätzlichen Anlagen für erneuerbare Energien.

Die Blackout-Initiative selbst, die neben der Erlaubnis für neue Atomkraftwerke auch die Verankerung der Versorgungssicherheit in der Verfassung fordert, erhält mit 55 Prozent sogar noch deutlichere Unterstützung. Vor einem Jahr lag die Zustimmung zu dieser Initiative noch bei 46 Prozent.

Beschleunigter Ausbau und neue Prioritäten

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Die Umfrage zeigt zudem eine wachsende Bereitschaft in der Bevölkerung, den Ausbau der Stromproduktion zu beschleunigen. So unterstützen 68 Prozent der Befragten Einschränkungen bei Beschwerden gegen Energieprojekte, damit diese schneller umgesetzt werden können.

Ebenso sind 58 Prozent bereit, zur Stärkung der inländischen Stromproduktion Abstriche beim Umweltschutz in Kauf zu nehmen.

Generell gewichtet die Bevölkerung die Versorgungssicherheit inzwischen stärker als Klimaschutz oder Strompreise. Für 45 Prozent der Befragten hat eine sichere Stromversorgung oberste Priorität. Ungeachtet dieser Entwicklungen unterstützen 66 Prozent weiterhin ein Stromabkommen mit der Europäischen Union.

Besonders hoch bleibt die Unterstützung für bestehende Atomkraftwerke: 79 Prozent befürworten deren Weiterbetrieb, solange die Anlagen als sicher gelten.

Versorgungssicherheit als treibende Kraft

Politikwissenschaftler Urs Bieri vom GFS Bern erklärt die Entwicklung so: «Versorgungssicherheit ist in der Schweiz im Jahr 2026 ein grosses Thema. Man ist unsicher, ob die erneuerbaren Energien reichen. Entsprechend sucht man nach Alternativen. Atomkraft ist eine.»

Die wachsende Akzeptanz für Atomkraft gehe jedoch Hand in Hand mit der Problemsicht, ob Atomkraft sicher sei. «Damit haben wir die gleichen Konflikte, die gleiche hälftige Spaltung wie in der Vergangenheit», so Bieri.

Unterschiedliche Reaktionen im Nationalrat

Die steigende Zustimmung zur Atomenergie ruft im Nationalrat geteilte Reaktionen hervor. Christian Imark, Nationalrat der (SVP/SO), sieht darin eine Bestätigung für den Kurs der eidgenössischen Räte: «Das bestätigt, dass die Mehrheit hier in den Eidgenössischen Räten auf dem richtigen Weg ist. Die Leute wollen nicht überall Windräder und Staumauern, sondern sie wollen lieber konzentriert zwei, drei Standorte für die Atomenergie, die die Versorgungssicherheit dann wirklich garantiert.»

Zur Studie

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Für die Studie befragte gfs.bern im Auftrag des VSE zwischen dem 23. März und dem 15. April insgesamt 1015 Stimmberechtigte. Der Stichprobenfehler beträgt plus/minus 3.1 Prozentpunkte.

Die Ergebnisse der Studie gibt es im Cockpit von gfs.Bern zum Nachlesen.

Marionna Schlatter, Nationalrätin der (Grüne/ZH), zeigt sich hingegen nicht überrascht: «Das erstaunt mich nicht. Schon die Diskussionen führen zu Verunsicherung in der Bevölkerung.» Sie betont jedoch, dass die AKW-Frage höchst umstritten sei, im Gegensatz zum Ausbau der erneuerbaren Energien, der von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt werde. «Dort sollten wir unsere Energie investieren», fordert Schlatter.

Nationalrat vor historischer Entscheidung

Trotz des Widerstands von linker Seite wird erwartet, dass sich der Nationalrat am Mittwoch ebenfalls für die Atomenergie aussprechen könnte. Sollte dies geschehen, wäre es ein historischer Schritt, nachdem das Stimmvolk im Jahr 2017 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte.

Abendansicht einer Stadt mit einem rauchenden Kühlturm im Hintergrund.
Legende: Die Schweizer Energiepolitik steht vor einer möglichen Kehrtwende. (im Bild: AKW Gösgen 2011) KEYSTONE/Alessandro Della Bella

Ob dereinst tatsächlich neue Reaktoren gebaut werden dürfen, entscheidet jedoch letztlich das Stimmvolk.

Tagesschau, 07.06.26, 19:30 Uhr ; 

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