Im Ausstellungsraum der Saturn-Garage in der Zürcher Gemeinde Steinmaur steht ein neuer Familienwagen. Kostenpunkt: 40'000 Franken. Gekauft würden Autos allerdings nicht mehr mit Bargeld, sagt Firmeninhaber Christian Müller: «Heute sehen wir keine Noten mehr im Einsatz. Die Fahrzeuge werden in der Regel per Banküberweisung bezahlt.»
Christian Müller arbeitet seit über vierzig Jahren in der Autobranche. Er führt in Steinmaur zwei Garagen und präsidiert zudem den Vorstand des Autogewerbeverbands der Sektion Zürich.
Strenge Vorschriften der Banken
Bargeld spiele in seiner Branche seit rund zehn Jahren kaum noch eine Rolle – erst recht nicht mehr seit der Corona-Pandemie, so Müller.
Und lachend ergänzt er: «Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Kunde nochmals das Bedürfnis geäussert hat, mit einer Tasche voll Noten bei mir vorbeizukommen.»
Allerdings ist es nicht nur die Kundschaft, die sich vom Bargeld abwendet. Auch die Autobranche selbst wolle gar kein Bargeld mehr annehmen, erklärt der Garagist: «Wenn ich mit einer grösseren Menge Bargeld auf die Bank gehe, dann will die Bank wissen, woher dieses Geld kommt.»
Der Bargeldverkehr hat zusätzlichen Aufwand verursacht.
Die Geldwäschereivorschriften der Banken führten dazu, dass der Umgang mit grossen Summen Bargeld komplizierter geworden ist. Hinzu kämen die Sicherheitsfragen, um das Bargeld aufzubewahren. Für ihn ist deshalb klar: «Der Bargeldverkehr hat zusätzlichen Aufwand verursacht, den wir nicht brauchen. Und nein, dem Bargeld trauere ich nicht nach.»
Tausendernoten als Reserve
Das Bargeld ist nicht nur in der Autobranche auf dem Rückzug, sondern vielerorts im Alltag: Bankkarten und Bezahl-Apps lösen Noten und Münzen ab. Gleichzeitig ist Bargeld aber weiterhin beliebt, wie die Zahlen der Schweizerischen Nationalbank zeigen.
Während der Corona-Pandemie war sogar so viel Bargeld im Umlauf wie nie zuvor. Und selbst jetzt sind es noch immer mehr Münzen und Noten als Mitte der 2010er-Jahre, also beispielsweise vor der Verbreitung von Twint.
Bei genauer Betrachtung fällt vor allem ein Aspekt auf: Etwa die Hälfte des Bargeldumlaufs entfällt auf die Tausendernoten.
Die Wertaufbewahrung ist ein wichtiger Aspekt der Notenhaltung.
«Diese Tausendernoten werden immer noch für Bezahlungen eingesetzt», sagt Martin Schlegel, Präsident der Schweizerischen Nationalbank. «Aber natürlich ist die Wertaufbewahrung ein wichtiger Aspekt der Notenhaltung.»
Offensichtlich horten die Menschen stattliche Mengen an Tausendernoten als Reserve. Oder sie werden eingesetzt, wenn sich beispielsweise Privatpersonen untereinander ein Occasionsauto für einige Tausend Franken verkaufen. Das komme noch ab und zu vor, wie Garageninhaber Christian Müller gelegentlich zu hören bekommt.
Allerdings verkauft Christian Müller nicht nur neue Autos: Reparaturen, Reifenwechsel oder Ersatzteile sind für die Garage ebenfalls wichtige Geschäftszweige. Doch selbst da zahle die Kundschaft digital, so der Patron.
Trotzdem möchte Christian Müller nicht auf das Bargeld verzichten. Vor allem in einem Bereich sei es immer sehr geschätzt – in der Trinkgeldkasse.
«Die Trinkgelder werden sehr gerne noch in bar bezahlt. Da gehört Bargeld irgendwie noch dazu.» Gleiches gelte übrigens auch umgekehrt, betont Müller: «Ich nutze Bargeld auch noch recht gerne für Trinkgeld.»