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Abstimmung 8. März Trinkgeld ja, Autokauf nein: Wo Bares noch Wahres ist

Die Stimmbevölkerung stimmt am 8. März über die Bargeld-Initiative und den Gegenvorschlag des Parlaments ab. Im Alltag hingegen verschwinden Noten und Münzen zunehmend. Selbst in Branchen, wo Bargeld stets einen hohen Stellenwert hatte – wie etwa in der Autobranche.

Im Ausstellungsraum der Saturn-Garage in der Zürcher Gemeinde Steinmaur steht ein neuer Familienwagen. Kostenpunkt: 40'000 Franken. Gekauft würden Autos allerdings nicht mehr mit Bargeld, sagt Firmeninhaber Christian Müller: «Heute sehen wir keine Noten mehr im Einsatz. Die Fahrzeuge werden in der Regel per Banküberweisung bezahlt.»

Ein Mann mit grauen Haaren und einer Brille steht mit verschränkten Armen vor einem Auto in einer Garage.
Legende: Christian Müller erinnert sich an längst vergangene Zeiten: Mitte der 1980er-Jahre, als er in der Autobranche begonnen hatte, sei es noch üblich gewesen, ein Auto in bar zu kaufen. Heute sei das fast schon undenkbar, so der Garagist. ZVG

Christian Müller arbeitet seit über vierzig Jahren in der Autobranche. Er führt in Steinmaur zwei Garagen und präsidiert zudem den Vorstand des Autogewerbeverbands der Sektion Zürich.

Strenge Vorschriften der Banken

Bargeld spiele in seiner Branche seit rund zehn Jahren kaum noch eine Rolle – erst recht nicht mehr seit der Corona-Pandemie, so Müller.

Und lachend ergänzt er: «Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Kunde nochmals das Bedürfnis geäussert hat, mit einer Tasche voll Noten bei mir vorbeizukommen.»

Das beinhalten Bargeld-Initiative und direkter Gegenentwurf

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Die Bargeld-Initiative will die Verfügbarkeit des Bargelds und den Franken als Schweizer Währung in der Verfassung verankern. Hierfür will sie den Bund dazu verpflichten, sicherzustellen, dass Münzen oder Banknoten immer in genügender Menge zur Verfügung stehen. Zudem soll es nur mit Zustimmung von Volk und Ständen möglich sein, den Schweizer Franken durch eine andere Währung zu ersetzen.

Auch Bundesrat und Parlament wollen die Bargeldversorgung und den Franken in der Verfassung festschreiben. Mit dem Wortlaut der Initiative sind sie jedoch nicht einverstanden und legen deshalb einen Gegenentwurf vor, der Formulierungen aus bestehenden Gesetzen übernimmt und den Auftrag der Nationalbank unterstreicht.

Allerdings ist es nicht nur die Kundschaft, die sich vom Bargeld abwendet. Auch die Autobranche selbst wolle gar kein Bargeld mehr annehmen, erklärt der Garagist: «Wenn ich mit einer grösseren Menge Bargeld auf die Bank gehe, dann will die Bank wissen, woher dieses Geld kommt.»

Der Bargeldverkehr hat zusätzlichen Aufwand verursacht.
Autor: Christian Müller Garagist und Präsident des Autogewerbeverbands Sektion Zürich

Die Geldwäschereivorschriften der Banken führten dazu, dass der Umgang mit grossen Summen Bargeld komplizierter geworden ist. Hinzu kämen die Sicherheitsfragen, um das Bargeld aufzubewahren. Für ihn ist deshalb klar: «Der Bargeldverkehr hat zusätzlichen Aufwand verursacht, den wir nicht brauchen. Und nein, dem Bargeld trauere ich nicht nach.»

Tausendernoten als Reserve

Das Bargeld ist nicht nur in der Autobranche auf dem Rückzug, sondern vielerorts im Alltag: Bankkarten und Bezahl-Apps lösen Noten und Münzen ab. Gleichzeitig ist Bargeld aber weiterhin beliebt, wie die Zahlen der Schweizerischen Nationalbank zeigen.

Während der Corona-Pandemie war sogar so viel Bargeld im Umlauf wie nie zuvor. Und selbst jetzt sind es noch immer mehr Münzen und Noten als Mitte der 2010er-Jahre, also beispielsweise vor der Verbreitung von Twint.

Bei genauer Betrachtung fällt vor allem ein Aspekt auf: Etwa die Hälfte des Bargeldumlaufs entfällt auf die Tausendernoten.

Die Wertaufbewahrung ist ein wichtiger Aspekt der Notenhaltung.
Autor: Martin Schlegel Präsident der Schweizerischen Nationalbank

«Diese Tausendernoten werden immer noch für Bezahlungen eingesetzt», sagt Martin Schlegel, Präsident der Schweizerischen Nationalbank. «Aber natürlich ist die Wertaufbewahrung ein wichtiger Aspekt der Notenhaltung.»

Ein Mann mit Brille und Anzug sitzt vor einer Holzwand, an der eine grosse 1000er-Note hängt.
Legende: Trotz digitaler Zahlungsmöglichkeiten erfreut sich die Tausendernote weiterhin grosser Beliebtheit, wie Martin Schlegel, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, erklärt. Keystone/Alessandro della Valle

Offensichtlich horten die Menschen stattliche Mengen an Tausendernoten als Reserve. Oder sie werden eingesetzt, wenn sich beispielsweise Privatpersonen untereinander ein Occasionsauto für einige Tausend Franken verkaufen. Das komme noch ab und zu vor, wie Garageninhaber Christian Müller gelegentlich zu hören bekommt.

Allerdings verkauft Christian Müller nicht nur neue Autos: Reparaturen, Reifenwechsel oder Ersatzteile sind für die Garage ebenfalls wichtige Geschäftszweige. Doch selbst da zahle die Kundschaft digital, so der Patron.

Die Frage nach den Kosten

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Die digitale Zahlungsabwicklung hat Vorteile, aber auch ihren Preis: Das Kartenlesegerät, die Software und die Abrechnung kosten. Von Gewerbebetrieben oder kleineren Geschäften sind regelmässig Klagen über angeblich hohe Gebühren für diese digitale Infrastruktur zu hören.

«Das ist so. Die Infrastruktur ist nicht gratis, und diese Gebühren muss man einkalkulieren», bestätigt auch Christian Müller, Inhaber von zwei Garagen. Gleichzeitig betont er: «Wir haben heute im Bargeldverkehr auch Gebühren, die bezahlt werden müssen.» Solche Gebühren fallen beispielsweise an, wenn grössere Summen Bargeld auf der Bank einbezahlt werden.

Die Kosten für die digitale und die analoge Zahlungsabwicklung würden sich heute wohl ausgleichen, vermutet der Garagist.

Trotzdem möchte Christian Müller nicht auf das Bargeld verzichten. Vor allem in einem Bereich sei es immer sehr geschätzt – in der Trinkgeldkasse.

«Die Trinkgelder werden sehr gerne noch in bar bezahlt. Da gehört Bargeld irgendwie noch dazu.» Gleiches gelte übrigens auch umgekehrt, betont Müller: «Ich nutze Bargeld auch noch recht gerne für Trinkgeld.»

Abstimmungsdossier

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Legende: SRF

News und Hintergründe zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 8. März 2026.

Rendez-vous, 3.2.2026, 12:30 Uhr;brus

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