«10, 20, 50 … 254 Franken.» Richard Koller kramt in seiner Hosentasche und zählt sein Bargeld – seine Obsession. Er selbst spricht lieber von «Münz und Banknoten».
Sein Büro liegt in einem Dorf zwischen Bern und Solothurn, untergebracht in einem ehemaligen Tanzstudio. Die Tanzspiegel hängen noch an den Wänden, Sitzungstisch, Sofas, Youtube-Studio, Fitnessgeräte, Bibliothek, Computer. Und viel Chaos. «Mein Arbeitsplatz wirkt immer chaotisch. Es kommt ständig Neues dazu», sagt Koller.
So vielfältig wie der Raum ist auch Kollers Lebenslauf: Mechatroniker, Informatiker, Marketingfachmann, Keyboarder, Fussballer mit Ambitionen. Er hat chinesische Medizin studiert, war Sekretär der SVP Luzern. Heute ist er pensioniert – und dauernd unter Strom. Es scheint, als habe er täglich eine neue Idee für eine Volksinitiative.
Politisch beschreibt er sich überraschenderweise als Mitte-links, als sozial-konservativ oder ökologisch-konservativ. Familie, Gesundheit und Natur nennt er als zentrale Werte. Mit der gleichgeschlechtlichen Ehe hat er Mühe. Die EU und die UNO, die E-ID und die Impfpflicht lehnt er ab. 5G und Funkwellen findet er gefährlich. Staaten führten Krieg, weil Firmen damit Geld verdienten, sagt er. Koller traut der etablierten Politik nicht über den Weg.
Mehr Vertrauen ins Volk als in den Staat
«Staaten vertraue ich weniger als Volksentscheiden. Wenn wenige eine Entscheidung treffen, ist diese oftmals nicht so optimal, wie wenn sich viele zusammenraufen müssen und eine Entscheidung treffen.»
Koller ist überzeugt, es gebe einen weltweiten Plan, das Bargeld abzuschaffen. Er verweist auf die UNO-Initiative «Better Than Cash Alliance», die das digitale Bezahlen in Entwicklungsländern fördern will. Die Schweiz unterstützt das Projekt. Ist er ein Verschwörungstheoretiker?
Wir suchen nicht Verschwörungen, sondern wir kritisieren Entscheide. Das ist ein grosser Unterschied.
«Man wird als Verschwörungstheoretiker oder Staatsangreifer hingestellt, weil man vielleicht die Wahrheit sagt. Wir suchen nicht Verschwörungen, sondern wir kritisieren Entscheide. Das ist ein grosser Unterschied», so Koller.
Auf die Strasse gehe er nicht. Sein politisches Instrument sind die Volksinitiativen. Dank einer Datenbank kann er um die 100’000 Personen mobilisieren. Sein Netzwerk war früher die Freiheitliche Bewegung, jetzt hat er die «Schweiz Macher» gegründet.
Es gebe keine klassische Hierarchie. Er vergleicht das Netzwerk mit einem «Rat der Alten»: «Wie bei den Indianern», sagt er. Beratend, nicht befehlend. Koller gehört zu diesem Rat. Ein solches Politmodell könnte er sich auch für die Schweiz vorstellen, räumt aber selbst ein, dass es schwer umzusetzen wäre.
Seine politischen Ideen bewegen sich nicht im Mainstream. Beim Bargeld jedoch trifft er einen Nerv: Umfragen zeigen, dass sowohl seine Initiative als auch der Gegenvorschlag angenommen werden könnten. Gewonnen hat er also sowieso.