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Bargeld in der Verfassung Wer ist der Mann hinter der Bargeld-Initiative?

Während immer mehr Menschen bargeldlos bezahlen, kämpft Richard Koller für Münzen und Noten. Der Initiant im Porträt.

«10, 20, 50 … 254 Franken.» Richard Koller kramt in seiner Hosentasche und zählt sein Bargeld – seine Obsession. Er selbst spricht lieber von «Münz und Banknoten».

Sein Büro liegt in einem Dorf zwischen Bern und Solothurn, untergebracht in einem ehemaligen Tanzstudio. Die Tanzspiegel hängen noch an den Wänden, Sitzungstisch, Sofas, Youtube-Studio, Fitnessgeräte, Bibliothek, Computer. Und viel Chaos. «Mein Arbeitsplatz wirkt immer chaotisch. Es kommt ständig Neues dazu», sagt Koller.

Gegenvorschlag laut Bundesrat eindeutiger und «erprobt»

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Die Bargeld-Initiative will die Verfügbarkeit von «Noten und Münzen» und den Franken als schweizerische Währung in der Verfassung verankern. Hierfür will sie den Bund dazu verpflichten, sicherzustellen, dass Münzen und Banknoten immer in genügender Menge zur Verfügung stehen.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Sie wollen den Währungsartikel in der Bundesverfassung jedoch ergänzen: Erstens soll festgehalten werden, dass der Franken die Währung der Schweiz ist. Zweitens soll stehen, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld gewährleistet ist – ohne den Bund explizit weiter zu verpflichten.

Der Gegenvorschlag sieht somit vor, die heute auf Gesetzesstufe geltenden Regeln in die Verfassung zu schreiben. Dies sei besser geeignet, die Bedeutung des Bargelds auf Verfassungsstufe festzuhalten, sagt Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Die Formulierungen seien rechtlich eindeutig und in der Praxis erprobt.

So vielfältig wie der Raum ist auch Kollers Lebenslauf: Mechatroniker, Informatiker, Marketingfachmann, Keyboarder, Fussballer mit Ambitionen. Er hat chinesische Medizin studiert, war Sekretär der SVP Luzern. Heute ist er pensioniert – und dauernd unter Strom. Es scheint, als habe er täglich eine neue Idee für eine Volksinitiative.

Mann sitzt in Bürostuhl mit Modell-Leuchtturm am Schreibtisch.
Legende: Richard Koller stösst immer wieder neue Initiativprojekte an, in der Vergangenheit etwa ein Projekt zur Förderung gesunder Ernährung über eine Debitkarte. SRF/Tobias Gasser

Politisch beschreibt er sich überraschenderweise als Mitte-links, als sozial-konservativ oder ökologisch-konservativ. Familie, Gesundheit und Natur nennt er als zentrale Werte. Mit der gleichgeschlechtlichen Ehe hat er Mühe. Die EU und die UNO, die E-ID und die Impfpflicht lehnt er ab. 5G und Funkwellen findet er gefährlich. Staaten führten Krieg, weil Firmen damit Geld verdienten, sagt er. Koller traut der etablierten Politik nicht über den Weg.

Mehr Vertrauen ins Volk als in den Staat

«Staaten vertraue ich weniger als Volksentscheiden. Wenn wenige eine Entscheidung treffen, ist diese oftmals nicht so optimal, wie wenn sich viele zusammenraufen müssen und eine Entscheidung treffen.»

Koller ist überzeugt, es gebe einen weltweiten Plan, das Bargeld abzuschaffen. Er verweist auf die UNO-Initiative «Better Than Cash Alliance», die das digitale Bezahlen in Entwicklungsländern fördern will. Die Schweiz unterstützt das Projekt. Ist er ein Verschwörungstheoretiker?

Wir suchen nicht Verschwörungen, sondern wir kritisieren Entscheide. Das ist ein grosser Unterschied.
Autor: Richard Koller Initiant der Bargeld-Initiative

«Man wird als Verschwörungstheoretiker oder Staatsangreifer hingestellt, weil man vielleicht die Wahrheit sagt. Wir suchen nicht Verschwörungen, sondern wir kritisieren Entscheide. Das ist ein grosser Unterschied», so Koller.

Auf die Strasse gehe er nicht. Sein politisches Instrument sind die Volksinitiativen. Dank einer Datenbank kann er um die 100’000 Personen mobilisieren. Sein Netzwerk war früher die Freiheitliche Bewegung, jetzt hat er die «Schweiz Macher» gegründet.

Zwei Männer vor Plakat der Bargeld-Initiative.
Legende: Auf die Strasse gehe er nicht und Widerstand organisiere er auch nicht, sagt Koller. Sein Instrument sind die Volksinitiativen. Keystone/PETER KLAUNZER

Es gebe keine klassische Hierarchie. Er vergleicht das Netzwerk mit einem «Rat der Alten»: «Wie bei den Indianern», sagt er. Beratend, nicht befehlend. Koller gehört zu diesem Rat. Ein solches Politmodell könnte er sich auch für die Schweiz vorstellen, räumt aber selbst ein, dass es schwer umzusetzen wäre.

Seine politischen Ideen bewegen sich nicht im Mainstream. Beim Bargeld jedoch trifft er einen Nerv: Umfragen zeigen, dass sowohl seine Initiative als auch der Gegenvorschlag angenommen werden könnten. Gewonnen hat er also sowieso.

Abstimmungsdossier

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Rendez-vous, 20.2.2026, 12:30 Uhr

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