Über die Ostertage wird viel gereist. Das zeigt sich am Flughafen, auf der Schiene – und natürlich auf der Strasse. Auch dieses Jahr ist wieder mit Staus zu rechnen. Das Osterfest beginnt zudem früher als in den vergangenen zwei Jahren, 18 Kantone und 12 deutsche Bundesländer starten gleichzeitig mit Ostern in die Frühlingsferien.
Die Prognosen sind klar: Besonders am Gründonnerstag und Karfreitag staut sich der Verkehr Richtung Süden. Am Ostersonntag und -montag folgt die Rückreisewelle nach Norden.
Über Ostern reisen besonders viele gleichzeitig in den Süden – ins Tessin oder nach Italien. Am Gotthard trifft diese geballte Nachfrage auf eine Infrastruktur, die dafür nicht ausgelegt ist.
Warum sich der Verkehr am Gotthard so schnell staut, erklärt Verkehrsforscher Kay Axhausen: «Wenn mehr Autos unterwegs sind, fahren sie dichter auf, die Geschwindigkeit sinkt.» Schon kleine Bremsmanöver könnten dann eine Kettenreaktion auslösen und der Verkehr komme ins Stocken oder stehe ganz still.
Entscheidend sei die Anzahl der Fahrzeuge: «Wenn die Strasse leer ist, passiert bei einem Fahrfehler nichts. Wenn viele Fahrzeuge auf der Strasse sind, kann daraus ein Stau entstehen», sagt der emeritierte Professor für Verkehrsplanung Axhausen. Deshalb werde der Verkehr durch Geschwindigkeitsregulierungen gezielt verlangsamt. So sollen die Fahrzeuge gleichmässiger fliessen und abrupte Bremsmanöver vermieden werden.
Zuverlässige Prognosen – und trotzdem stehen alle
Trotz zuverlässiger Prognosen fahren viele gleichzeitig los. Einige versuchen, früher oder später zu starten. Doch das reicht laut Axhausen nicht aus. «Es müssten noch mehr Menschen auf ihren Urlaub im Süden verzichten oder anders planen.»
Viele seien an feste Zeitpläne gebunden oder wollten zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ziel sein. «Wir sind in unseren Plänen gefangen.» Und nehmen Stau in Kauf.
Helfen würde laut dem Experten für Verkehrsplanung nur, wenn weniger Fahrzeuge unterwegs wären. Die Lösung sieht er in Durchfahrtsgebühren für alle – und nicht nur für Durchreisende, wie das aktuell politisch diskutiert wird.
Eine weitere Variante sieht Axhausen im Ausbau der Infrastruktur. Aber das wäre teuer: «Der Nutzen für einige Wochenenden im Jahr steht in keinem Verhältnis zu den Kosten.»
Auch neue Technologien ändern daran wenig. Fahrassistenzsysteme könnten zwar helfen, Fahrfehler zu reduzieren. «Damit könnte die Geschwindigkeit länger konstant gehalten und einige der Staus vermieden werden.» Das Grundproblem aber bleibe: zu viele Fahrzeuge zur gleichen Zeit.
Proviant und Geduld
Für Reisende bleibt damit vor allem eines: sich darauf einstellen. Wer flexibel ist, kann etwa auf ein anderes Reiseziel ausweichen, sagt Axhausen. Für alle anderen gelte: «Man muss sich darauf vorbereiten, was einen erwartet.» Er empfiehlt Pragmatismus: Getränke, Spiele für die Kinder, Lesematerial.
Auch Verkehrsdienste raten, die Reisezeiten bewusst zu wählen. So empfiehlt Viasuisse, wenn möglich, zwischen Sonntag und Mittwoch oder am frühen Morgen des Gründonnerstags zu fahren. Für die Rückreise gelten der Ostersonntag oder die frühen Vormittagsstunden nach dem Ostermontag als günstiger.
Ganz vermeiden lässt sich der Stau aber nicht. Auch Ausweichrouten wie die San-Bernardino-Achse können stark belastet sein. Wer unterwegs ist, braucht vor allem eines: Geduld.