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Blechlawine am Gotthard Alle wissen es – und fahren trotzdem in den Osterstau

Der Stau über die Ostertage ist vorhersehbar. Warum viele trotzdem gleichzeitig fahren und was gegen die Blechlawine helfen würde.

Über die Ostertage wird viel gereist. Das zeigt sich am Flughafen, auf der Schiene – und natürlich auf der Strasse. Auch dieses Jahr ist wieder mit Staus zu rechnen. Das Osterfest beginnt zudem früher als in den vergangenen zwei Jahren, 18 Kantone und 12 deutsche Bundesländer starten gleichzeitig mit Ostern in die Frühlingsferien.

Die Prognosen sind klar: Besonders am Gründonnerstag und Karfreitag staut sich der Verkehr Richtung Süden. Am Ostersonntag und -montag folgt die Rückreisewelle nach Norden.

Über Ostern reisen besonders viele gleichzeitig in den Süden – ins Tessin oder nach Italien. Am Gotthard trifft diese geballte Nachfrage auf eine Infrastruktur, die dafür nicht ausgelegt ist.

Finger tippt auf Autoinfotainmentsystem mit FM-Radioanzeige.
Legende: Das lange Wochenende gibt den Takt vor: Am Gotthard trifft die hohe Nachfrage auf eine Infrastruktur, die für die vielen Autos auf der Strasse schlicht zu klein ist. Keystone/SALVATORE DI NOLFI

Warum sich der Verkehr am Gotthard so schnell staut, erklärt Verkehrsforscher Kay Axhausen: «Wenn mehr Autos unterwegs sind, fahren sie dichter auf, die Geschwindigkeit sinkt.» Schon kleine Bremsmanöver könnten dann eine Kettenreaktion auslösen und der Verkehr komme ins Stocken oder stehe ganz still.

Ferienverkehr in den Süden verursacht Stau am Gotthard

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Der Reiseverkehr in den Süden hat am Mittwochvormittag zu einem Stau vor dem Gotthardstrassentunnel geführt. Nach Mittag erreichte die Blechlawine vor dem Nordportal in Göschenen eine Länge von elf Kilometern. Dies teilte der Touring Club der Schweiz (TCS) auf der Plattform X mit. Die Autoinsassen müssen sich damit knapp zwei Stunden gedulden, bis sie die Fahrt durch den 17 Kilometer langen Gotthardstrassentunnel Richtung Airolo TI antreten können.

Der Stau hatte sich im Verlauf des Vormittags gebildet und wuchs schnell in die Länge. Die Einfahrten in Göschenen und Wassen wurden gesperrt. Damit soll verhindert werden, dass Automobilistinnen und -mobilisten den Stau via Kantonsstrasse umfahren. (sda)

Entscheidend sei die Anzahl der Fahrzeuge: «Wenn die Strasse leer ist, passiert bei einem Fahrfehler nichts. Wenn viele Fahrzeuge auf der Strasse sind, kann daraus ein Stau entstehen», sagt der emeritierte Professor für Verkehrsplanung Axhausen. Deshalb werde der Verkehr durch Geschwindigkeitsregulierungen gezielt verlangsamt. So sollen die Fahrzeuge gleichmässiger fliessen und abrupte Bremsmanöver vermieden werden.

Zuverlässige Prognosen – und trotzdem stehen alle

Trotz zuverlässiger Prognosen fahren viele gleichzeitig los. Einige versuchen, früher oder später zu starten. Doch das reicht laut Axhausen nicht aus. «Es müssten noch mehr Menschen auf ihren Urlaub im Süden verzichten oder anders planen.»

Viele seien an feste Zeitpläne gebunden oder wollten zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ziel sein. «Wir sind in unseren Plänen gefangen.» Und nehmen Stau in Kauf.

Helfen würde laut dem Experten für Verkehrsplanung nur, wenn weniger Fahrzeuge unterwegs wären. Die Lösung sieht er in Durchfahrtsgebühren für alle – und nicht nur für Durchreisende, wie das aktuell politisch diskutiert wird.

Eine weitere Variante sieht Axhausen im Ausbau der Infrastruktur. Aber das wäre teuer: «Der Nutzen für einige Wochenenden im Jahr steht in keinem Verhältnis zu den Kosten.»

Stau auf kurviger Bergstrasse mit Autos.
Legende: Weniger Verkehr wäre laut Axhausen die wirksamste Lösung. (16.08.2025) Keystone/MICHAEL BUHOLZER

Auch neue Technologien ändern daran wenig. Fahrassistenzsysteme könnten zwar helfen, Fahrfehler zu reduzieren. «Damit könnte die Geschwindigkeit länger konstant gehalten und einige der Staus vermieden werden.» Das Grundproblem aber bleibe: zu viele Fahrzeuge zur gleichen Zeit.

Proviant und Geduld

Für Reisende bleibt damit vor allem eines: sich darauf einstellen. Wer flexibel ist, kann etwa auf ein anderes Reiseziel ausweichen, sagt Axhausen. Für alle anderen gelte: «Man muss sich darauf vorbereiten, was einen erwartet.» Er empfiehlt Pragmatismus: Getränke, Spiele für die Kinder, Lesematerial.

Auch Verkehrsdienste raten, die Reisezeiten bewusst zu wählen. So empfiehlt Viasuisse, wenn möglich, zwischen Sonntag und Mittwoch oder am frühen Morgen des Gründonnerstags zu fahren. Für die Rückreise gelten der Ostersonntag oder die frühen Vormittagsstunden nach dem Ostermontag als günstiger.

Ganz vermeiden lässt sich der Stau aber nicht. Auch Ausweichrouten wie die San-Bernardino-Achse können stark belastet sein. Wer unterwegs ist, braucht vor allem eines: Geduld.

Unterwegs mit dem Zug: Das empfiehlt die SBB

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Über Ostern ist auch die Nachfrage für Zugfahrten gross – besonders zu den klassischen Reisezeiten. Die SBB setzt 27 Extrazüge ein und verstärkt bestehende Verbindungen mit zusätzlichen Wagen. Das empfiehlt die SBB für eine entspanntere Fahrt:

  • Hauptreisezeiten meiden: Besonders voll ist es am Gründonnerstag (15–19 Uhr) und Karfreitag (7–12 Uhr) Richtung Tessin sowie am Ostermontag (14–19 Uhr) zurück in die Deutschschweiz.
  • Reservation empfohlen: Viele internationale und nationale Züge sind bereits stark ausgelastet oder ausgebucht. Auf Verbindungen nach Italien gilt Reservationspflicht.
  • Begrenzte Plätze im Inland: Auf IC-Zügen sind nicht alle Sitzplätze reservierbar. Die verfügbaren Plätze können auf einzelnen Verbindungen dennoch knapp sein.
  • Flexibel reisen: Wer ausserhalb der Spitzenzeiten unterwegs ist, findet in der Regel leichter einen Sitzplatz.

    Rendez-vous, 01.04.2026, 12:30 Uhr;stal;noes

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