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Brandkatastrophe im Wallis Wie es zu einem «Flashover» kommen kann

Laut den Walliser Behörden ist es im brennenden Gebäude zu einem sogenannten «Flashover» gekommen. Also zu einem schlagartigen Ausbreiten des Feuers. Wie kommt es dazu? Und wie können Betroffene reagieren?

Der «Flashover» – oder Deutsch: Feuersprung – ist jener Moment, in dem ein beginnender Brand schlagartig zum Vollbrand wird. 

Markus Grenacher, Präsident der Feuerwehr­inspektoren­konferenz, erklärt, der Feuersprung entstehe aus den Rauchgasen eines zunächst kleinen Brands. Wenn etwa ein Rechaud oder eine Kerze einen Brand auslöse, entstehen Rauchgase. Können diese nicht entweichen, sammeln sie sich an. Und wenn zusätzlich genügend Sauerstoff vorhanden ist und die Temperatur dann ansteigt, kommt es zum Feuersprung. 

Es brennt einfach alles.
Autor: Markus Grenacher Präsident der Feuerwehrinspektorenkonferenz

«Befindet man sich dann im Raum, wird es tödlich», sagt Grenacher. Die ganze Rauchschicht brenne auf einen Schlag. Und sie könne sich bis tief nach unten bewegen, je nachdem, was verbrannt sei und wie gross der Raum sei. «Sie wird zu einem Feuerball. Es brennt einfach alles. Die Luft und die Rauchgase brennen.» Dann werde es selbst für ausgerüstete Feuerwehrleute gefährlich. 

Temperaturen bis über 1000 Grad

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Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte im «Brennpunkt» des Ersten deutschen Fernsehsenders ARD das Phänomen «Flashover» als ein «kleines Brandereignis», das die Hitze an die Umgebungstemperatur abgebe – dann sammele sich unter der Decke die Hitze. Dieser Wärmestau werde heisser und heisser. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase. «Und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird.»

Im Zuge eines «Flashovers» erfolgt nach Darstellung von Barz ein Temperaturanstieg innerhalb von geringer Zeit, auf etwa 1000 bis 1200 Grad. Zusätzlich falle der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Sie betonte: «Das heisst, unser menschlicher Körper ist dafür nicht gemacht.» Für Menschen ohne Schutzkleidung sei das nicht zu überleben.

Doch das Phänomen sei keine Seltenheit, so Grenacher. Es gehöre eher zum Feuerwehralltag. 

Kommt dazu: In der Bar in Crans-Montana feierten junge Menschen auf zwei Etagen. Breche ein Feuer in einem Untergeschoss aus, steige das Risiko. «Weil ich mich so praktisch durch die Rauchschicht ins Freie, nach oben, bewegen muss – und die Rauchschicht ist oben im Raum.» 

Für Laien kaum erkennbar

Zum konkreten Fall und zur Brandentwicklung in Crans-Montana will sich Grenacher nicht äussern. Er sagt aber, Laien könnten einen bevorstehenden Feuersprung kaum erkennen. 

Als Laie gibt es nur eine Devise, sobald es brennt, raus aus dem Raum, Türe zu. Anrufen und warten auf die Feuerwehr.
Autor: Markus Grenacher Präsident der Feuerwehrinspektorenkonferenz

Sie hätten jedoch ein kleines Zeitfenster, bevor es zum Feuersprung komme. «Als Laie gibt es nur eine Devise, sobald es brennt, raus aus dem Raum, Türe zu, anrufen und warten auf die Feuerwehr. Sie haben nur diese Chance. Sofort raus und nicht noch zuschauen oder etwas probieren.» 

Dies sei vielleicht im Moment die wichtigste Lehre aus dem Drama von Crans-Montana, sagt der oberste Schweizer Feuerwehrinspektor.

SRF 4 News, 2.1.2026, 8:00 Uhr

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