Die Zahlen sind eindrücklich. Im Jahr 2025 beliefen sich die vererbbaren Vermögen in der Schweiz auf 3600 Milliarden Franken. Das ist das 4.2-fache des Bruttoinlandprodukts. Im Vergleich dazu: Vor 25 Jahren betrug das vererbbare Vermögen noch 1400 Milliarden Franken. Das wiederum entsprach dem 2.9-fachen des Bruttoinlandprodukts.
Das zeigt der Lausanner Wirtschaftsprofessor Marius Brülhart in einer neuen, gemeinsam mit Kolleginnen der ETH Zürich und der EPF Lausanne erstellten Studie.
Die Vermögen wuchsen in den letzten 25 Jahren fast doppelt so stark wie die Einkommen.
Brülhart stützt sich dabei auf nationale Daten und anonymisierte Steuerdaten der Kantone Bern und Luzern. Er sagt: «Die Vermögen wuchsen in den letzten 25 Jahren fast doppelt so viel wie die Einkommen.»
Während die Vermögen im letzten Vierteljahrhundert um durchschnittlich 3.9 Prozent pro Jahr gewachsen sind, nahmen Bruttoinlandprodukt und Einkommen um lediglich 2.6 Prozent zu.
Anlagen steigen, Renditen nicht
Brülhart sieht zwei Hauptfaktoren für diese Entwicklung: Die Börse und den Immobilienboom. Die Aktienindexe seien doppelt so stark gestiegen wie das Bruttoinlandprodukt. Und auch die Immobilienpreise schossen stark in die Höhe.
Link zum Thema:
Das beobachtet auch Reto Föllmi, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen. Alle Anlageklassen seien gestiegen, bestätigt er. Das sei vor allem auf die tiefen Bankzinsen zurückzuführen, die dazu führen, dass die Leute ihr Geld in Anlagen investierten.
Föllmi sagt aber auch, die Renditen, zum Beispiel für Aktien, seien im letzten Vierteljahrhundert kaum gestiegen, sondern stagnierten vielmehr.
Ein weiterer Befund in der Studie der Uni Lausanne und der beiden ETHs ist, dass das Medianvermögen von Haushalten über 65 Jahren inzwischen fast zehnmal höher ist als das Vermögen von Haushalten unter 65 Jahren.
Vermögenssteuer statt Lohnabgaben
All diese wissenschaftlichen Befunde könnten nun auch politisch relevant werden. Der Bund braucht für die Finanzierung von Rüstungsausgaben und der 13. AHV-Renten neues Geld. Diskutiert werden zusätzliche Lohnabgaben oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Marius Brülhart plädiert für einen breiteren Fokus. Für ihn wäre beispielsweise denkbar, dass der Bund eine Vermögenssteuer einführt. Reto Föllmi hält dies für machbar, aber schwierig: Weil der Bund, anders als die Kantone, heute keine Vermögenssteuer kennt, müsste er eine solche erst einführen.
Föllmi schlägt darum vor, dass der Bund statt einer Vermögenssteuer eine Grundstückgewinnsteuer einführen soll. Damit käme er den Kantonen zwar auch in die Quere, aber sie hätte vor allem auf ausländische Steuerzahlerinnen und Steuerzahler eine weniger abschreckende Wirkung als eine Vermögenssteuer.
Klar ist: Der Ideenwettbewerb um die fairste Steuer zur Finanzierung der zusätzlichen Bundesausgaben ist in vollem Gang. Während die Politik schon länger nach gangbaren Wegen sucht, will nun auch die Wissenschaft mitreden.