Zürich, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben es kürzlich abgeschafft. Im zweisprachigen Kanton Bern hingegen wird politisch gar nicht erst darüber diskutiert. Die Rede ist vom Frühfranzösisch. Das Thema polarisiert in der Deutschschweiz. Die Gegner warnen vor überforderten Kindern. Den Befürwortern geht es um nichts weniger als den nationalen Zusammenhalt.
Doch: Was ist eigentlich die ursprüngliche Idee hinter dem Frühfranzösisch?
Es waren vor allem wirtschaftliche Gründe, die zur Einführung führten.
Nun, die Geschichte des Frühfranzösischs reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der Kanton Bern etwa startet bereits 1830 damit. «Es waren vor allem wirtschaftliche Gründe, die zur Einführung führten», sagt Sandra Grizelj, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Schülerinnen und Schüler sollten fit sein für die Wirtschaft, für Verhandlungen, für Handelsbetriebe in einer Fremdsprache.»
In den 1960er-Jahren gewinnt laut Grizelj das demokratische Argument an Bedeutung: «Alle Schülerinnen und Schüler sollten und durften Fremdsprachen lernen.» Da sei im Kanton Bern Französisch als Fremdsprache naheliegend gewesen, weil die Sprache im Kanton auch gesprochen wird. Aber auch andere Kantone, etwa Aargau und Zürich, begannen Ende der 1860er-Jahre mit ersten Versuchen von Frühfranzösisch in der Schule.
«Zunächst gab es für diese Versuche einen grossen Rückhalt», so Grizelj. Doch bei der Umsetzung zeigten sich erste Schwierigkeiten. Nicht in allen Kantonen dauerte die Primarschule damals gleich lang. Das habe bei Kantonswechseln zu Problemen geführt. Zudem hätten gute Lehrmittel gefehlt. Und so entstand auch immer mehr Widerstand gegen das Frühfranzösisch.
Ab 2004 einigten sich die Kantone auf einen Kompromiss in der Sprachenfrage: Alle Kinder sollten ab der dritten Klasse eine erste Fremdsprache lernen und ab der fünften Klasse eine zweite Fremdsprache. Die Kantone konnten aber selbst entscheiden, ob sie mit Französisch oder Englisch beginnen wollen.
Als sprachliche Minderheit ist es notwendig, eine andere Landessprache zu lernen.
Doch auch dieser Kompromiss wird immer wieder kritisiert. Dies vor allem in der Deutschschweiz, sagt Grizelj. In den französisch- oder italienischsprachigen Kantonen sei dies weniger der Fall. «Dort ist es als sprachliche Minderheit notwendig, eine andere Landessprache zu lernen.» Deshalb komme die Kritik am Frühunterricht in einer anderen Fremdsprache und der Wunsch, das Frühfranzösisch abzuschaffen, vor allem aus der Deutschschweiz.
Werden diese Diskussionen jemals aufhören? Sandra Grizelj glaubt es nicht. «Es ist halt auch ein sehr emotionales Thema», sagt sie. Deshalb werde es sicher auch in Zukunft Versuche geben, das Frühfranzösisch abzuschaffen.