Mehrere Milliarden Franken investiert die öffentliche Hand jährlich in Bahninfrastruktur und -angebote. Wird dieses Geld richtig eingesetzt? Das interessiert nicht nur regelmässig die Politik, sondern unter anderem auch die Bahnjournalisten und ‑journalistinnen. Sie decken bis ins Detail ab, worüber die meisten Medien über andere Themen im täglichen News-Geschehen berichten.
Einer von diesen Bähndlern ist Bernhard Studer. «Bei normalen Menschen fliesst Blut in den Adern. Bei mir fahren Züge», scherzt er an der Hauptversammlung der Bahnjournalistinnen und -journalisten gegenüber SRF. Studer schreibt als Freelancer für Fachpublikationen.
Gerhard Lob kennt die Spezies dieser besonderen Journalistinnen und Journalisten. Er war bis vor Kurzem Präsident der Vereinigung der Schweizer Bahnjournalisten. Andere spotteten über die Bahn-Nerds. Ihre Arbeit sei aber nötig: «Der öffentliche Verkehr ist ein wichtiges Thema und gerade in der Schweiz praktisch täglich in den Medien. Insofern hat er eine grosse Relevanz.»
Nicht sexy, aber wichtig
Gelesen werden die Fachpublikationen auch bei den Organisationen des öffentlichen Verkehrs. Helene Soltermann, Mediensprecherin der BLS, sagt, die Anfragen der Bahnjournalisten seien immer sehr spezifisch. «Sie wissen sehr genau, wann und wo ein Zug durchfährt, und wollen wissen, weshalb. Diese Leute sind sehr gut informiert.»
Eine breite Öffentlichkeit erreichen die Themen in Bahn-Blogs oder Fachpublikationen wie der Eisenbahn-Revue aber oft nicht – beispielsweise die Logistik. «Es ist kein ‹sexy Thema›, wie man im Journalismus sagt. Aber wenn die Logistik nicht funktioniert und die Regale leer bleiben, dann fragen sich viele, was los ist. Viele von uns Bahnjournalisten beschäftigen uns mit Themen, die nicht den höchsten Aktualitätsgrad haben, die aber eine grosse Relevanz für das Funktionieren der Gesellschaft haben», meint Gerhard Lob.
Gefragt in ausserordentlichen Lagen
Früher gab es auch in Publikumsmedien Bahnspezialisten – beispielsweise bei der NZZ. Aus finanziellen Gründen seien sie abgeschafft worden, so Lob. Er selbst kam zum Bahnjournalismus, weil er als Korrespondent im Tessin die Bauarbeiten des Gotthard-Basistunnels journalistisch begleitete.
Nach der Entgleisung eines Güterzugs im Gotthard im August 2023 war er ein gefragter Experte. «In solchen Situationen merkt man plötzlich, welche Bedeutung Fachleute haben. Die journalistisch nicht nur wiederkäuen, was ihnen von den Unternehmen gesagt wird, sondern die es auch kritisch hinterfragen.» Und was für die Bahn gelte, sei zum Beispiel in der Aviatik ebenfalls so, etwa nach Flugzeugabstürzen.
Auch BLS-Sprecherin Helene Soltermann stellt bei ihrer Arbeit fest, dass es im News-Journalismus immer weniger Expertinnen und Experten für Bahnthemen gibt. Die wenigen Fachleute seien daher umso wichtiger. «Sie wissen genau, wovon sie sprechen. Manchmal wissen sie sogar mehr als wir.»