PFAS-Chemikalien werden immer wieder in Schweizer Böden und Gewässern nachgewiesen. Über Lebensmittel gelangen diese auch in den menschlichen Körper – der Bundesrat hat deshalb vor rund zwei Jahren PFAS-Grenzwerte für Fleisch, Fisch und Eier festgelegt.
Die Mehrheit der Befragten möchte eher, dass der Staat die PFAS reguliert.
Doch einer Mehrheit der Bevölkerung reicht das nicht, sie wünscht sich eine stärkere Regulierung durch den Bund. Das zeigt eine Befragung des Schweizer Umweltpanels.
Projektleiter Thomas Bernauer sagt: «Man könnte entweder die Konsumenten informieren, ob in einem Produkt PFAS drin sind und es dem Markt überlassen, ob es gekauft wird. Oder der Staat könnte es einfach verbieten. Die Mehrheit der Befragten möchte eher, dass der Staat das reguliert.» Das heisst: Die Bevölkerung will nicht auf Eigenverantwortung setzen, sondern auf Verbote und höhere Grenzwerte.
Das könne auch damit zusammenhängen, dass das Wissen über PFAS in der Bevölkerung relativ gering sei, es handle sich also mehr um eine diffuse Angst vor diesen Chemikalien. «Als Konsument haben Sie einerseits nicht genug konkrete Informationen und können sich nicht informiert entscheiden, und andererseits hat ein grosser Teil der Bevölkerung doch generell sehr wenig Ahnung, was PFAS sind, wo sie drin sind und was für Risiken sie bergen», sagt Bernauer.
Aktionsplan im Umgang mit PFAS
Diese Wissenslücken zeigten sich auch bei konkreten Fragen zu PFAS : So wusste beispielsweise nur ein kleiner Teil, dass die Chemikalien auch in Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukten, Gemüse und Obst vorkommen können.
Für Rahel Galliker, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt, ist deshalb klar: Die Öffentlichkeit müsse besser mitgenommen und informiert werden. Derzeit arbeitet das Departement an einem Aktionsplan im Umgang mit PFAS. Ein Teil davon ist, mehr Wissen über PFAS unter die Leute zu bringen.
Man forscht auch, ob es Pflanzen gibt, die man auf PFAS-verseuchten Böden anbauen kann
Doch nicht nur in der Öffentlichkeit ist das Wissen gering, auch in der Wissenschaft gibt es noch viele Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Ewigkeitschemikalien. Hier brauche es mehr Forschung, so Rahel Galliker. «Es gibt die Forschung nach PFAS-Alternativen. Dann gibt es die Forschung, wie die PFAS wirklich in die Umwelt gelangen. Und man forscht auch im Bereich der Landwirtschaft, ob es Pflanzen gibt, die man auf PFAS-verseuchten Böden anbauen kann und bei denen sich die PFAS-Konzentration im essbaren Teil nicht anreichert.»
Bund hat eine Langzeitstudie eingespart
Allerdings: Eine Langzeitstudie der PFAS-Auswirkungen auf den Menschen, die in den nächsten zwanzig Jahren hätte durchgeführt werden sollen, fiel in der Wintersession dem Sparpaket des Bundes zum Opfer. Wichtig sei nun vor allem auch, die laufenden Bemühungen und Erkenntnisse rund um PFAS besser zu koordinieren, sagt Rahel Galliker.
Sie meint die Koordination zwischen den Kantonen, aber auch zwischen Bund und Kantonen. «Wenn wir beispielsweise in einem Kanton ein Untersuchungsresultat haben, geben wir es in die anderen Kantone weiter, und die anderen Kantone untersuchen nicht nochmal dasselbe, sodass man Wissen und Erkenntnisse teilt.»
Bis Ende 2027 soll der Aktionsplan beim Bundesrat auf dem Tisch liegen. Das Thema PFAS wird die Politik also so oder so noch länger beschäftigen.