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Fehler an USZ-Herzklinik Francesco Maisano: der Herzchirurg und der Spitalskandal

Im Bericht über die Todesfälle am USZ ist er eine Hauptfigur. Wer ist der Mann, der ab 2014 die USZ-Herzklinik führte?

Ein Systemversagen auf allen Ebenen. Und ein Klinikleiter, dem man eine fragwürdige Nähe zur Industrie vorwirft, fehlende Führungskompetenzen und lange Abwesenheiten im Klinikalltag.

Der wohl grösste Spitalskandal der Schweizer Geschichte ist publik. Fragen bleiben. Was lag am «System»: an dysfunktionalen Kontrollmechanismen, ungenügender Qualitätssicherung und an einer Spitalleitung, die mehr an Renommee als an einer gesunden Fehlerkultur interessiert war? Und welche Verantwortung trägt Francesco Maisano, der italienische Herzspezialist, der von 2014 bis 2020 die Klinik für Herzchirurgie am Unispital Zürich leitete?

Im Schnellverfahren zum Klinikleiter

2014 wird Maisano zum Klinikdirektor berufen – im Schnellverfahren. Eine «überhastete Ernennung», stellt die Untersuchungskommission rückblickend fest.

Bei seiner Berufung arbeitet Maisano bereits seit rund einem Jahr am Unispital als Oberarzt. Geholt hat ihn der damalige Klinikleiter Volkmar Falk. Zusammen mit Maisano arbeitet er am Cardioband, einem neuen Medizinprodukt.

Maisanos Stellungnahme

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Francesco Maisano war für SRF heute nicht zu erreichen.

Die Untersuchungskommission hat ihm bereits die Möglichkeit gegeben, sich zu den Vorwürfen zu äussern. Seine umfangreiche Stellungnahme ist Teil des Berichts.

Dort erklärt Maisano: Es sei falsch, ihn als Hauptverantwortlichen dieses Skandals darzustellen. Die Ergebnisse des Berichts belegten kein individuelles Fehlverhalten. Seine Interessensbindung mit der Industrie habe er stets transparent gemacht, etwa gegenüber der Ethikkommission und Swissmedic. Entscheidungen für oder gegen eine Therapie habe ein multidisziplinäres Team getroffen. Systemfehler könne man nicht auf einen einzelnen Akteur abwälzen.

Maisano habe sich als «grosser Innovator und Big-Shot» präsentiert, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Irène Dietschi. Davon habe sich die Spitalleitung blenden lassen – und es versäumt, Maisanos Curriculum genauer zu prüfen: «Was hat der Mann tatsächlich akademisch geleistet? Was hat er wirklich publiziert, haben die Studien Hand und Fuss?»

Maisano hat keinen Doktortitel, keinen Facharzttitel, keine Habilitation. Das Unispital macht ihn trotzdem zum Klinikdirektor und gibt ihm eine Professur.

Das Cardioband-Implantat

Eine Implantierung per Katheter, ohne eröffneten Brustkorb, bei schlagendem Herz. Mit dem minimalinvasiven Cardioband will Maisano die Herzchirurgie revolutionieren. Das Band ist eigentlich ein Ring, der mit Schrauben an der undichten Mitralklappe angebracht wird, zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer.

Maisano im Patientenkontakt

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Erika Ziltener, langjährige Leiterin der Patientenstelle Zürich, hat einige Fälle in einem Buch nachgezeichnet. Sie meint, der Chirurg sei Patienten und Angehörigen meist sehr charmant begegnet.

In einem Fall lief es so ab: «Das Gespräch wurde von Francesco Maisano persönlich geführt. Es war offenbar ein gutes Gespräch», so Ziltener gegenüber Radio SRF. «Am Schluss hat ihm die Patientin auf die Schulter geklopft und gesagt: ‹Ich vertraue Ihnen.›»

Danach gab es Komplikationen. Wenige Tage nach dem Herzklappeneingriff starb die Patientin. Maisano stellte den Angehörigen ein klärendes Gespräch in Aussicht. Dazu kam es nie.

Whistleblower André Plass, bis 2020 leitender Arzt an der Herzchirurgie, zeichnet ein ähnliches Bild: Charmant und zugewandt gab Maisano sich nur, wenn alles glatt lief.

Auf dem Papier klingt die Idee gut. Doch das Cardioband habe schon in den Tierversuchen nicht zuverlässig funktioniert, erklärt Irène Dietschi. Immer wieder reissen Schrauben und Drähte aus. Zu dem Zeitpunkt, als Maisano es am Unispital einsetzt, geschieht das nicht mit einer Zulassung, sondern im Rahmen einer Studie bei 60 Patientinnen und Patienten.

Irène Dietschi betont, in der Medizintechnik sei es nicht verkehrt, Innovationen in Startups voranzutreiben. Doch wenn ein Klinikdirektor als Studienleiter fungiere und gleichzeitig finanzielle Interessen habe, sei die Unabhängigkeit nicht mehr gewahrt. Maisanos Studie gibt am Ende ein verzerrtes Bild ab: «Diese Studie hat er insofern geschönt, als er die Todesfälle und andere Ausfälle einfach weggelassen hat.» Die Entwicklungsfirma wird 2017 für über 300 Millionen US-Dollar verkauft.

Zweifel werden laut

Schon 2018 gibt es erste Berichte, dass in der Herzklinik am Unispital nicht alles rund laufe. 2019 erstattet André Plass, leitender Arzt an der Herzklinik, Beschwerde bei der Spitalleitung. 2020 entlässt das Unispital seinen Klinikleiter Maisano – und den Whistleblower André Plass. Der Spitalrat verkündet einen «Neuanfang». Er hofft, dass mit einem sauberen Schnitt alles erledigt sei.

Warum Maisano nicht früher gestoppt wurde? Er habe alle geblendet, meint Irène Dietschi. Die Spitalleitung wollte einen Innovator – und hat an der Personalie deshalb festgehalten. Auch, als die Mortalitätsrate bereits gestiegen war.

SRF 4 News, 8.5.2026, 16:16 Uhr ; 

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