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Gesundheitsberufe Zweiter Schritt der Pflegeinitiative sorgt für Streit

Vier Jahre nach Annahme steht der zweite Teil der Umsetzung der Initiative an. Die nationalrätliche Sozial- und Gesundheitskommission will jetzt deutlich weniger weit gehen als der Bundesrat.

Ende 2021 wurde die Pflegeinitiative mit 61 Prozent Ja-Stimmen angenommen, was damals grossen Jubel auslöste. Vier Jahre später ist die Stimmung bei den Initiantinnen und Initianten jedoch getrübt.

Das ist ein Affront gegenüber der Bevölkerung und auch ein Affront gegenüber dem Pflegepersonal.
Autor: Yvonne Ribi Geschäftsführerin Schweizer Berufsverband der Pflegefachleute

Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachleute und Mit-Initiantin sagt: «Wir sind sehr enttäuscht. Die vorberatende Kommission will den Volkswillen nicht umsetzen. Das ist ein Affront gegenüber der Bevölkerung und auch ein Affront gegenüber dem Pflegepersonal. Klar ist, dass diese Massnahmen nicht ausreichen werden, den Mangel an Pflegefachpersonal zu entschärfen und sie auch im Beruf zu halten.»

Kommissionsrechte fürchtet Kostenexplosion

Der Hauptgrund für den Ärger ist die restriktive Haltung der nationalrätlichen Sozial- und Gesundheitskommission (SGK-N). Während der Bundesrat einen Spielraum für die Senkung der wöchentlichen Normalarbeitszeit auf bis zu 40 Stunden vorsah, will die Kommission eine Obergrenze von 42 Stunden beibehalten.

Vier maskierte Personen in einem Raum, eine hält den Arm siegreich hoch.
Legende: Brigitte Garessus, Sophie Ley, Yvonne Ribi und Pierre-André Wagner (v. l.) freuen sich am 28. November 2021 in Bern über die erste Hochrechnung zur angenommenen Pflegeinitiative. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Ähnlich verhält es sich mit der Höchstarbeitszeit: Der Bundesrat strebte eine Senkung auf 45 Stunden an, die Kommission möchte sie bei 50 Stunden belassen. Auch bei der Planbarkeit der Dienstpläne gehen die Vorstellungen auseinander: Der Bundesrat forderte eine Vorlaufzeit von vier Wochen, die Kommission sieht lediglich zwei Wochen vor.

Wer bezahlt's? Der Prämienzahler oder der Steuerzahler? Das wird immer die grosse Frage sein.
Autor: Vroni Thalmann Nationalrätin (SVP/LU)

Die Entscheidung ist das Ergebnis der Kommissionsmehrheit, insbesondere der rechten Parteien. Nationalrätin Vroni Thalmann (SVP/LU) begründet die Haltung mit der Sorge vor übermässiger Regulierung und Kostenexplosionen: «Für uns ist es sehr wichtig, dass es nicht überreguliert wird und dann die Kosten übertrieben hoch werden. Und wer bezahlt's? Der Prämienzahler oder der Steuerzahler? Das wird immer die grosse Frage sein.»

Minimale Verbesserungen und harsche Kritik von links

Trotz der ablehnenden Haltung in zentralen Punkten übernimmt die Kommission einige Verbesserungen. So soll ab der ersten Überstunde ein Zuschlag von 25 Prozent bezahlt werden, und die Sozialpartner sollen verpflichtet werden, über einen Gesamtarbeitsvertrag zu verhandeln.

Wichtige Hauptforderungen werden misachtet.
Autor: Barbara Gysi Nationalrätin (SP/SG)

Für die Linke sind diese Zugeständnisse jedoch unzureichend. Nationalrätin Barbara Gysi (SP/SG) kritisiert: «Die Verbesserungen sind wirklich minimal. Aber wichtige Hauptforderungen wie die Senkung der Höchstarbeitszeit oder auch ein besserer Personaleinsatz mit mehr Leuten pro Schicht im Einsatz, das wird missachtet. Und das waren wirklich wichtige Forderungen, die auch eine Entlastung der Pflege gebracht hätten.»

Krankenschwester spricht mit Patient im Krankenhauszimmer.
Legende: Die Befürworterinnen und Befürworter fordern vom Gesetzgeber, dass dieser den ursprünglichen Volkswillen zur Stärkung der Pflegeberufe besser umsetzt. KEYSTONE/Gaetan Bally

Als Reaktion auf die Kommissionsentscheide mobilisieren Gewerkschaften und Berufsverbände nun mit einem Online-Appell. Ihr Ziel ist es, Druck auf den Nationalrat auszuüben, damit dieser die Beschlüsse der Kommission korrigiert.

Tagesschau, 13.02.26, 19:30 Uhr ; 

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