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Glasfaser-Sabotage Rheinfelden Mehrtägiger Prozess geht weiter – fünf junge Männer vor Gericht

  • Ab dem 27. April stehen fünf junge Schweizer vor dem Bezirksgericht Rheinfelden.
  • Den drei Hauptbeschuldigten werden mehrere Dutzend Delikte vorgeworfen.
  • Unter anderem sollen sie in der Region Rheinfelden Glasfaserkabel mehrfach durchschnitten haben.
  • Am ersten Prozesstag hat das Gericht beschlossen, die Beweisanträge der Verteidigung abzulehnen und den Prozess nicht zu vertagen.

Der Gerichtsprozess dauert sieben bis acht Tage; das Urteil wird am 11. Juni erwartet. Über alle Delikte schreibt die Staatsanwaltschaft: «Nebst dem sehr hohen erbeuteten Deliktsbetrag wurde auch ein hoher Schaden verursacht.» Der Sachschaden liege bei rund 400'000 Franken.

Fehlende Chatverläufe: Prozess geht weiter

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Der Verteidiger von einem der Hauptangeklagten sprach zum Prozessauftakt vor Gericht über zwei Stunden lang. Er moniert unter anderem, dass 31 Seiten des Chatverlaufs fehlen würden – und dies, obwohl die Polizei die Mobiltelefone der fünf Angeklagten beschlagnahmt hatte. Er vermutet Fehler bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Der Vater eines Angeklagten sei Polizist, das werfe Fragen auf, meinte der Verteidiger vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft sprach von Stimmungsmache der Verteidigung. Es seien keine Beweise gelöscht worden. Alles sei korrekt erhoben worden.

Doch kein Vertagen

Das Gericht zog sich am Montag dann mehrere Stunden zurück, um zu beraten, wie es weitergehen soll. Es hat am Montagabend die Beweisanträge des Verteidigers abgelehnt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft fordert Freiheitsstrafen von zehn Jahren, acht Jahren und sechs Jahren für die drei Hauptbeschuldigten. Hinzu kämen Geldstrafen und Bussen. Zwei der drei Hauptbeschuldigten sitzen in Haft.

Rund 40 Delikte

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Den jungen Männern werden nebst der Glasfaser-Sabotage auch Cyberangriffe, gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl, mehrfache teils versuchte Brandstiftung, Störung des öffentlichen Verkehrs, mehrfache versuchte Erpressung, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfache Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, mehrfacher Hausfriedensbruch, mehrfache teilweise versuchte Nötigung, strafbare Vorbereitungshandlungen zu Raub und weitere Delikte vorgeworfen.

Mehrere Personen vor einem grossen, modernen Holztgebäude.
Legende: Weil das Interesse am Gerichtsprozess gross ist, wurde die Verhandlung ins Feuerwehrmagazin Rheinfelden verlegt. Hier wird diese Woche am Montag, Mittwoch und Donnerstag verhandelt. Ab 7. Mai folgen dann weitere Prozesstage. SRF/Christoph Studer

Die Bande kommunizierte gemäss Anklageschrift über einen Whatsapp-Chat mit dem Namen «Das Wolfsrudel». Der Gerichtsfall ist aufwendig und dauert mehrere Tage. Die Staatsanwaltschaft spricht vom «Cable-Cut-Prozess». Die Verhandlung am Bezirksgericht findet wegen des grossen Interesses im Feuerwehrmagazin in Rheinfelden statt.

Tausende ohne Internet oder Telefon

Als Ende 2023 in Rheinfelden Glasfaserkabel immer wieder durchtrennt wurden, waren Tausende Kundinnen und Kunden ohne Internet, Kabelfernsehen oder Telefonie.

Die Ermittlungen führten die Staatsanwaltschaft zu einer kriminellen Bande: Ein Minderjähriger und fünf junge Männer im Alter von 20 und 21 Jahren müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Rheinfelder Stadtschreiber über Verunsicherung in Bevölkerung

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Mann mit Brille in einer belebten Strasse.
Legende: Roger Erdin beim Interview in Rheinfelden AG. Er ist Stadtschreiber im Städtchen am Rhein. SRF

Der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin erinnert sich an die Zeit, als man in Rheinfelden nicht genau wusste, warum die Glasfaserkabel zerschnitten wurden und von wem. Er spricht von Ärgernis und Verunsicherung.

SRF: Wie war das damals, als die Glasfaserkabel durchschnitten wurden?

Roger Erdin: Damals war die Verunsicherung in der Bevölkerung gross. Bis zu 4000 Haushaltungen waren von den Ausfällen der Kommunikationsmittel betroffen. Das war ein Ärgernis und eine Verunsicherung.

Wie hat man das gemerkt?

Rund 4000 Haushaltungen ohne Festnetz, Internet und Fernsehen, und das damals in der Weihnachtszeit. Das hat die Bevölkerung verärgert. Man wusste, es war ein Sabotageakt, aber konnte es nicht verhindern.

Es klingt unheimlich.

Das war es in jenem Moment. Wir haben die Standorte kurzfristig mit Einrichtungen geschützt. Die Polizei bewachte die Glasfaserstandorte.

Wie lange dauerten die Reparaturarbeiten?

Die Arbeiten waren ausserordentlich aufwendig. Wir mussten Mitarbeiter von Spezialfirmen organisieren. Gewisse Angestellte mussten ihre Ferien abbrechen. Und das in der Weihnachtszeit.

Gab es kritische Situationen?

Es gab die Situation, in der unsere Regionalpolizei nicht auf die Server des Rathauses kam. Die Notrufnummer und Mobiltelefonnummern haben funktioniert, aber das Festnetz der Polizei nicht.

Das Gespräch führte Wilma Hahn.

(Anmerkung der Redaktion: Die Stadt Rheinfelden tritt als Privatklägerin vor Gericht auf).

Diese sollen in wechselnder Besetzung für verschiedene Delikte verantwortlich sein, unter anderem für die durchgeschnittenen Kabel.

Damals gab es Spekulationen über einen politischen oder extremistischen Hintergrund der Taten. Diese Spekulationen konnten die Ermittlungen nicht bestätigen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um eine Gruppendynamik handelte, die sich selbst verstärkt habe.

Versuch, Züge zu entgleisen?

Auch sollen die Männer mindestens zweimal sogenannte Hemmschuhe auf die Zuggeleise gelegt haben. Hemmschuhe sind aus Stahl und sollten eigentlich Eisenbahnwaggons an Ort und Stelle halten.

Grossaufnahme eines Eisenbahnrades auf den Schienen.
Legende: Hemmschuhe sind aus Stahl und dienen dazu, stehende Eisenbahnwaggons an Ort und Stelle zu halten, ähnlich wie ein Keil, den man bei Autos oder Lastwagen unter die Räder legt. imago images

Wenn solche auf dem Gleis liegen und ein Zug durchfährt, besteht das Risiko einer Entgleisung.

SBB, Coop und Holcim unter den Geschädigten

Prominente Geschädigte im Fall sind unter anderem die Stadt Rheinfelden, Sunrise, SBB, die Schweizer Armee, Coop, Holcim, Postfinance, die Aargauische Kantonalbank, die Landi, der Kanton Basel-Landschaft sowie das Berufsbildungszentrum Baselland.

Zeichnung einer Gerichtsverhandlung mit Anwälten und Zuschauern.
Legende: Vor Gericht stehen fünf junge Männer. Ein weiterer muss sich vor dem Jugendstrafgericht verantworten. SRF/Erika Bardakci-Egli

Im Strafverfahren sind eigentlich sechs Männer, aber ein Verfahren wird im Jugendstrafrecht durchgeführt. Dieses ist nicht öffentlich. Bis zu einem Gerichtsurteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Das Urteil wird am 11. Juni erwartet.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 27.4.2026, 6:31 Uhr ; 

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