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Individualbesteuerung Wer profitiert von der Einzelbesteuerung und wer verliert?

Eheleute, die in ähnlich hohen Pensen arbeiten und ähnlich viel verdienen, wären die Gewinner einer Individualbesteuerung auf Bundesebene. Die Privilegierung ist gewollt. Sie schafft allerdings neue Ungleichheiten.

Zwei Ehepaare mit ähnlich hohen Haushaltseinkommen - sie wären von der Einzelbesteuerung ganz unterschiedlich betroffen. Beide Paare haben mit dem Steuerrechner des Initiativkomitees ausprobiert, was der Systemwechsel für sie jeweils bedeuten würde. Unter dem Strich stünde eine Differenz von 3800 Franken.

Die Zweiverdienerfamilie profitiert

Anna und Daniel sind beide in ihren Vierzigern und haben zwei Kinder. Sie teilen sich Familienarbeit und Erwerbstätigkeit auf, beide arbeiten 70 Prozent und verdienen dabei ähnlich viel. Zusammen kommen sie auf ein Brutto-Haushaltseinkommen von 180'000 Franken pro Jahr. Die Individualbesteuerung auf Bundesebene brächte für sie 1300 Franken weniger Steuern.

Die Individualbesteuerung und die Kantone

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Abgestimmt wird über ein Gesetz auf Bundesebene. Wird es angenommen, müssen auch die Kantone und Gemeinden auf Einzelbesteuerung umstellen. Also dort, wo die meisten Leute einen Grossteil ihrer Steuern zahlen.

Die Kantone haben eigene Steuertarife und Abzüge. Viele haben zudem die Heiratsstrafe bereits abgeschafft oder abgemildert. Wie sich die Steuerreform im Einzelfall genau auswirken wird, lässt sich darum kaum sagen. Es hängt davon ab, wie die Kantone die Individualbesteuerung umsetzen werden.

Oder, wie es Daniel formuliert: «Das entspricht dem, was wir als Familie monatlich an Krankenkassenprämien zahlen. Das ändert unsere finanziellen Verhältnisse nicht fundamental – aber es ist ein schöner Betrag.»

Ganz anders die Auswirkungen für Markus und Brigitte.

Der Alleinverdiener zahlt drauf

Beide Eheleute sind Ende fünfzig, haben eine erwachsene Tochter und zwei Enkelkinder. Markus arbeitet Vollzeit und verdient dabei brutto 200'000 Franken.

Brigitte ist nicht erwerbstätig, sondern kümmert sich um Eltern und Enkel. Eine Individualbesteuerung auf Bundesebene würde für sie zusammen 2500 Franken mehr an Steuern bedeuten.

Was geht es den Staat an, wie wir uns als Paar organisieren.
Autor: Markus Vollzeiterwerbstätiger Verwaltungsangestellter

Zu viel, findet Markus: «Ich bin zwar für die Abschaffung der Heiratsstrafe», sagt er, «aber mit dieser Lösung kommen wir vom Regen in die Traufe: Was geht es den Staat an, wie wir uns als Paar organisieren?»

Privilegierung der Top-Verdiener

Die Beispiele zeigen die Auswirkungen eines allfälligen Systemwechsels exemplarisch. Vereinfacht gesagt gelten zwei Regeln.

Erstens: Je kleiner der Unterschied der Löhne der Ehepartner, umso stärker würden diese durch die Individualbesteuerung entlastet. Eheleute mit sehr ungleichen Einkommen würden dagegen schlechtergestellt.

Zweitens: Je höher die Einkommen sind, umso stärker auch die Effekte. Denn wer wenig Einkommen hat, zahlt auch wenig Steuern. Handkehrum würden zwei Doppelverdiener mit jeweils sehr hohen Einkommen stark profitieren. Schlicht, weil sie heute durch die Progression am stärksten belastet sind. So resultierte für ein Paar mit jeweils 200'000 Franken Bruttoeinkommen eine Steuerersparnis von etwa 9000 Franken.

Überfällig oder überflüssig?

So unterschiedlich wie die Auswirkungen der Individualbesteuerung für Anna und Daniel sowie für Markus und Brigitte wären, so unterschiedlich schauen die beiden Paare auf die Vorlage.

Anna und Daniel schätzen es, dass sie mehr Geld in der Haushaltskasse hätten – aber entscheidend sei das nicht.

Es nervt mich, dass die Steuererklärung automatisch an Daniel geht.
Autor: Anna Teilzeiterwerbstätige Biologin

Sie finden die jetzige Ehepaarbesteuerung schlicht nicht zeitgemäss. Anna etwa ärgert sich darüber, dass die Steuerunterlagen automatisch an Daniel adressiert seien. Auch wenn sie es ganz bequem finde, dass ihr Mann sich um die Steuern kümmere.

Was mit der Individualbesteuerung bei den Tarifen ändern würde

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Hand hält Steuerrechnung für die direkte Bundessteuer 2024.
Legende: Soll künftig jede Person – auch Eheleute einzeln – eine eigene Steuererklärung ausfüllen müssen? Keystone / Geatan Bally

Die neue Steuerstruktur läge zwischen den heutigen Verheirateten-Tarifen und jenen für Alleinstehende. Die Progression wäre stetiger, mit weniger Sprüngen.

Für Verheiratete würde die Steuer im Vergleich zum jetzigen System früher einsetzen, für Alleinstehende später. Die steilste Stelle der Progression (maximale Grenzsteuerbelastung) wäre etwas steiler als heute und würde früher (ab rund 200'000 CHF steuerbarem Einkommen) greifen. Danach würde der Anstieg wieder flacher.

Markus und Brigitte hingegen sehen nicht ein, warum der Staat ihre interne Arbeitsaufteilung via Steuern beeinflussen sollte – das sei Privatsache. Die Einführung der Individualbesteuerung auf Bundesebene würde daran nichts ändern. Oder wie Markus es formuliert: «Die Ungleichbehandlung bliebe bestehen, einfach mit umgekehrten Vorzeichen. Das kann's ja nicht sein.»

Abstimmungsdossier

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Legende: SRF

News und Hintergründe zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 8. März 2026.

Echo der Zeit, 4.2.2026

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