Darum gehts: Auf die Wintersaison 2025/26 hin hat das Schwyzer Skigebiet Hoch-Ybrig die neue Seilbahn Weglosen–Seebli in Betrieb genommen. 18 Kabinen bringen pro Stunde bis zu 1400 Personen den Berg hoch. Für die Entwicklung verantwortlich ist Garaventa, ein Schweizer Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden.
Das ist die Weltneuheit: Im Hoch-Ybrig setzen die Verantwortlichen erstmals auf das Seilbahnsystem «Tri-Line». Dabei sind drei Seile im Einsatz: zwei Tragseile, auf denen die Seilbahn rollt, und ein drittes Seil, das die Bahn zieht. «Dadurch lassen sich sehr grosse Strecken überwinden», sagt Arno Inauen, Geschäftsführer von Garaventa in Goldau. Das neue Bahnsystem sei kompakter und brauche daher nicht riesige Berg- und Talstationen. «Man kann günstiger und einfacher bauen.»
Darum ist diese Technik der Gondelbahn voraus: Das neue Bahnsystem hat eine Pendelbahn aus dem Jahr 1970 ersetzt. Hätte man an deren Stelle eine klassische Gondelbahn erstellt, wären 13 Masten nötig gewesen. Dank des Dreiseil-Systems kommt die rund 1.7 Kilometer lange Strecke nun mit lediglich zwei Stützen aus.
Diese Rekorde hält Garaventa: Seiner Innovationskraft verdankt das Seilbahn-Unternehmen einige Bestmarken. Zwei Beispiele: Im Dezember 2024 ist im Skigebiet Schilthorn die steilste Pendelbahn der Welt eröffnet worden. Und schon seit Dezember 2017 fährt mit der Stoosbahn die steilste Standseilbahn der Welt von Schwyz mitten ins Bergdorf Stoos.
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Bild 1 von 3. Auf der Fahrt von Stechelberg nach Mürren überwindet die Pendelbahn im Schilthorn-Gebiet eine Steigung von 159.4 Prozent. Bildquelle: Garaventa/Stefan Kürzi.
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Bild 2 von 3. Die Stoosbahn passiert zwei Brücken, fährt durch drei Tunnel und überwindet an der steilsten Stelle eine Steigung von 110 Prozent. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 3 von 3. «Wir suchen diese Rekorde nicht», sagt CEO Arno Inauen. «Für uns ist jede Anlage genau gleich wichtig.». Bildquelle: Garaventa/Stefan Kürzi.
Weltweit hält Garaventa rund 30 Rekorde. «Wir suchen diese Rekorde nicht», sagt CEO Arno Inauen. Diese ergäben sich aufgrund der Topografie oder der Anforderungen der Kundschaft. «Für uns ist jede Anlage genau gleich wichtig. Egal, ob es ein kleiner Skilift ist, eine Bahn auf die Zugspitze oder die steilste Seilbahn der Welt.»
Das könnte der nächste Coup sein: In der Stadt Luzern könnte Garaventa den längsten Seilbahntunnel der Welt realisieren. Dieser gehört zum Projekt «City Link». Die urbane Gondelbahn soll unter anderem Reisende vom Stadtrand ins Zentrum bringen.
Beim Autobahnanschluss Emmen Süd ist ein Parkhaus für Autos und Cars geplant. Von dort aus fährt eine Seilbahn in die Altstadt, rund einen Kilometer davon unterirdisch in einem Tunnel. Die Planungs- und Baukosten werden auf 150 bis 190 Millionen Franken geschätzt und sollen privat finanziert werden. Noch liegt erst eine Machbarkeitsstudie vor. Im Herbst 2026 soll das Stimmvolk Stellung nehmen.
Wo urbane Seilbahnen heute schon Trumpf sind: In der bolivianischen Hauptstadt La Paz hat Garaventa ein urbanes Seilbahnnetz realisiert. Die insgesamt zehn Linien transportieren täglich rund 300'000 Menschen. «Was die Seilbahn im urbanen Verkehr betrifft, hat Südamerika eine Vorreiterrolle eingenommen», sagt CEO Arno Inauen.
Momentan baut Garaventa weitere Anlagen in Mexiko, Guatemala, Chile und Peru. «In der Schweiz sind Seilbahnen im urbanen Umfeld aufgrund der Einsprachemöglichkeiten wesentlich anspruchsvoller zu realisieren.»