Karl Moser wartet auf sein Geld. Den Antrag hat er bereits am 20. Dezember vollständig eingereicht. Normalerweise erhält er seine Arbeitslosenentschädigung zwei Arbeitstage später. Jetzt ist der 6. Februar und er wartet noch immer. «Ich habe das Geld noch immer nicht erhalten. Ich habe keine Informationen, keine E-Mail, nur was ich übers Fernsehen erfahre.»
Bei seiner Arbeitslosenkasse ist niemand erreichbar. Ab Band heisst es lediglich, das Team konzentriere sich momentan voll und ganz auf die Bearbeitung der Dossiers. Aus diesem Grund sei die Telefonleitung zurzeit überlastet. In dringenden Fällen wird geraten, bei den öffentlichen Schaltern vorbeizukommen. Sein RAV-Berater habe ihm gesagt, dass die Gelder ausbezahlt würden, so Moser.
Ausgleichskassen weiterhin überlastet
An einer gemeinsamen Medienkonferenz von Seco, Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und Kassen bestätigen letztere: Die Ausgleichskassen seien wegen der IT-Pannen überlastet und darum weniger gut erreichbar. Erste Priorität hätten die Auszahlungen.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco arbeitet seit 2016 an einem neuen IT-System für die Auszahlung der Arbeitslosengelder. Es heisst Asal 2.0. (Französisch: Sipac). Anfang Jahr wurden die Daten der Versicherten in dieses neue System übertragen.
Seco: Performance nach wie vor mit Problemen
Dazu sagt Jérôme Cosandey, der die Direktion für Arbeit des Seco leitet und damit auch das IT-Projekt verantwortet: «Wir hatten schwerwiegende Störungen anfangs Januar, die zum Teil das System blockiert haben.
Die Versicherten konnten beispielsweise ihre Dokumente nicht über Job-Room.ch einreichen oder die Kassen konnte nicht arbeiten.» Diese schwerwiegenden Störungen seien behoben oder mindestens stabilisiert. Aber es gebe nach wie vor ein Perfomance-Problem und das System laufe nicht so schnell wie gewünscht. Das führe zum Teil zu Verzögerungen bei der Fallbearbeitung bei den Arbeitslosenkassen.
In der Regel sind wir jetzt bei den bisherigen Versicherten wieder sehr schnell. Wir reden von wenigen Tagen, etwa drei Tagen, bis ausbezahlt wird.
Cosandey räumt ein, dass das Seco die Risiken zum Teil falsch eingeschätzt und gewisse nicht gesehen habe. Dies habe eine Kettenreaktion ausgelöst. Aber zu Verzögerungen komme es jetzt fast nur noch bei jenen Arbeitslosen, die sich neu registrierten: «In der Regel sind wir jetzt bei den bisherigen Versicherten wieder sehr schnell. Wir reden von wenigen Tagen, etwa drei Tagen, bis ausbezahlt wird.»
Auch die Mitarbeitenden der Kassen hätten sehr viel gearbeitet, mit Überstunden am Abend und am Wochenende, betont Cosandey. Arbeitslose, die schon seit ein paar Monaten Arbeitslosengelder beziehen, sollten also eigentlich diese Woche ihr Geld erhalten haben.
Dass die Pannen zu zusätzlicher Verunsicherung führen, belastet uns und wir bedauern das sehr.
Ist Karl Moser also ein Einzelfall? Arbeitslos zu sein sei eine sehr schwierige Situation ganz allgemein, sagt dazu der Seco-Direktor. «Dass die Pannen zu zusätzlicher Verunsicherung führen, belastet uns und wir bedauern das sehr.» Die Personen mit Engpässen seien zum Glück oft im Kontakt mit ihren Kassen, wo es die Möglichkeit gebe, etwa mit Vorschüssen Hilfe zu leisten.
Moser hat noch Erspartes und darum noch etwas Zeit zum Warten. Aber er regt sich vor allem über die fehlende Kommunikation auf. Mit einer Mail hätte er sich zumindest darauf einstellen können, findet er. Jetzt stehe er aber einfach in der Luft. Wie lange es noch geht, bis alle Gelder ausbezahlt werden, kann das Seco heute noch nicht sagen.