Alexander Ott kennt sie: Die Menschen, welche Menschenhandel betreiben; Täterinnen und Täter, welche andere Menschen ausnützen und diese zwingen, Unwürdiges zu leisten. Auffallend: Die Diskussion über Ethik kommt dabei nicht zu kurz.
Es mag erstaunen, aber Alexander Ott, der in Bern Menschenhandel bekämpft und einst in Luzern Philosophie studierte, spricht mit den Täterinnen und Tätern immer wieder über philosophische Themen. Er habe oftmals erlebt, dass auch bei Verbrechern eine Einsicht vorhanden ist. Sie würden das nur nicht zugeben. «Weil oftmals sind sie selber in einer Spirale, der sie gar nicht entkommen können.»
Alexander Ott, langjähriger Co-Leiter des Polizeiinspektorats und Chef der Fremdenpolizei der Stadt Bern, hat sein Berufsleben diesem Kampf gewidmet. Nach über 36 Jahren im Dienst, in denen er als «Jäger der Menschenhändler» galt, tritt er nun in den Ruhestand.
Ott betont, dass Menschenhandel oft nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. «Die Menschen befinden sich nicht in Ketten.» Dennoch sei das Leid oftmals gross. Die Täterinnen und Täter lockten Menschen aus ärmlichen Verhältnissen mit falschen Versprechungen in die Schweiz, wo sie dann unter Druck gesetzt und ausgebeutet werden.
Vom Coop-Filialleiter zum Migrationsexperten
Otts Weg in die Verbrechensbekämpfung war nicht vorgezeichnet. Ursprünglich Filialleiter bei Coop, fand er seine Berufung bei der Grenzwache. Da habe es ihn gepackt – das Thema Migration fasziniere ihn. Für ihn ist Migration ein zentrales Thema unserer Zeit: «Migration gehört zum Alltag, viele Menschen migrieren.» Migration sei normal geworden, unter anderem wegen Krieg und Klimawandel.
Migration ist etwas, was zu uns gehört.
Ott interessiert sich für die Gründe, warum Menschen migrieren, sei es wegen der Arbeit, der Familie oder der Suche nach einer besseren Zukunft. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn treibt ihn an: «Weil ich es von jeher schlimm finde, wenn Leute ungerecht behandelt werden.»
Der Kampf gegen die Ausbeutung: Eine Frage der Würde
Die Arbeit von Ott ist nicht einfach: Wie geht der Jäger bei der Jagd nach Menschenhändler vor? Ott meint, es sei akribische Recherche und Beschattung von Verdächtigen nötig. So könne er und sein Team die «Puzzleteile» zusammensetzen, um mutmassliche Täterinnen und Täter zu überführen.
Was er antrifft, sei immer wieder erschreckend. Besonders schwer zu ertragen sind für ihn Fälle, in denen Kinder involviert sind. «Kinder haben ihr ganzes Leben vor sich. Man nimmt ihnen jegliche Perspektive weg und man nötigt sie und missbraucht sie für die Gier von anderen Personen. Und das ist aus meiner Sicht ist es absolut verwerflich.»
Der Preis seines Engagements
Sein unermüdlicher Einsatz hat Alexander Ott auch Feinde eingebracht. Drohungen gegen ihn und seine Mitarbeiter sind keine Seltenheit.
Drohungen haben zugenommen.
Er berichtet von Kerzen für seine «Abdankung» im Büro, einem eingeschlagenen Bürofenster und telefonischen Drohungen zu Hause.
Vor einigen Jahren geriet Ott in die Kritik, als er im Namen der Stadt Bern vor Bettelbanden warnte und dazu aufrief, Menschen aus Osteuropa kein Geld zu geben. Er fühlte sich missverstanden: «Es hat mich auch ein wenig wehgetan, weil man zuerst kritisiert hat, bevor mit uns zu sprechen.»
Ein Abschied, der keiner ist
Obwohl Alexander Ott nun pensioniert wird, bleibt er dem Thema treu. Als Berater und Vermittler will er sich weiterhin für die Bekämpfung des Menschenhandels einsetzen.