Der am Donnerstag publizierte Bericht ist der erste Jahresbericht unter der neuen Direktorin, Eva Wildi-Cortés. Er enthält nebst Fallbeispielen aus dem Jahr 2025 auch einige statistische Angaben. Dabei fällt auf: 2025 hat sich die Anzahl Einreiseverbote fast vervierfacht.
Der starke Anstieg betraf vor allem den Bereich Terrorismus. «Insbesondere gerichtlich verwertbare Informationen von ausländischen Partnern trugen dazu bei, dass in über 500 Fällen Einreiseverbote ausgesprochen wurden», schreibt das Fedpol.
Zum Beispiel stellte Europol seinen Mitgliedstaaten einen Datensatz zu Angehörigen des IS zur Verfügung, die sich im Ausland aufhalten. Wieso das Fedpol derartige Hinweise auf mutmassliche Terroristen, die einreisen wollten, im Jahr 2025 erhalten hat, lässt der Bericht 2025 offen. Die Ausweisungen aus der Schweiz 2025 halten sich im Rahmen der letzten Jahre, 2025 waren es fünf. Sie konnten alle vollzogen werden.
Der Eisberg organisierte Krimininalität
Einen Fokus will das Fedpol auf die Bekämpfung der organisierten Kriminalität (OK) legen. Wildi-Cortés vergleicht in ihrem ersten Editorial die OK mit einem Eisberg, von dem nur die Spitze aus dem Wasser ragt. Wildi-Cortés schreibt zu den Zielsetzungen des Fedpol: «Wir wollen nicht nur an der Spitze des Eisbergs pickeln. Wir wollen das Wasser erhitzen, damit der gesamte Eisberg schmilzt.»
Dazu verfolge das Fedpol einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz und wolle ein Umfeld schaffen, in dem sich kriminelle Netzwerke nicht entfalten könnten. Die Erarbeitung eines Nationalen Aktionsplanes (NAP) gehört ebenfalls zu dieser Strategie. 2026 werden bereits Massnahmen umgesetzt, die keine rechtlichen Anpassungen benötigen, hier drei Beispiele:
- Lagebild: Die Behörden brauchen möglichst konkrete Beschreibungen über die OK-Gruppierungen, deren Aktivitäten und nationale und internationale Vernetzung. Auch müssen neu aufkommende Phänomene – wie die Rekrutierung Krimineller über soziale Netzwerke – noch rascher erkannt werden. Dafür braucht es eine zentrale Übersicht. Um diese zu erhalten, verstärken die Behörden von Bund und Kantonen die Zusammenarbeit mit Hochschulen aus der ganzen Schweiz. Dies dient der Prioritätensetzung und kann zu Ermittlungsansätzen führen, weil beispielsweise Tatmuster schneller erkannt werden.
- Sensibilisierung und Schulung: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen der Erkennung, Verhinderung und Bekämpfung der OK den nötigen Stellenwert beimessen. Dies erfordert Kenntnisse über die Präsenz und Gefahren der OK sowie der Merkmale, die auf OK schliessen lassen. Dafür sollen die Verwaltungseinheiten auf allen Staatsebenen sensibilisiert werden. Besondere Verantwortung tragen Sektoren wie das Finanzwesen, der Immobiliensektor oder das Glücksspielgewerbe. Zum Beispiel erhalten die Behörden eine Auflistung von Indizien, die auf OK schliessen lassen. So können sie sie eher erkennen.
- Meldefluss: Eine vom Fedpol durchgeführte Bestandsaufnahme hat gezeigt, dass Mitarbeitenden von Betreibungs- und Konkursämtern oft Konkursreiter auffallen, oder dass Mitarbeitende beim Handelsregister oft erkennen, wenn ein möglicher Strohmann eine Firma gründet, aber dass sie häufig nicht wissen, wo sie ihren Verdacht melden können. Eine wichtige Massnahme ist deshalb, dass allen klar ist, was, wo, in welcher Form gemeldet werden kann.