Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Landwirtschaft mit Imagepflege Wie Agrarscouts die Werbetrommel für die Bauern rühren

Was leistet die Landwirtschaft? Diese und andere Fragen beantworten sogenannte Agrarscouts als Botschafter an Messen oder landwirtschaftlichen Events. Sie machen Hofführungen, beantworten Konsumentenfragen und sollen so das Image der Landwirtschaft pflegen. Verständnis und Vertrauen sollen gestärkt werden. Der Verein Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID bildet Interessierte aus. Einer, der schon länger für die Anliegen weibelt, ist Landwirt Christian Bühler aus Tschappina GR.

Christian Bühler

Agrarscout

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Christian Bühler ist Landwirt aus Tschappina im Kanton Graubünden und Agrarscout.

SRF News: Wir sind auf Ihrem Hof, die Sonne scheint. Zeigen Sie als Agrarscout nur die Sonnenseite der Bauern?

Christian Bühler: Mir ist es wichtig, ein authentisches Bild der Landwirtschaft zu zeigen. Sie hat viele Sonnenseiten. Ich zeige gerne, dass wir einen sehr schönen Beruf haben. Interessant wird es, wenn es um die Schattenseiten geht, wenn Fragen zu heikleren Themen auftauchen.

Wir sind dafür da, das gegenseitige Verständnis zu stärken.

Was sagen Sie, wenn es um die Schattenseiten geht? Gibt es Vorurteile?

Ich höre sehr oft: «Mein Vater, mein Grossvater war auch Bauer.» Dann frage ich manchmal zurück: «Wenn Ihre Eltern Coiffeur oder Schreiner sind, können Sie dann Haare schneiden oder zimmern?» Abstammung bedeutet nicht Verständnis. Darum sind wir da, um ein reales Bild unseres heutigen Berufs zu zeigen.

Ist heute weniger Wissen vorhanden als früher?

Ich denke, wegen des Bevölkerungswachstums geht Wissen verloren. Viele haben alleine durch ihre Wohnsituation kaum mehr Zugang zur Landwirtschaft. So entfernt sich die Bevölkerung von der Landwirtschaft. Dafür sind wir Agrarscouts da, um Brücken herzustellen und das gegenseitige Verständnis zu stärken.

Nahaufnahme einer neugierigen Kuh mit gelben Ohrmarken.
Legende: Die Schweizer Landwirtschaft ist stark auf Milch- und Fleischwirtschaft ausgerichtet. Laut Bund gibt es fast 50'000 Betriebe. SRF/Valentina De Vos

Der Landwirtschaft haftet oft das Ballenberg-Bild an. Auf Ihrem Hof sehen wir viele Solaranlagen. Ein Landwirt muss mit der Zeit gehen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht unter. Es gibt ein Sprichwort: Traditionen erhalten bedeutet, Holz ins Feuer zu werfen, nicht Asche anzubeten. Dass die Landwirtschaft als Ballenberg in den Köpfen ist, dazu trägt auch die Kommunikation der Branche selbst bei. Man romantisiert gewisse Umstände. Aber es ist nicht alles so romantisch. Ich bin der Meinung: Wir dürfen zeigen, was wir haben, weil wir stolz darauf sein dürfen. «Ballenberg» ist noch lange nicht gleichbedeutend mit Tierwohl.

Wenn wir uns umschauen – verschneite Berge, idyllische Landschaften –, ist es schwierig, die Landwirtschaft nicht zu romantisieren.

Bei der Arbeit schaut man auf die Arbeit. Es ist in meinen Augen aber auch wichtig, den Blick dafür nicht zu verlieren. Ich denke, wir sind hier sehr privilegiert im Vergleich zu anderen Berufsgruppen.

Person steht vor Alpenlandschaft mit schneebedeckten Bergen und Häusern.
Legende: Die Idylle trügt: «Es ist nicht immer alles so romantisch», sagt Landwirt Christian Bühler aus Tschappina. SRF/Valentina De Vos

Als Agrarscout behandeln Sie auch umstrittene Themen.

Es kommt immer darauf an, was politisch gerade los ist. Gibt es aktuelle Initiativen? Darauf ist man vorbereitet. Mir persönlich ist es wichtig, dass Agrarscouts zwar für die Branche sprechen, aber politisch neutral bleiben. Ich mache keine Werbung für oder gegen eine Initiative. Das oberste Gut ist die Glaubwürdigkeit. Die Konsumenten sollen spüren, dass es um Authentizität geht, nicht um politisch motivierte Arbeit.

Wie ist die Rolle der Frau auf den heute modernen Bauernbetrieben?

Es ist wie im Rest der Gesellschaft: Die Rollenbilder verschmelzen zunehmend. Das ist gut. Ich glaube, man kann heute nicht mehr von klassischen Männer- und Frauenrollen auf dem Hof reden. Alle haben ihre Stärken und Schwächen. So kann man sich gegenseitig helfen. Das ist eine Bereicherung für unseren Beruf. Die Frau hatte in der Landwirtschaft schon immer eine sehr tragende Rolle.

Das Gespräch führte Valentina De Vos.

Diskutieren Sie mit:

Regionaljournal Graubünden, 08.04.2026, 17:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel