1957 wurde die Metzgerei Brand in Pratteln BL eröffnet – ein unscheinbarer Laden in der Nähe des Bahnhofs, eine Metzgerei, wie es zahlreiche andere gibt im ganzen Land. Doch unterdessen ist die Metzgerei Brand über die Kantons- und wohl auch Landesgrenzen hinaus bekannt: dank ihrer Videos auf Tiktok, Facebook und Instagram.
Im letzten Herbst stellten die Betreiber erste Videos online und diese kamen nach kurzer Zeit gut an. Die Clips wurden bisweilen bis zu 100'000 Mal angeklickt und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der immer mehr Leute bewusst auf den Fleischkonsum verzichten.
Die kurzen Videos stehen meistens unter dem gleichen Motto. Immer wieder taucht der Slogan auf, der bewusst an Donald Trumps berühmten Wahlkampfspruch erinnert: «Make Fleischkäs great again.»
Einstehen fürs Handwerk
Mit politischer Sympathie habe das aber nichts zu tun, betont Metzger Kevin Lützelschwab: «Auf gar keinen Fall. Aber wir haben uns überlegt: Man hört eigentlich nur noch schlechte Nachrichten. Darum wollten wir das Ganze ins Positive kehren, so dass die Leute in den sozialen Medien auch mal lachen können.»
In den kurzen Clips zeigen Lützelschwab und sein Team, wie ihre Produkte entstehen, besonders ihre Spezialität: der Fleischkäse. Die Videos arbeiten mit viel Ironie und spontanen Sprüchen. In einem Clip heisst es etwa: «Suchst du etwas, das schärfer ist als deine Exfreundin? Dann probiere unseren Chili-Fleischkäse!»
Neben «Make Fleischkäs great again» taucht regelmässig ein weiterer Slogan auf: «Fleischkäs for Future», angelehnt an die Klimabewegung rund um Greta Thunberg, die unter dem Motto «Fridays for Future» standen.
Damit wolle man bewusst auch jüngere Menschen ansprechen, sagt Lützelschwab. «Wenn man fürs Klima auf die Strasse gehen kann, kann man sich auch mal herausnehmen, fürs Handwerk einzustehen – als Junger.»
«Nicht perfektioniert, sondern echt»
Genau diese Ungezwungenheit sei Teil des Erfolgs, sagt Darius Zumstein, Professor für digitales Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Die Videos wirkten bewusst unpoliert: «Es ist nicht gefaked, nicht getunt, nicht perfekt. Es ist bodenständig und ehrlich. Wenn man dokumentiert, wie man arbeitet – so wie es ist –, funktioniert das sehr gut.»
Auch klassische Betriebe können mit relativ wenig Aufwand viele Leute erreichen.
Gerade traditionelle Betriebe hätten dank Social Media neue Möglichkeiten, so Zumstein. Das Schöne an diesem Beispiel sei, dass nicht nur hippe Onlineshops profitieren. «Auch klassische Betriebe – Handwerker, Bauern, Gewerblerinnen – können mit relativ wenig Aufwand viele Leute erreichen.»
Kundschaft von weither – und überraschende Umsätze
Geführt wird die Metzgerei seit zweieinhalb Jahren von Hannah Berger und ihrem Partner Kevin Lützelschwab. Wie stark ihre Videos einschlagen, habe sie völlig überrascht: «Die Wirkung zeigt sich direkt im Laden und im Onlineshop. Die Nachfrage wächst rasant», so Berger.
Besonders freue sie, dass viele junge Kundinnen und Kunden in die Metzgerei kämen. In den ersten Monaten mit den Videos habe man den Umsatz gegenüber dem letzten Jahr verdoppeln können.
Viel Arbeit – aber viel Motivation
Der Erfolg habe auch eine Kehrseite: Freie Tage seien selten geworden. Trotzdem wollen sie weiter Videos produzieren – zweieinhalb bis drei pro Woche, natürlich immer unter dem Motto, das ihre Erfolgsgeschichte ausgelöst hat: «Make Fleischkäs great again.»