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Mehr AKW für den Aargau? Kehrtwende: Aargauer Regierung will neue AKW zulassen

Das Aargauer Parlament hat entschieden, dass neue AKW gebaut werden dürfen. Es hat auch die Regierung «überzeugt». Eine Übersicht.

Aargau will neue AKW künftig zulassen: Der Kanton hat seine Energiestrategie überarbeitet. Das Parlament ebnete nun den Weg für neue Atomkraftwerke. Dies nur zwei Wochen, nachdem der Ständerat für den Bau neuer Kernkraftwerke grünes Licht gegeben hat. Im Aargau stehen bereits drei der vier aktiven Kernkraftwerke: Beznau 1 und 2 sowie das KKW Leibstadt.

Doch mehr Atomstrom: Das Aargauer Parlament diskutierte engagiert über die neue Energiestrategie. Die Regierung sah ursprünglich vor, dass die erneuerbare Stromproduktion mit Wind, Wasser und Photovoltaik im Aargau stark ausgebaut wird. Die zuständige Kommission des Parlaments aber verlangte, dass der Aargau weiterhin mehr Strom produziert, als er selber braucht. Der Aargau solle Strom für die ganze Schweiz herstellen, mit «CO₂-armer Produktion». Die bürgerliche Mehrheit des Grossen Rates schrieb das Ziel der «technologieoffenen Produktion» ins Papier. Dies bedeutet auch den Neubau eines Atomkraftwerks.

Kernkraftwerk hinter einem See mit Bäumen im Vordergrund.
Legende: Das AKW Beznau ist ein Stromlieferant für die ganze Schweiz. So wie das KKW Leibstadt, das ebenfalls im Aargau steht. Keystone/Gaetan Bally

Kniff ebnet den Weg für AKW: Im ursprünglichen Ziel der Energiestrategie sprach die Regierung davon, dass sie die «erneuerbaren Energien» bis 2036 von 3.7 auf mindestens 6 Terawattstunden steigern wolle. Aktuell produziert der Aargau rund 15 Terawattstunden Strom, vor allem Atomstrom. Nun schwenkte die Regierung auf Druck des Grossen Rates um. Neu besteht das Ziel darin, bis 2035 pro Jahr gut doppelt so viel Strom aus «CO₂-armen» Quellen zu produzieren. Das deutet auf den Bau eines neuen Kernkraftwerks hin. Beznau 1 und 2 werden zirka 2032 abgeschaltet.

Menschen in Schutzkleidung arbeiten in einer industriellen Anlage.
Legende: Das AKW Beznau 1 während einer Revision. Der Bau eines neuen Kernkraftwerks würde rund 15 Jahre dauern, schätzen Stromfirmen und die Energiekommission der Akademie der Wissenschaften. Keystone/Christian Beutler

Hitzige Diskussionen im Parlament: «Wir brauchen Kernenergie. Natürlich entscheidet das Volk noch, aber der Aargau ist parat», meinte Pascal Furrer (SVP). «Eine Energiezukunft alleine mit Photovoltaik und Wind lässt sich nicht sichern», meinten die einen. «Wer glaubt, dass wir einen AKW-Express zünden können, betreibt Realitätsverweigerung», sagten andere. «Die Technologien werden in Bundesbern entschieden. Es kann in Richtung neue Kernenergie gehen, es kann auch übergangsweise in Richtung Gas gehen», meinte der Aargauer Energiedirektor Stephan Attiger (FDP) im Rat.

Links-Grün hat selten Chancen: Im Aargauer Parlament haben SVP/EDU und FDP die absolute Mehrheit. Das heisst, wenn sie geschlossen abstimmen, hat die Gegenseite keine Chance, eigene Anliegen durchzubringen. Der Grosse Rat beschloss das Ziel der CO₂-armen Stromproduktion mit 89 zu 44 Stimmen. Die bürgerliche Mehrheit von SVP, FDP und Mitte war dafür, Links-Grün dagegen.

Immer mehr Strom nötig

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Im Aargau muss die Energiestrategie gemäss Gesetz alle zehn Jahre überarbeitet werden. Die aktuelle ist aus dem Jahr 2015. Die Strategie gibt Ziele und Massnahmen der Energiepolitik vor. Fossile Energieträger würden zwar an Bedeutung verlieren, glaubt die Regierung, aber nur langsam. Zugleich braucht es immer mehr Strom, für Verkehr, Wärmepumpen oder Datacenter. Die neue Energiestrategie umfasst gut 30 Massnahmen und fünf Ziele (Energieversorgungssicherheit, Ausbau erneuerbare Stromproduktion, Energieeffizienz steigern, Kanton als Vorbild, Treibhausgase reduzieren).

Bis neue KKW stehen würden, dauert es: Aktuell ist es in der Schweiz verboten, neue Kernkraftwerke zu bauen. Die «Blackout-Initiative» und ein Gegenvorschlag des Bundesrates möchten allerdings dieses Neubauverbot aufheben. Die Schweizer Stromproduzentin Axpo mit Sitz im Aargau geht davon aus, dass vor 2050 kein neues KKW stehen würde. Die Baukosten schätzt die Axpo auf 7 bis 10 Milliarden Franken. Wer ein neues AKW finanzieren würde, ist offen. Ein Bericht der Energiekommission der Akademie der Wissenschaften kam 2025 zum Schluss, dass es wohl ohne Gelder der öffentlichen Hand nicht ginge.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 24.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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