Noch einmal fällt Schnee in Crans-Montana. Noch einmal dröhnen die Schneefräsen. Kurz vor Saisonende wirkt der Wintersportort wie immer. Doch der Eindruck täuscht.
Vor drei Monaten starben bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» 41 Menschen. Mehr als 100 weitere wurden verletzt. Die Tragödie hat Crans-Montana verändert.
Stillstand ab dem 1. Januar
Bei der Bar selbst erinnert nur noch wenig an die Silvesternacht. Die Fenster sind mit Sperrholz verschalt.
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Bild 1 von 3. Die Polizei hat die Bar «Le Constellation» versiegelt. Bildquelle: SRF/Roman Fillinger.
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Bild 2 von 3. In der Silvesternacht sind dort 41 Menschen gestorben. Bildquelle: SRF/Roman Fillinger.
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Bild 3 von 3. Zahllose Briefe an die Opfer werden noch immer am Gedenkort deponiert. Bildquelle: SRF/Roman Fillinger.
Patrick Saegesser sieht die abgebrannte Bar jeden Tag. Sein Uhrengeschäft liegt direkt gegenüber. Der Unternehmer sagt, die Wochen nach dem Brand seien schwierig gewesen. Emotional – aber auch wirtschaftlich.
«Bis am 31. Dezember hatte ich eine gute Saison. Ab dem 1. Januar herrschte Stillstand», sagt er.
Bis heute schauten die Gäste nicht mehr in seine Schaufenster. «Alle Blicke gehen auf die andere Strassenseite, zur abgebrannten Bar.»
Etwas weiter oben im Ort, im Luxushotel Six Senses, scheinen die Sorgen der Aussenwelt weit weg.
Wir haben versucht, die bedrückte Stimmung im Dorf etwas zu kaschieren.
Jean-Yves Blatt, Leiter des Luxushotels, beschreibt die Saison als einen Spagat zwischen Anteilnahme und dem Versuch, den zahlungskräftigen Gästen Urlaubsstimmung zu bieten. «Wir haben versucht, die bedrückte Stimmung im Dorf etwas zu kaschieren.»
Annulationen wegen der Brandkatastrophe habe es zwar gegeben, doch für das Hotel sei der Krieg gegen den Iran wirtschaftlich derzeit das grössere Problem, so Blatt.
Wie gross ist der Imageschaden?
Spürbar waren die Auswirkungen der Brandkatastrophe für Milan Kalajdzic. Seine Familie betreibt vier Restaurants in Crans-Montana. Sie verzeichnen für diesen Winter einen Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent.
Wir sind etwas paranoid geworden. Wir haben in allen Betrieben den Brandschutz überprüft und die Mitarbeiter neu geschult.
Vor allem aber habe die Brandkatastrophe Angst hinterlassen. «Wir sind etwas paranoid geworden», sagt der Restaurantbesitzer. Sie hätten in allen Betrieben den Brandschutz überprüft und die Mitarbeiter neu geschult, sagt der Wirt.
Den Überblick über die Folgen der Brandkatastrophe für Crans-Montana hat Tourismusdirektor Bruno Huggler. Besonders gelitten hätten die Hotels. «Im Januar und Februar lag der Rückgang bei minus 12 und minus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.»
Bei einigen hat sich eine gewisse Hoffnungslosigkeit eingestellt. Sie fragen sich: Wie geht es weiter?
Dieser Rückgang sei wohl für die meisten Betriebe verkraftbar. Schwerer zu ertragen seien für viele – neben der Betroffenheit über das Leid der Opfer – die Zukunftssorgen. «Bei einigen hat sich eine gewisse Hoffnungslosigkeit eingestellt. Sie fragen sich: Wie geht es weiter?»
Besonders gross sei die Sorge, dass Veranstalter von Grossanlässen Crans-Montana künftig meiden könnten. Daher sei es für ihn auch so wichtig gewesen, dass die Ski-Weltcup-Rennen Ende Januar wie geplant durchgeführt werden konnten.
Wie sehr die Brandkatastrophe das touristische Image von Crans-Montana längerfristig beschädigen wird, weiss noch niemand. Es hängt auch davon ab, was die laufenden Ermittlungen noch alles zutage fördern.