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Neue Prävention gegen Betrüger Theater gegen Schockanrufe: «Ihre Tochter hatte einen Unfall»

Den Schock, die Angst und den Druck spürbar machen: Das Basler Präventionstheater in Zusammenarbeit mit der Polizei zeigt reale Fälle und soll helfen, im Ernstfall richtig zu reagieren.

«Die Polizei hat mich mitgenommen. Ich bin inhaftiert. Sie sagen, ich muss ins Gefängnis.» Scheinbar aufgelöst ruft «Sarah» ihre Mutter an. Dieser nachgestellte Schockanruf geht unter die Haut.

Bühnen-Accessoire: schnurloses Telefon auf Tisch neben Vase, unscharfer Hintergrund mit Bestuhlung.
Legende: Auf der Bühne klingelt ein Telefon. Dann bricht eine Frauenstimme in Tränen aus. SRF/Sedrik Eichkorn

Das Opfer steht sofort unter Schock. Angst übernimmt die Kontrolle. Sie ist nicht mehr in der Lage zu realisieren, dass ihre echte Tochter eigentlich eine andere Stimme hat.

Opfer werden massiv unter Druck gesetzt

Dann der vermeintliche Ausweg: Ein Betrüger, der sich als «Wachtmeister» ausgibt, meldet sich. Der Richter habe bereits zugestimmt, Sarah gegen eine Kaution von 80'000 Franken wieder auf freien Fuss zu setzen. «Was haben Sie denn? Bargeld, Gold, Schmuck?»

Ältere Frau in telefoniert sitzend an Tisch mit Unterlagen.
Legende: Ein Schockanruf kann grosse Ängste in Opfern wecken – und sie zu irrationalem Handeln bewegen. SRF/Sedrik Eichkorn

Besonders perfide: Die Betrüger lassen ihr keine Zeit zum Überlegen. «Sofort, jetzt, es zählt jede Minute, sonst müssen wir Ihre Tochter unverzüglich einsperren.» Weiter bläuen sie dem Opfer ein, dass sie mit niemandem darüber reden darf.

Wenn wir Angst haben, sind wir zu vielen Sachen bereit.
Autor: Marco Liechti Leiter Kriminalprävention, Kantonspolizei Basel-Stadt

Stopp! Unterbrechung der nachgestellten Szene – Marco Liechti betritt die Bühne. Er leitet bei der Basler Polizei die Abteilung Kriminalprävention und sagt: «Wenn wir Angst haben, sind wir zu ganz vielen Sachen bereit.» Im Publikum des Basler «Kulturhuus Häbse» sitzen rund 300 ältere Menschen und nicken. Der Anlass wurde in Zusammenarbeit mit der Basler Polizei organisiert.

Polizist Marco Liechti im Basler «Kulturhuus Häbse».
Legende: Die Hauptbotschaft von Marco Liechti: Im Zweifelsfall immer das Telefonat sofort beenden. SRF/Sedrik Eichkorn

In der Schweiz gibt es pro Jahr mehr als eine Million Versuche dieser Betrugsmasche. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, geht die Polizei von einer positiven Entwicklung aus. Es fallen weniger Menschen darauf herein als noch vor ein paar Jahren. Wenn jemand jedoch Opfer wird, ist schnell viel Geld weg.

Das sind nicht dumme Menschen. Im Gegenteil, sie werden grossem Druck ausgesetzt und handeln aus Angst.
Autor: Marco Liechti Leiter Kriminalprävention, Kantonspolizei Basel-Stadt

Beim Präventionstheater werden drei verschiedene Fälle vorgespielt. Dabei handelt es sich um echte Geschichten, die sich so zugetragen haben. Polizist Marco Liechti betont, dass niemand davor gefeit ist: «Das sind nicht dumme Menschen. Im Gegenteil, sie werden grossem Druck ausgesetzt und handeln aus Angst.»

Theater löst Betroffenheit aus – hat aber begrenzte Reichweite

Das «Mit-Erleben» soll beim Präventionstheater im Zentrum stehen. Dadurch unterscheide sich das Projekt auch von anderen Kampagnen, wie von Plakaten oder Vorträgen. «Es kann eine Betroffenheit und im besten Fall auch Verhaltensveränderungen bei den Besucherinnen und Besuchern auslösen», sagt Fabian Ilg, Geschäftsleiter der Schweizerischen Kriminalprävention.

Bühne mit Broschüre zur Warnung vor Betrugsfällen.
Legende: Im Theater soll das Publikum erfahren, wie die Betrüger vorgehen – und lernen, wie man am besten reagiert. SRF/Sedrik Eichkorn

Der Nachteil liege in der geringen Reichweite. Ein ähnliches Projekt gibt es in Berlin. Auch dort komme das gut an, die Vorstellungen seien häufig schnell ausgebucht.

Happy End dank aufmerksamer Bankberaterin

Unterdessen ist das Opfer auf der Bühne im Basler «Häbse» bei der Bank, um ihre Ersparnisse abzuheben. Glücklicherweise reagiert die Bankberaterin richtig: «Ich glaube, Sie werden betrogen.» Ein Anruf bei der echten Tochter genügt, um den Betrugsversuch auffliegen zu lassen. Dem Applaus ist zu entnehmen, dass das Publikum erleichtert ist und mitgefiebert hat.

Polizist im Gespräch mit einer Frau nach der Vorführung.
Legende: Nach der Vorstellung bieten mehrere Polizistinnen und Polizisten einen unkomplizierten Austausch an. SRF

Das Projekt kommt beim Publikum gut an. «Ich wurde darin bestärkt, das Telefon im Zweifelsfall einfach zu beenden», sagt eine Besucherin. Die gut 300 Plätze seien sofort ausgebucht gewesen. Eigentlich ist nur eine Vorstellung geplant. Aufgrund des grossen Interesses seien aber weitere Aufführungen möglich. Unter Umständen könnte das Projekt auch in anderen Regionen der Schweiz gastieren.

Regionaljournal Basel, 28.05.2026, 17:30 Uhr

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