Mehrere Atomkraftwerke, die Zentrale der Stromnetzbetreiberin Swissgrid, das grösste Tanklager der Schweiz, Autobahnen oder wichtige Eisenbahnlinien: Im Kanton Aargau stehen viele Anlagen, die als kritische Infrastruktur für die Schweiz gelten. Die Polizei legt einen Schwerpunkt auf den Schutz dieser Einrichtungen. Das wurde am Rande der Jahresmedienkonferenz der Aargauer Kantonspolizei bekannt.
Es habe bereits Erkundungsaktionen gegeben, sagte Polizeikommandant Michael Leupold. «Es sind Aktivitäten, aus denen man schliessen muss, dass sich ausländische Dienste für unsere Infrastrukturen interessieren.» Erkundet werden etwa die Umgebung, der Zugang oder die Sicherheitsvorkehrungen.
Doch selbst wenn man dabei jemanden erwische, sei es schwierig, herauszufinden, für wen diese Person arbeite. Oft seien es Leute, welche Geld erhalten, aber gar nicht wüssten, wer der Auftraggeber sei. Sprich, ob ein Geheimdienst dahinterstecke. «Wir können nur versuchen, Rückschlüsse zu ziehen», sagt der Kommandant.
«Die kritische Infrastruktur ist physisch verletzlich»
Der Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin zeigt, wie schnell es gehen kann. Zehntausende Haushalte waren dort ohne Strom, teils tagelang. Eine linksextremistische Gruppierung bekannte sich zum Brandanschlag.
Neben Cyberangriffen müsse man sich in der Schweiz auch an solche Bedrohungen gewöhnen, meint Michael Leupold. «Die kritische Infrastruktur ist physisch verletzlich.» Man müsse wachsam sein, damit nicht durch vergleichsweise kleine Aktionen ein grosser Schaden angerichtet werden kann.
Der Polizist spricht damit auch die Sabotage von Glasfaserkabeln in Rheinfelden AG an. Mehrere Kabel wurden 2023 immer wieder durchgeschnitten. Tausende Menschen in der Region waren lange ohne Internet oder Telefon.
Bewusstsein für das Thema ist da
In den letzten Jahren sei allerdings viel in die Sicherheit investiert worden. Zusammen mit den Kernkraftwerken oder der Swissgrid habe man die Anlagen überprüft, so der Aargauer Polizeikommandant Leupold. Dabei habe man auch Verbesserungspotenzial gefunden.
Zur Vorbeugung gehörten auch Absprachen mit der Armee oder gemeinsame Übungen für den Ernstfall. Mit den Kraftwerken oder der Netzbetreiberin werde bereits regelmässig geübt. In den letzten drei Jahren – also seit dem russischen Überfall auf die Ukraine – habe es eine deutliche Sensibilisierung gegeben.
Aber auch wenn die Polizei den Schutz kritischer Infrastruktur verstärkt: Rund um die Uhr überwachen kann sie sie nicht. Die Betreiber müssten auch selber schauen und ihre Anlagen schützen. Aber wenn eine Drohne in der Nähe gemeldet werde, könne man gemeinsam reagieren. Und etwa abklären, ob es sich um einen Angriff handelt oder bloss ein Drohnenpilot die Vorschriften missachtet hat.