Früher an der Fasnacht wollte ich immer Prinzessin sein: mit Glitzerkleid und einem Plastik-Krönchen aus der Spielwarenabteilung, das mehr nach Schnäppchenecke als nach Buckingham Palast aussah. Eine Prinzessin, das war etwas Höheres – «Rex dei gratia», von Gottes Gnaden. Ein göttlicher Passierschein für alles, was sich ein Normalsterblicher nie trauen würde, garniert mit einem Stammbaum, der so verstrickt ist wie die Verwandtschaftsverhältnisse in Appenzell Innerrhoden.
Vom Thron auf die Bierbank.
Doch heute gleicht die Monarchie eher einer schrägen Guggenmusik: laut, auffällig, musikalisch ein Totalschaden. Man spielt das Lied der göttlichen Auserwähltheit, doch sobald ein schräger Ton fällt, heisst es: «Wir sind doch auch nur Menschen!» Aber eben Menschen, denen man jetzt genauer auf die Krone – oder eher auf die Finger – schaut.
Nehmen wir Prinz Andrew: Früher «Königliche Hoheit», behangen mit Orden wie ein fanatischer Fasnachtsplaketten-Sammler. Dann die Missbrauchsvorwürfe – schwup: Plötzlich ist er nicht mehr Hoheit, sondern nur noch der Andrew, der «von nichts gewusst» hat. Vom Thron auf die Bierbank am Morgenstreich.
Und plötzlich hängt im Louvre ein demaskierter Clown nach sechs Tagen Dauerrausch!
Letzte Woche gab es für ihn dann aber einen ganz persönlichen «Morgestraich»: Die Polizei stand um vier Uhr früh in seiner Hütte. Amtsmissbrauch. Er soll Jeffrey Epstein geheime Staatsakten geschickt haben. Der «Blick» berichtete, wie er an seinem 66. Geburtstag abgeführt wurde – fast so dekorativ wie kurz zuvor Nicolás Maduro. Ein Geburtstagsgeschenk stellt man sich anders vor.
Der Prinz auf dem weissen Ross ist Geschichte.
Während die Ermittler in drei Millionen Epstein-Dateien wühlen – was etwa so aussichtsreich ist, wie ein einzelnes Konfetti in einem Berg Basler Räppli zu finden – hängt sein Porträt im Louvre. Aktivisten schmuggelten ein Bild von Andrew im Polizeiauto direkt neben die Mona Lisa. Er sitzt darin, bleich und zusammengesunken wie ein demaskierter Clown nach sechs Tagen Dauerrausch. Titel: «Jetzt schwitzt er – 2026».
Dazu das offizielle Reitverbot der Krone. Der Prinz auf dem weissen Ross ist Geschichte. Vielleicht sieht man ihn jetzt künftig beim Hobbyhorsing.
Und auch im Norden bröckelt der Lack. Marius Borg Høiby, Sohn von Mette-Marit, sammelt Anklagepunkte wie andere Panini-Bilder. Wenn es glänzt, ist man königlich; wenn die Polizei klopft, ist man plötzlich nur noch der «Kevin von nebenan«.
Doch sind wir ehrlich: Wir, das Volk, wir brauchen diese Skandale
Doch sind wir ehrlich: Wir, das Volk, wir brauchen diese Skandale. Wir brauchen die royalen Handpuppen, um unser eigenes moralisches Chaos auf sie zu projizieren. Die Monarchie ist vielleicht einfach die längste Fasnacht Europas. Nur ohne den Spass.