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Schlachtpreise sind im Keller Überproduktion in der Schweinezucht: Massnahme spaltet die Bauern

Der Branchenverband Suisseporcs schlägt vor, Betriebsaufgaben zu belohnen. In der Ostschweiz kommt die Idee schlecht an.

Worum geht's? Der Schlachtpreis für Schweinefleisch ist seit Wochen tief. Pro Kilo gibt es momentan 3.70 Franken. Über einen Franken weniger als noch vor einem Jahr.

Warum sind die Preise im Keller? Weil zu viele Schweine auf dem Markt sind. Seit August sei das Angebot grösser als die Nachfrage, sagt Roman Winiger, Mitglied des Zentralvorstands der Suisseporcs und Präsident der Sektion Zentralschweiz. «Es kam zu Lagerbeständen.» In der Folge kam es Anfang Jahr zu einem Preisschock: Innerhalb einer Woche fiel der Schlachtpreis pro Kilo um 70 Rappen.

Was lässt sich dagegen unternehmen? Suisseporcs, der Branchenverband, hat ein sogenanntes Stilllegungskonzept ausgearbeitet. Konkret heisst das: Vor allem Schweinezüchter kurz vor der Betriebsaufgabe sollen – mit einem finanziellen Anreiz – zu einem früheren Ausstieg bewegt werden. «Ziel ist es, pro Jahr rund 1500 Zuchtsauenplätze vom Markt zu nehmen», sagt Roman Winiger. Der Besitzer des jeweiligen Stalls würde pro Tier entschädigt. Als Richtgrösse stehen 2000 Franken pro Tier im Raum – bezahlt aus einem Fonds, in den alle Schweinehalter einzahlen. So liesse sich der Fleischpreis wieder stabilisieren.

Was halten die Bauern davon? Unter den Schweineproduzentinnen und -produzenten ist der Vorschlag umstritten. Das zeigte sich an der ordentlichen Delegiertenversammlung in St. Urban LU vom Mittwoch. Widerstand gibt es vor allem aus der Ostschweiz. Dort sind die Betriebe tendenziell grösser als in der Zentralschweiz. Die Produzenten stellen sich gegen den Eingriff und pochen auf den freien Markt.

Gruppe von Schweinen in einem Stall.
Legende: Im Jahr 2024 lebten in der Schweiz knapp 1.3 Millionen Schweine. SRF

Was sind die Argumente dagegen? «Man will ein Konzept durchwinken, das nicht sauber ausgearbeitet worden ist», sagt ein Delegierter aus der Ostschweiz. Ein anderer meint: «Wenn Geld verteilt wird, gibt es immer Missbrauch. Und diesen Missbrauch wollen wir nicht.» Die Schweinehalter aus der Ostschweiz beantragten deshalb, zusätzliche Optionen zum Stilllegungskonzept auszuarbeiten. Und die geplante ausserordentliche Delegiertenversammlung zum definitiven Entscheid über das Stilllegungskonzept zu sistieren. Beides wurde aber abgelehnt.

Was sind die Argumente dafür? Für Roman Winiger, Mitglied des Zentralvorstands der Suisseporcs, ist das Stilllegungskonzept ein «wichtiges Puzzleteil in der Mengensteuerung». Und ein anderer Delegierter meint: «Wir haben momentan keine greifbaren Alternativen.» Ob das Konzept «das Gelbe vom Ei» sei, werde sich zeigen.

Wann fällt der definitive Entscheid? Suisseporcs hält am 27. Mai in Olten eine ausserordentliche Delegiertenversammlung ab. Dann entscheiden die Züchterinnen und Züchter über das Stilllegungskonzept. Für den Beschluss braucht es eine Zweidrittelmehrheit.

So funktioniert der Schweinezyklus

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Wenn die Nachfrage nach Schweinefleisch höher ist als das Angebot, steigen die Preise. Für Schweinezüchter wird es dann lukrativ, die Produktion auszuweiten.

Das Problem: Weiten zu viele Bauern ihre Produktion aus, entsteht später ein Überangebot. Die Bauern können die Schweine nicht mehr zu den hohen Preisen verkaufen. In der Folge sinken die Preise wieder.

Teilweise kommt es danach zu einem Strukturwandel, sprich zu Betriebsaufgaben. Diese Wellenbewegungen entsprechen dem sogenannten Schweinezyklus.

Regionaljournal Zentralschweiz, 7.5.2026, 6:31 Uhr ; 

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