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SRG-Initiative vom 8. März So diskutieren Junge über das Angebot von SRF

Im Abstimmungskampf zur SRG-Initiative spielen die Jungen eine zentrale Rolle. Sowohl das Ja-Lager auch das Nein-Lager argumentieren mit der Sicht der Generation Z. Was sagen die Jungen selbst?

Für die Befürworter der SRG-Initiative, die die Radio- und Fernsehgebühren von 335 auf 200 Franken kürzen will, ist klar: Die Jungen würden kaum mehr SRF-Inhalte konsumieren und deshalb seien die heutigen Gebühren zu hoch.

Die Gegner sind der Meinung: Gerade für die Jungen bräuchte es ein starkes Angebot der SRG, als Ausgleich zum ungefilterten Informationsschwall auf den sozialen Medien. Der Besuch in einer Berner Wohngemeinschaft zeigt ein differenziertes Bild.

«Ich freue mich über keine Rechnung»

Lara (26) und Fabio (27) wohnen seit einem halben Jahr zusammen in einer Wohngemeinschaft. Eigentlich seien sie zu dritt, aber der Kollege mache gerade eine Skitour. Sie alle würden noch studieren, müssten sich den Lebensunterhalt aber selbst verdienen: «Wenn man Teilzeit arbeitet und daneben noch studiert, freut man sich über keine Rechnung, die in die Wohnung flattert», sagt Lara. Auch nicht über die Serafe-Rechnung, mit der die WG das SRG-Angebot bezahle.

Aber immerhin könnten sie die aktuell 335 Franken durch drei rechnen, macht knapp 112 Franken. «Das gehe ja grad noch», meint Fabio. Seine Freundin wohne allein und schaue, höre oder lese kaum SRF. «Sie schaut Netflix und bezahlt dort auch gerne den Abopreis, weil sie etwas davon hat – im Gegensatz zum SRF-Angebot, das sie nicht nutzt.»

«Landfrauenküche brauche ich nicht!»

Er verstehe, wenn seine Freundin die SRG-Initiative an der Urne annehme, er selbst sei hin und hergerissen: «Ich brauche SRF halt auch nicht wirklich, höchstens für den Sport», sagt Fabio – «Aber du schaust die Tagesschau!», entgegnet Lara.

Eine junge Erwachsene schaut an einer Tramhaltestelle auf ihr Handy.
Legende: Konkurrenzkampf im Internet: Für die SRG ist es schwieriger geworden, die Jungen zu erreichen. Keystone/Gaetan Bally

Natürlich könnte auch sie auf einige SRF-Sendungen verzichten: «Die Landfrauenküche brauche ich wirklich nicht. Aber das ist halt sehr subjektiv.» Nicht jede Sendung müsse allen gefallen, findet Lara. Aber für alle solle etwas dabei sein. Und da müsse die SRG schon aufpassen, dass sie die jungen Generationen nicht vergesse und mehr und mehr verliere.

«Es gibt tausende Alternativen»

Dem pflichtet auch Fabio bei: «Früher, als ich noch zuhause wohnte, schaute ich viel mehr SRF, gemeinsam mit meiner Familie. Heute ist das anders». – «Ja», sagt Lara verschmitzt: «Da sitzen wir dann um den Tisch und schauen zusammen Tiktok.» Für die SRG sei es schwieriger geworden, die Jungen zu erreichen, wegen der grossen Konkurrenz, ist Lara überzeugt: «Es gibt tausende Alternativen im Internet, die unsere Aufmerksamkeit binden.»

Was die Jungen wollen

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Medienwissenschaftler Mark Eisenegger setzt sich seit Jahren mit dem Schweizer Medienkonsum auseinander. Er sagt: «Junge wünschen sich eine Art ‹Spotify für Journalismus›, eine Plattform, auf der sie nach Themen und nicht nach Sendungen suchen können.» Auch wollten die Jungen mehr Alltagsnähe bei der Berichterstattung: «Zu wissen, inwiefern mich ein Thema betrifft und allenfalls auch Lösungsansätze präsentiert zu bekommen, ist den Jungen besonders wichtig».

Laut dem neusten Reuters-Report des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich nutzen 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen mindestens einmal wöchentlich SRG-Inhalte.

Die SRG täte gut daran, die Jungen da abzuholen, wo sie sowieso seien, findet Fabio: «Mit kurzen Videos und kurzen Texten auf den sozialen Medien, die häppchenweise zwischendurch konsumiert werden können.» Dann würde vielleicht auch seine Freundin wieder SRF nutzen.

«Fundierter Journalismus ist extrem wichtig»

Kürzer und digitaler heisse aber nicht automatisch günstiger, sagt Lara. Für sie brauche es jetzt einen starken, fundierten Journalismus: «Ich finde es extrem wichtig, gerade in dieser Zeit, in der wir Inhalte teils nicht mehr zwischen fake und echt unterscheiden können, dass wir unabhängige Medien haben und verlässliche Quellen.»

Das sei auch ihm wichtig, pflichtet Fabio bei. Aber ob das nicht etwas günstiger gehe? Zumindest für jene Personen, die das SRG-Angebot kaum nutzten: «Ich fände es gut, wenn man nur das bezahlen muss, was man auch braucht.» Den Sport zum Beispiel – oder die Tagesschau.

Tagesgespräch, 16.2.2026, 13 Uhr;flal;weds

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