In einem Tunnel zu tanken, ist grundsätzlich nicht ratsam. Wegen der Explosionsgefahr zum Beispiel. Doch in einem Krieg lauert beim Tanken eine noch viel grössere Gefahr: ein Angriff mit Drohnen. Wie die neuesten Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zeigen, sind Militärfahrzeuge, welche zum Tanken etwa im Wald anhalten müssen, leichte Ziele.
Michael Schifferli, Major in der Schweizer Armee, erklärt: «Auf dem modernen Gefechtsfeld kann man eine Logistikversorgung im Wald nicht mehr machen.» Aufgrund der heutigen Aufklärungsmethoden seien diese Standorte viel zu leicht zu erkennen und auch viel zu leicht anzugreifen. «Im Tunnel oder in einer Einstellhalle ist man hingegen vor Aufklärung von oben geschützt und man kann auch die Zufahrten sichern.»
Der Bözbergtunnel wird in der Nacht zur Armee-Tankstelle
Die Schweizer Armee will diese Lehren umsetzen. In der Nacht auf heute testete sie im Rahmen der Übung «Conex 26» das Tanken im Bözbergtunnel – auf der A3 zwischen Basel und Zürich. Sie hat die 3,7 Kilometer lange Röhre gesperrt, um darin eine Tankstelle für Militärfahrzeuge einzurichten. Tanken im Tunnel, das war eine Premiere für die Schweizer Armee.
Kurz nach Mitternacht fuhren Radpanzer und mehrere Militär-Lastwagen in den gesperrten Bözbergtunnel hinein. Ein Soldat nahm den Schlauch vom Betankungsfahrzeug und füllte den Lastwagentank. Das Ganze klappte wie am Schnürchen. Für den Beobachter wirkte es eigentlich banal. «Das ist richtig, Tanken üben müssen wir nicht», so Michael Schifferli. «Aber in einen solchen Tunnel hineinfahren, auftanken und dann weiterfahren mit möglichst wenig Zeitverlust, das ist gar nicht ganz so einfach.»
Geübt werde das Zusammenspiel der verschiedenen militärischen Verbände, erklärt Schifferli. Also jenes Verbandes, der die anderen Fahrzeuge betankt, mit jenen Verbänden, deren Fahrzeuge betankt werden.
Vor Ort zeigt sich: Es ist tatsächlich eine logistische Herausforderung, rund 150 verschiedene militärische Fahrzeuge innert weniger Stunden vollzutanken.
Wie eine Maus im Loch?
Doch was ist, wenn die Drohnen einfach bei der Tunnelausfahrt auf die Armeefahrzeuge warten? Dagegen hätte man im Ernstfall vorgesorgt, sagt Alexander Kohli, Kommandant der Territorialdivision 2. Um dies zu verhindern, waren vor den Tunneleingängen und -ausgängen Soldaten postiert. «Ohne Schutz wäre man im Tunnel wie eine Maus, die vom Kater gefressen wird, sobald sie aus ihrem Mauseloch herauskommt. Wir müssen den ganzen Angriffsbereich des Katers im Griff haben.»
Das Szenario im Bözbergtunnel ist nur eines von mehreren, die mit «Conex 26» geübt werden. Es geht auch um den Grenzschutz und speziell um den Schutz der Basler Rheinhäfen. Diese Übung lehne sich an die Krim-Annexion durch Russland vor zwölf Jahren an, als Häfen besetzt wurden.
Desinformation und Drohnen als moderne Angriffsmittel?
Die heutigen Bedrohungen seien hybrid. Die Schweiz sei jetzt schon Desinformation und Cyber-Angriffen ausgesetzt, sagte der Kommandant, Alexander Kohli. «Wir hatten im letzten Jahr über 260 Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur-Objekte, welche unsere Gesellschaft braucht, um zu überleben.»
Neben diesen Cyberangriffen könnten aus Sicht der Armee auch Drohnenangriffe irgendwann zur Realität werden. «Die Armee ist am Üben, die kritische Infrastruktur besser zu schützen», so Kohli. Übungen wie «Conex 26» würden dazu dienen.